Dabei verhandelten Martin Jol, sein Berater Mino Raiola und die Klub-Vertreter am späten Nachmittag in einer gemeinsamen Sitzung über Ablöse- und Auflöse-Modalitäten. Völlig überraschend trifft den HSV Jols Abschied nicht. Schließlich hatte der Niederländer immer wieder mit anderen Klubs und Offerten kokettiert. Bei der Nachfolgersuche könnte wieder ein Name in den Fokus rücken, der bereits für die Stevens-Nachfolge ein Kandidat war: Bruno Labbadia, derzeit noch bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, aber dort nicht unumstritten. Ein weiterer Kandidat ist der Ex-Schalker Mirko Slomka.
"Ajax bietet mir eine sehr gute Chance und überträgt mir viel Verantwortung. Es ist ein fantastischer Klub und ich freue mich auf die neue Aufgabe", sagte Jol. "Beim HSV hat es mir sehr gut gefallen, Hamburg ist eine tolle Stadt zum Leben und Arbeiten. Wir hatten gemeinsam ein sehr gutes, intensives Jahr. Über die Zukunft gab es jedoch unterschiedliche Auffassungen."

Enttäuscht reagierte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. "Wir haben Martin Jol nicht zur Erfüllung seines Vertrages verpflichtet, weil Ajax Amsterdam ihm seinen Wunsch nach einem langfristigen Vertrag erfüllt und weitreichende Kompetenzen geboten hat. Er hat dort die besseren Perspektiven gesehen. Die Entwicklung der vergangenen Tage kam absolut überraschend." HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer ergänzte: "Wir haben oft über die zukünftige Ausrichtung gesprochen, aber wir hatten einfach unterschiedliche Vorstellungen."
Beiersdorfer selbst steht beim HSV nicht zur Disposition. Gerüchte, wonach der Sportdirektor gegen Ex-Profi Sergej Barbarez ersetzt werden könnte, dementierte der Verein umgehend. "Davon ist kein Wort wahr. Das ist alles frei erfunden. Darüber wurde nie ein Wort verloren", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Jol, dessen Vertrag bei den Hanseaten noch bis 2010 lief, hatte den HSV im Sommer von Landsmann Huub Stevens übernommen und das Team nach sportlicher Talfahrt am Saisonende auf der Zielgraden doch noch ins internationale Geschäft geführt - Risse im Verhältnis zwischen dem teuersten HSV-Trainer aller Zeiten (Jahresgehalt 2,5 Millionen Euro) und der Führung hatte es dennoch gegeben, da Jol immer wieder öffentlich fehlende Qualität im Kader sowie die Transferpolitik beklagte. Eine Politik, der er in den jeweiligen Transferperioden jedoch immer zugestimmt hat.
Jols Assistenten Cornelis Jol, Ricardo Moniz, Zeljko Petrovic und Michael Lindeman werden die Hanseaten ebenfalls verlassen. Und der HSV ist wie vor einem Jahr erneut auf Trainersuche.
Martin Jol kam im Sommer 2008 nach Hamburg, zuvor war er zunächst als Co-Trainer und dann als Hauptverantwortlicher bis Oktober 2007 bei Tottenham Hotspur tätig. Die Spurs führte er in seiner Premierensaison als Chefcoach prompt auf den neunten Platz.
Sebastian Wolff
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