Die Aktivitäten auf dem Transfermarkt beschränkten sich auf zwei Neuzugänge, für die freilich tief in die Tasche gegriffen wurde: Angreifer Jefferson Farfan (23, Eindhoven) ist bei 10 Millionen Euro Ablöse der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, daneben kam Mittelfeld-Allrounder Orlando Engelaar (28, Twente Enschede) für 5,5 Millionen. Verabschiedet wurden die Reservisten Bajramovic (Eintracht Frankfurt), Abel (Kaiserslautern, beide ablösefrei) und Larsen, dessen Verkauf an den FC Toulouse stolze drei Millionen Euro Ablöse brachte.
Die Testergebnisse gestalteten sich wechselhaft. Das 0:3 beim Drittligisten Wuppertal und ein 1:2 gegen Besiktas Istanbul waren Enttäuschungen. Dagegen schlug man die Glasgow Rangers (1:0) und zuletzt Aachen (4:0) überzeugend. Erledigt wurde zudem die Pflicht gegen Erkenschwick (6:0), die SG Wattenscheid (1:0), und die Nationalmannschaft Bahrains (4:1).
Die Abwehr war schon in der Vorsaison ein Bollwerk und dürfte es bleiben. Erst recht, wenn nun drei Abräumer im Mittelfeld agieren. Zudem hat der Angriff dank Farfans individueller Klasse an Unberechenbarkeit gewonnen. Problem zum Start: Der Ausfall von Keeper Neuer (Mittelfußbruch) bedeutet bei allem Respekt vor Routinier Schober eine Schwächung.
Ob 4-4-2 mit Raute bzw. offensiven Außen, 4-3-3 oder 4-2-3-1 - der Kader gibt praktisch alle Systemvariationen her. Herauskristallisiert hat sich bisher ein 4-3-3 mit einem defensiven Mittelfeldmann zentral vor der Abwehr und zwei "Halbspielern" davor. Dieser "Trichter" soll die gegnerischen Angriffe schon weit vorm eigenen Tor schlucken, danach soll schnell und flach in die Spitze gespielt werden. Dort legt nach Möglichkeit der Mittelstürmer auf die Außen ab, um diese in eine ideale Position (als Vorbereiter oder Schützen) zu bringen.
Fred Rutten (45) scheint den Kader dank seiner Konsequenz und Kommunikationsstärke bislang voll im Griff zu haben. Nicht zuletzt deshalb herrscht rund um Schalke spürbare Vorfreude auf die Saison. Manager Andreas Müller (45) spricht für viele: "Wenn dieser Trainer keinen Erfolg hat, wer dann?"
Die Meisterschaft haben nahezu alle Spieler als Saisonziel ausgegeben. Diesmal allerdings nicht so trotzig wie im Vorjahr, als das Unterfangen gegen Bayerns Star-Ensemble von vornherein utopisch war. Das Vertrauen in die eigene Stärke wirkt im Vergleich dazu diesmal wesentlich fundierter.
Schalkes großer Kader hat die Klasse, um bis zum Ende ganz oben mitzuspielen. Ob das gar zum Titelgewinn reicht, hängt zwangsläufig auch von Stärke bzw. Schwäche der Konkurrenz, insbesondere des FC Bayern, ab.
Thiemo Müller
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