
Es sollte eine zweite Ära der "Galaktischen" werden. Doch am Mittwochabend wurde wieder einmal klar, dass auch noch so viel Geld keine Erfolge kaufen kann. Im Rückspiel gegen Olympique Lyon erlebte Real Madrid sein Waterloo. Aus im Achtelfinale! Schon wieder! So hatte sich Perez das sicher nicht vorgestellt. "Wir haben den Europacup im Erbgut", hatte dieser zuletzt wieder erklärt. "Wir gehen raus und machen alles klar", hatte Urgestein Guti vor dem Spiel getönt.
Doch den großen Worten folgten keine Taten. Cristiano Ronaldo brachte die Gastgeber zwar nach sechs Minuten in Führung, doch danach verpassten es die "Königlichen", gegen vor der Pause schwache Gäste einen zweiten Treffer nachzulegen. Higuain hatte Lyon-Keeper Lloris bereits umkurvt, traf statt des leeren Tores jedoch nur den Pfosten (25.). So erhielten die Franzosen die Chance, sich in der Halbzeit neu zu sortieren. Pjanic versetzte Madrid eine Viertelstunde vor Schluss in den Schockzustand. Im Konzert der Großen spielt Real auch in diesem Jahr keine Rolle.
Von den Spielern selbst sind mittlerweile eher verhaltene Töne zu hören. "Wir bitten unsere Anhänger um Verzeihung. Sie sollen aber auch wissen, dass wir uns nicht entmutigen lassen", entschuldigte sich Torwart Iker Casillas bei den Anhängern der Madrilenen. Die Mannschaft sei frustriert und niedergeschlagen. Casillas verwies aber gleichzeitig auf das wichtige Ziel Meisterschaft.
Doch trotz Rang eins in der spanischen Liga wird es für Manuel Pellegrini nun eng. "Ich werde nicht zurücktreten, ich werde den Kampf nicht aufgeben", erklärte der Coach nach dem Desaster: "Ich denke, es wäre absurd, das hier zurückzulassen, wo es doch gerade erst anfängt. Natürlich sind wir alle sehr enttäuscht und es tut wirklich weh, aber ich denke nicht, dass dies nur ein Ein-Jahres-Projekt ist, ganz im Gegenteil." Auch Generaldirektor Jorge Valdano mahnte zur Ruhe und gab Pellegrini Rückendeckung. "Der Plan ist, dass er als Trainer weitermacht", erklärte der Argentinier.
„Die grausame Wahrheit für das weiße Ballett: 300 Millionen Euro im Müll!“Die katalanische Zeitung "Sport" zum Aus von Real.
Unterstützung erhält Pellegrini auch von Casillas. "Alle Spieler stehen hinter ihm, und das haben wir ihm auch gesagt." Für eine solche Niederlage werde immer der Coach verantwortlich gemacht. "Aber die Hauptschuldigen sind wir, die Spieler."
Früher oder später wird Pellegrini aber dran glauben müssen, denn für Geduld mit ihren Trainern sind sie in Madrid nicht unbedingt bekannt. Auch Valdano und Sportdirektor Miguel Pardeza dürften von Klubchef Perez in die Pflicht genommen werden. Denn es war klar, dass Erfolg und Misserfolg sich in Madrid im Jahr 2010 einzig über die Champions League definieren würden. Da liefert auch die Tabellenführung in der Liga keinen Trost. Schließlich findet das Finale am 22. Mai im Bernabeu statt. Nun könnte Real auch noch der ultimative Albtraum erwarten, sollte es dem FC Barcelona als erstem Team gelingen, den Titel in der Champions League zu verteidigen. Im Bernabeu.
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