| Vorname: | Marc-André |
| Nachname: | ter Stegen |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | Borussia M'gladbach |
| Geboren am: | 30.04.1992 |
kicker: Herr ter Stegen, würden Sie Ihrem Sportdirektor widersprechen?
Marc-André ter Stegen: Das kommt wahrscheinlich auf den Zusammenhang an.
kicker: Max Eberl gibt lediglich einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel aus. Platz sechs oder besser bezeichnet er als "Sensation".
ter Stegen: Da widerspreche ich nicht. Ich orientiere mich ebenfalls an einem einstelligen Tabellenplatz.
kicker: Warum diese Vorsicht nach Platz vier im Vorjahr und den hochkarätigen Einkäufen?
ter Stegen: Weil wir uns als Mannschaft neu finden müssen. Wir hatten ein Team, das über eineinhalb Jahre hervorragend eingespielt war. Die Abstimmung passte, das war unser Trumpf. Jetzt müssen wir die neuen Spieler integrieren und benötigen dafür Zeit. Das macht die Aufgabe so schwierig. Wir wollen aber wieder Gas geben.
kicker: Wie beurteilen Sie die Qualität der Neuen im Vergleich zum Wert der Abgänge?
ter Stegen: Der Verein hat sich die größtmögliche Mühe gegeben, die hohe Qualität im Kader zu erhalten. Die Mischung zwischen sehr talentierten und erfahrenen Spielern stimmt. Es besteht also das Potenzial, das wir uns noch weiterentwickeln können. Klar sind die Abgänge von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter schwere Verluste, aber ich glaube, dass wir sie kompensieren können. Nur: Am Anfang ist etwas Geduld gefragt.
kicker: Auf die Borussia wartet ein Vollgasstart mit den Playoffs in der Champions League. Klappt es mit dem Sprung in die Gruppenphase?
ter Stegen: Für Prognosen ist es zu früh. Wir müssen auf jeden Fall alles in die Waagschale werfen, um uns gegen den hochkarätigen Gegner, der uns zugelost wird, auch durchzusetzen.
kicker: Wie wichtig sind für Sie persönlich die Erfahrungen im Europapokal?
ter Stegen: Die internationalen Spiele sind für mich extrem wichtig. Dort geht alles noch schneller als in der Bundesliga. Je höher das Niveau, desto besser.
kicker: Schalkes Julian Draxler, der eine ähnlich steile Karriere bis hoch in den Kreis der Nationalelf hingelegt hat, sagte kürzlich im kicker über sich: "Der Welpenschutz ist vorbei." Gilt das auch für Sie?
ter Stegen: Hinter mir liegen eine volle Saison und ein paar Monate davor im Abstiegskampf. Jetzt sind auch die kleinen Fehler nicht mehr erlaubt, das weiß ich. Der Job des Torhüters bringt es allerdings mit sich, dass kleinere Fehler passieren können. Also macht der alles richtig, dem am wenigsten Fehler unterlaufen.
kicker: Sehen Sie sich bei der Borussia "nur" als Leistungsträger oder mit erst 20 Jahren auch schon in einer Führungsrolle?
ter Stegen: Ich denke, dass meine Rolle in der Mannschaft klar ist und ich einer der Führungsspieler bin.
kicker: Der Verein wirbt mit Ihnen unter anderen in Kinospots als Gesicht der Borussia. Ist diese ganze Erwartungshaltung an Sie - Leistungsträger, Führungsspieler, "Vorzeige-Borusse" - manchmal eine Bürde?
ter Stegen: Ich empfinde das nicht als Last. Es ist doch nicht ungewöhnlich, wenn man - wie ich - in Mönchengladbach und diesem Klub groß geworden ist. Ich betrachte es vielmehr als Anerkennung, es ist ein schönes Gefühl.
kicker: Müssen Sie sich teilweise selbst schützen, in gewissen Dingen abschotten, wenn jeder etwas von Ihnen möchte?
ter Stegen: Ich habe da klare Vorstellungen. Zu meinen Richtlinien gehört: Was privat ist, bleibt privat. Das möchte ich auch in Zukunft beibehalten. Auf diese Trennung zwischen dem Sport und dem Privaten lege ich großen Wert.
