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03.10.2012, 18:36

Pflichttermin Minsk mit Hindernissen und Nachwehen

Rummenigge schlichtet, Hoeneß sieht keinen "Ballon"

Die Reise des FC Bayern nach Minsk zum zweiten Gruppenspiel der Champions League gegen Baryssau hatte im Vorlauf den Charakter eines Pflichttermins: Hinfliegen, drei Punkte einsacken, die Gruppe F anführen, vereinsinternen Sieg-Rekord aufstellen - und gut ist's. Heraus kam das Gegenteil: Das Hinfliegen klappte noch, dafür gab es null Punkte, Platz drei in der Gruppe, keinen Vereinsrekord - und ein verbales Kräfteringen zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer. Nach der Rückkehr gab es entsprechenden Klärungsbedarf.

Jupp Heynckes und Matthias Sammer
Die Kompetenzbereiche werden abgesteckt: Jupp Heynckes und Matthias Sammer.
© picture-alliance/Getty ImagesZoomansicht

Die 95 Minuten im Dinamo-Stadion der weißrussischen Hauptstadt hatten den Verantwortlichen des Rekordmeisters mächtig auf den Magen geschlagen, trotz des zum Bankett gereichten Lachstartars und der Rindersteaks. Doch Karl-Heinz Rummenigge wollte bei der obligatorischen Rede im Restaurant Dolce Vita des Crowne Plaza Hotel nicht zu sehr die verbale Peitsche auspacken. "Ich glaube, es macht keinen Sinn, zu kritisch zu sein", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bayern. Nach neun Pflichtspielsiegen in Folge wollte er trotz der lange Zeit inspirationslosen Darbietung nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.

Natürlich hätte das Spiel einen gänzlich anderen Verlauf genommen, wenn Toni Kroos seine Großchance in der 13. Minute verwertet hätte, doch der Mittelfeldmann traf mit links aus leicht spitzem Winkel nur den Pfosten des leeren Tores. Für alle Beteiligten und Beobachter war dies die Schlüsselszene, denn mit einer Führung im Rücken hätten die Bayern die Weißrussen rauslocken und selbst kontern können.

So aber ging Baryssau nach reichlich Verwirrung in der Münchner Defensive in Front und verdrehte damit die taktische Herangehensweise ins Gegenteil. Die Bayern rannten an, ohne wirklich gefährlich zu werden, die Hausherren um den Ex-Stuttgarter Aliaksandr Hleb verteidigten mit Mann und Maus und setzten immer wieder Nadelstiche. Der deutsche Rekordmeister hatte 14 Ecken, Baryssau keine einzige, doch Torchancen erspielten sich Ribery & Co nur zwei mehr als der Gegner (7:5). Kein Wunder, dass "Fehlschütze" Kroos nach dem Schlusspfiff konsterniert feststellte, dass "wir in der Lage sein müssen, einen Rückstand abzuhaken".

Apropos abhaken: Neben der bitteren Niederlage hatte die "Bayern-Familie" auch die mittelschwere Verbal-Fehde zwischen Trainer Jupp Heynckes und dem Sportvorstand mitgenommen. Nachdem Sammer den Auftritt der Münchner beim zurückliegenden 2:0 in Bremen als "lätschern" bezeichnet hatte, stellte Heynckes direkt vor dem Spiel in Minsk ein wenig überraschend, aber dafür glasklar fest, dass ihm derlei öffentlich getätigte Kritik überhaupt nicht passe. "Mit der Form, Art und Weise war ich nicht einverstanden", sagte der 67-jährige Coach: "Ich weiß aus Erfahrung, dass es ganz wichtig ist, die Dinge intern anzusprechen." Sammers Aussagen nach dem Bremen-Spiel seien laut Heynckes "Populismus, und den können wir nicht gebrauchen".

Wir arbeiten gut zusammen und wir werden das auch in Zukunft tun.Jupp Heynckes

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Ganz offensichtlich geht es bei diesem Thema um etwas Prinzipielles, nämlich um die Frage, wie die jeweiligen Kompetenzbereiche von Sammer und Heynckes im Umgang mit der Mannschaft abgesteckt werden. Ein Prozess, der trotz des bisher so starken Saisonstarts noch lange nicht abgeschlossen ist. Und der aufgrund der dauerhaften Präsenz Sammers bei der Mannschaft bei Heynckes wohl noch einiges an Eingewöhnung bedarf. "Ich bin der Meinung, dass wir Signale intern an die Mannschaft senden müssen. Was ganz wichtig ist: Man muss das ganze Gebilde FC Bayern kennen und das habe ich da eigentlich gemeint und nichts anderes - und nichts persönlich gegen Matthias. Wir arbeiten gut zusammen und wir werden das auch in Zukunft tun."

Nach Rückkehr: Rummenigge will eine Basis schaffen

Beim mitternächtlichen Bankett schwiegen sich beide noch an. Eine Aufarbeitung des verbalen Muskelspiels fand dann schon am Mittwoch statt und zwar hinter verschlossenen Türen. Vorstandschef Rummenigge, Sportvorstand Sammer und Trainer Heynckes trafen sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa an der Säbener Straße zu einem Sechs-Augen-Gespräch, in dem die verschiedenen Sichtweisen zu den in Minsk aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten auf den Tisch kamen. In dem Gespräch versuchte Rummenigge die Basis zu schaffen, damit die sportliche Leitung in den kommenden Wochen vertrauensvoll und zielgerichtet zusammenarbeiten kann. Was letztlich in den nächsten Tagen zu beweisen sein wird.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte am Mittwoch im Gespräch mit dem TV-Sender Sport1, dass er die Zusammenarbeit zwischen Sammer und Hoeneß als "perfekt" erachte. Allerdings wies er darauf hin, das die beiden gut beraten seien, wenn sie "ihre kleineren Meinungsverschiedenheiten intern besprechen" würden. Für Hoeneß selbst war der gesamte Vorfall wahrlich kein "Ballon", der sich darüberhinaus fragte, was los wäre, wenn mal wirkliche Probleme auftreten würden. "Das in Minsk war absolut keines."

Auch beim Bankett in Minsk hatte Rummenigge den Fokus gleich wieder auf den Alltag gelenkt, sprich das nächste Bundesligaspiel. "Es ist wichtig, dass wir uns von dieser Niederlage nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern gegen Hoffenheim sofort wieder Vollgas geben - und gewinnen."

Allzuviel Trübsal wollten auch die Spieler nicht blasen. "Ich glaube, wir sind stark genug, um das zu verkraften", meinte Kapitän Philipp Lahm. Und Kroos ergänzte mit Nachdruck: "Wir werden uns nicht von unserem Weg abbringen lassen." Schließlich wollen die Münchner nicht mit zwei Niederlagen im Gepäck auf das Oktoberfest gehen.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 03.10., 11:00 Uhr
FCB-Blamage - Erste Saisonniederlage gegen Nobody
Die Reise nach Minsk endete mit einer bösen Überraschung. Der FC Bayern kassierte nach neun Siegen in Folge die erste Saisonniederlage und unterlag in der Champions League mit 1:3 beim weißrussischen Nobody BATE Baryssau. Der weißrussische Meister verpasste dem deutschen Rekordmeister einen herben Dämpfer. "Völlig unnötig", wie Toni Kroos befand. Mangelhafte Chancenverwertung, fehlender Biss, schlechtes Zweikampfverhalten. Erklärungsversuche der Bayern-Stars.
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03.10.12
 

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