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23.04.2009, 14:29

Energie Cottbus: Klartext von Manager Heidrich

"Hoeneß braucht kein Wurstpaket schicken"

Erst der leblose Auftritt auf Schalke, dann Ärger mit den eigenen Fans und nun Tabellenführer Wolfsburg vor der Brust. Manager Steffen Heidrich (41) bezieht Stellung und schwört Energie auf den Abstiegskampf ein.

Energie Cottbus: Steffen Heidrich
Mann der klaren Worte: Cottbus-Manager Steffen Heidrich appelliert an seine Spieler.
© picture allianceZoomansicht

kicker: Herr Heidrich, sind Sie noch immer sauer wegen des 0:4?

Steffen Heidrich: Wir wissen das einzuordnen, auf Schalke kann man verlieren. Nur das Wie, das hat mich angekotzt. Die Art und Weise kann, nein, darf man nicht schönreden.

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kicker: Wie erklären Sie sich die desolate Vorstellung?

Heidrich: Uns haben mit Angelov und Rost zwei wichtige Spieler gefehlt. Schalke hat von der ersten Sekunde voll gepowert, nach vier Minuten der Nackenschlag durch ein abgefälschtes Gegentor. Dennoch: Ich muss mich anders wehren. Wir kamen nicht einmal in die Zweikämpfe.

kicker: 16 Pflichtspiele in Folge gelang es nicht, hinten zu null zu spielen. Was ist mit der Defensive?

Heidrich: Es ist augenscheinlich, dass es im gesamten Abwehrgefüge nicht stimmt. Das weiß der Trainer genau und wird es nach den Trainingseindrücken in dieser Woche verändern.

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Bojan Prasnikar

kicker: Bojan Prasnikar wird der Vorwurf gemacht, er baue zu sehr auf seine Lieblingsspieler, statt auf Leistung zu setzen.

Heidrich: Er ist ein erfahrener Coach, der sich unglaublich viele Gedanken macht. Er lebt für den Fußball, ist ein akribischer Arbeiter.

kicker: Und sitzt weiter fest im Sattel?

Heidrich: Ja. Er versucht immer, die beste Elf aufzustellen. Er schwächt sich doch nicht selbst.

kicker: Die Spieler wollten sich nach der Schalke-Partie nicht den Fans stellen, bieten den Anhängern nun an, das Eintrittsgeld zurückzahlen. Diese lehnten ab. War die Bezahl-Aktion das falsche Zeichen?

Heidrich: Nicht alle lehnten das ab. Es war eine Geste, nicht mehr. Die richtige Antwort muss jetzt aber auf dem Platz kommen. Direkt nach dem Spiel ist so eine Aussprache auch gefährlich, man ist voll Adrenalin und voll negativer Emotionen. Wir wollen uns bewusst auseinandersetzen, auf einer Ebene, die was bringt. Das wird an diesem Donnerstag mit fünf Spielern auf einem Fan-Forum geschehen.

kicker: Ist der Kredit nach dem Sieg über Bielefeld aufgebraucht?

Heidrich: So weit würde ich nicht gehen. Und die Art und Weise beim 0:4 hat ja auch die Mannschaft gestört. So wie die Stimmung in der Kabine war, konnte man denken, wir seien bereits abgestiegen.

Das Mindeste aber ist, dass die Leidenschaft wieder da ist - sonst haben wir keine Chance, gegen niemanden.Steffen Heidrich

kicker: Das ist nun anders?

Heidrich: Die Ergebnisse der Konkurrenten haben uns aus dem Loch geholt. Die Spieler sind kämpferisch, wollen es wiedergutmachen.

kicker: Es reicht also schon zur Beruhigung, dass die Konkurrenz ebenfalls nicht punktet?

Heidrich: Es macht Hoffnung. Aber das allein hilft uns nicht über die Ziellinie. Es sieht so aus, als ob sich alles zwischen vier Teams entscheidet: Bielefeld haben wir geschlagen, gegen Karlsruhe und Gladbach spielen wir noch. Wir haben es also selbst in der Hand. Das Mindeste aber ist, dass die Leidenschaft wieder da ist - sonst haben wir keine Chance, gegen niemanden.

kicker: Hält Energie die Klasse?

Heidrich: Ein klares Ja!

kicker: Was macht Sie optimistisch?

Heidrich: Wir sind mittendrin, nur ein Punkt hinter einem Nichtabstiegsplatz! Klubs mit dem dreifachen Etat von uns sind in Reichweite. Ich bin es auch leid, wie ein normaler Bundesligist zu diskutieren, wenn man mit anderen Mitteln kämpfen muss, immer wieder an Grenzen stößt.

kicker: Was wird im Abstiegskampf den Ausschlag geben?

Heidrich: Wir haben von den sechs Spielen noch vier Heimspiele. Das muss unser Pfund sein.

kicker: Muss auch Wolfsburg zittern?

Heidrich: Wir haben da doch null zu verlieren! Daran können unsere Spieler nur wachsen. Uli Hoeneß braucht uns kein Wurstpaket als Motivationshilfe zu schicken.

kicker: Grafite und Dzeko zusammen haben 14Tore mehr erzielt als das komplette Cottbuser Team. Wird Ihnen angesichts Ihrer wackeligen Defensive nicht angst und bange?

Heidrich: Das Duo ist zusammen mit Misimovic das Beste, was die Liga zu bieten hat. Aber Angst ist der größte Hemmschuh. Wenn das so sein sollte, müssen die Spieler aus dem Verein austreten, dann haben sie in der Bundesliga nichts zu suchen.

kicker: Was passiert mit Energie bei einem Abstieg in die 2.Liga?

Heidrich: Wir sind gut aufgestellt.

kicker: Was bedeutet das?

Heidrich: Das Gros der Mannschaft hat Verträge für die 2.Liga, das Gehalt würde angepasst. Die Spieler wissen also genau, wo es hingeht. Der Kader ist so oder so zu groß, da wird sich etwas tun. Jetzt kann sich jeder empfehlen.

Interview: Marcus Lehmann

23.04.09
 
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