„Das Spiel gegen die Schweiz war sicherlich nicht optimal und trotzdem eine wichtige Erfahrung. Daraus lerne ich.“Marc-André ter Stegen zu seinem Länderspieldebüt
kicker: Welches sportliche Etappenziel nach dieser Blitz-Karriere steuern Sie als nächstes an?
ter Stegen: Meine Ziele behalte ich weiterhin für mich. Damit bin ich in der Vergangenheit gut gefahren. Dass ich Ziele im Auge habe, steht außer Frage.
kicker: Erst drehte sich alles um Marco Reus, jetzt dominieren Luuk de Jong, Granit Xhaka oder Alvaro Dominguez die Schlagzeilen. Fühlen Sie sich zu sehr im Schatten anderer Stars?
ter Stegen: Dass ein Hype um die Neuen entsteht, ist normal. Es sind ja auch hervorragende Fußballer. Entscheidend ist für mich, dass mir von den Kollegen und dem Klub das Vertrauen entgegengebracht wird. Dieses Gefühl habe ich.
kicker: Wie lange hatten Sie im Urlaub an Ihrem Länderspiel-Debüt gegen die Schweiz und der Nicht-Nominierung für die Europameisterschaft zu knabbern?
ter Stegen: Im Urlaub konnte ich mit Hilfe meiner Familie und meiner Freundin alles relativ schnell verarbeiten und abhaken. Zu ändern war es sowieso nicht mehr. Das Spiel gegen die Schweiz war sicherlich nicht optimal und trotzdem eine wichtige Erfahrung. Daraus lerne ich. Mein Blick geht jetzt nur noch nach vorne.
kicker: Wie schwer traf Sie dieser Rückschlag?
ter Stegen: Einfach war es natürlich nicht. Die Enttäuschung musste erst einmal verdaut werden. Ich wollte, wenn ich schon zur Nationalmannschaft eingeladen werde, meine Chance auch nutzen. Aber so ist eben Fußball. Unter dem Strich muss ich die positiven Dinge sehen.
kicker: Welche?
ter Stegen: Die vernünftige Saison, die ich gespielt habe. Die Einladung zur Nationalmannschaft. Das erste Länderspiel - egal, wie es letztendlich ausgegangen ist. Und zum Beispiel das Training bei der Nationalelf. Das hohe Tempo in den Abläufen. Es hat Spaß gemacht, da mitzuspielen und zu spüren, dass man sich relativ schnell daran gewöhnt. Über diese Erfahrungen bin ich froh.
kicker: Droht bei Ihrem Ehrgeiz die Gefahr zu überdrehen, zu viel zu wollen in der neuen Saison?
ter Stegen: Ehrgeiz bleibt in diesem Job unabdingbar, genau wie die höchste Konzentration in jeder Trainingseinheit und jedem Spiel. Man muss aber wissen, wann der Punkt gekommen ist, an dem man überdreht. Neben der Anspannung muss es auch Entspannung geben. Ich glaube, ich habe einen gesunden Weg gefunden.
kicker: Wo ordnen Sie sich nach den Erfahrungen bei der Nationalmannschaft unter den Torhütern ein? Haben Sie nur Manuel Neuer, die Nummer 1, im Blick oder beobachten Sie auch die Konkurrenz im Nacken?
ter Stegen: Ich schaue generell nur auf meine eigene Leistung. Alles andere wäre nicht hilfreich. Die Priorität liegt auf Borussia Mönchengladbach. Ich muss versuchen, meine Leistung im Verein wieder zu bringen und damit auf mich aufmerksam zu machen. Dann warten wir ab, wohin die Reise geht.
kicker: Konkret gefragt: Rechnen Sie damit, dass irgendwann in der kommenden Saison ein zweites Länderspiel auf Ihrem persönlichen Konto steht?
ter Stegen: Meine Leistung muss stimmen. Alles Weitere liegt nicht in meiner Hand.
Interview: Jan Lustig


| Vorname: | Marc-André |
| Nachname: | ter Stegen |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | Borussia M'gladbach |
| Geboren am: | 30.04.1992 |