Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
28.02.2012, 07:35

Mittelfeldspieler hat sich in Hannover etabliert

Sergio Pinto - Slomkas kleiner Giftzwerg

Im April 2008 stand Sergio Pinto (31) bei Hannover 96 vor dem Rauswurf. Heute ist der gebürtige Portugiese wichtiger denn je - in optimaler Rolle und mit vielen Freiheiten.

Sergio Pinto (Hannover 96)
"Zwei Jahre am Stück mit 96 im Europacup - das ist wie für manch einen anderen Verein ein Titelgewinn": Sergio Pinto.
© picture alliance

Die Visite im Heimatland konnte er in diesem Januar gar nicht so richtig genießen. In Hannovers Trainingslager an der Algarve stellten sich bei Sergio Pinto Probleme mit einem irritierten, schmerzausstrahlenden Rückennerv ein, die ihn später sogar die Teilnahme am Rückrundenstart mit den Niedersachsen kosten sollten. "Und was heißt Heimat? Auch wenn es im Süden ganz schön ist - Heimat ist für mich, wenn überhaupt, eher der Norden des Landes, Porto und meine Verwandten dort."

Heimat ist aber auch Deutschland für den Portugiesen, der mit seiner Familie im Alter von ?14 Jahren nach Westfalen kam und beim TuS Haltern sein fußballerisches Talent entfaltete, auf das Schalke aufmerksam wurde. Das war 1995. Vier Jahre später debütierte Pinto in der Bundesliga, machte für die Königsblauen insgesamt 23 Spiele, meist als Stürmer. Danach, in Aachen und zunächst auch in Hannover, besetzte er die rechte Außenbahn, wurde sogar als rechter Verteidiger getestet. Die optimale Rolle als "Sechser", wie er ihn heute verkörpert, verschaffte ihm erst Trainer Mirko Slomka (44) vor knapp zwei Jahren.

Wenn es im Team schlecht lief, war ich früher schnell draußen - egal, ob ich selbst auch schlecht war oder nicht.Sergio Pinto

Ein später Aufstieg. Pinto ist inzwischen über 30 und befindet sich damit in einem Alter, in dem viele Berufskollegen ihren Zenit schon überschritten haben. Sich zuletzt als echter Führungsspieler in einem nach oben strebenden Team zu präsentieren - dies hätte ihm manch einer nicht mehr zugetraut. "Es hat viel mit meinem jetzigen Trainer zu tun. Er hat meine Position verändert und zeigt mir, dass er zu 100 Prozent hinter mir steht", sagt Pinto über Slomka, "das war in meiner Karriere nicht immer der Fall. Wenn es im Team schlecht lief, war ich früher schnell draußen - egal, ob ich selbst auch schlecht war oder nicht."

Auch in Hannover stand Pinto einst zunächst am Scheideweg. Nach zwei Roten Karten innerhalb von zehn Wochen etwa, erst wegen einer Tätlichkeit, dann wegen Nachtretens, stand er bei 96 im April 2008 vor dem Rauswurf. Einige im Verein wollten ihn nie wieder für die eigenen Farben spielen sehen. Mit viel Diplomatie gelang ihm die Kehrtwende. Im Frühjahr 2010 schließlich mutierte er endgültig zum Helden bei den "Roten", als er im letztendlich erfolgreichen Abstiegskampf nach der Enke-Tragödie auf die Zähne biss und mit einem gerissenen Außenband am rechten Knie durchspielte - Woche für Woche, wie ein Stehaufmännchen.

Bei Slomka hat Pinto eine "Fehlpass-Flatrate"

Die Entwicklung zu dem Typus, den er heute verkörpert, begann schon in der Schulzeit in Portugal. "Ob Rasen, Beton, Gummi, Sand - überall gab's Bolzplätze. Ich war immer der Kleinste, musste viel tun, um mich durchzusetzen." Heute, mit 1,76 Metern Körpergröße, kommt Pinto die Kämpfernatur eines Straßenfußballers zugute. Slomka hat das erkannt und den kleinen Giftzwerg, den jeder gerne im Team hat, mit dem es aber kein Gegner gerne aufnehmen möchte, vor die Abwehr platziert. Um dort nicht nur zu zerstören, sondern das eigene Spiel aufzubauen. So wurde der Umgepolte auch Ankurbler und damit elementar für das schnelle Umkehrspiel, mit dem 96 sich zu internationalem Format entwickelte. Das vom Spieler erwähnte Vertrauen Slomkas ist hierbei enorm wichtig.

Ich bin nicht traurig oder neidisch, irgendetwas verpasst zu haben.Sergio Pinto

Pinto, so heißt es in Hannover, hat beim Trainer eine "Fehlpass-Flatrate" inklusive. Er soll immer wieder auch die nicht hundertprozentig sicheren Bälle in die Spitzen spielen. Eigenes Motto: "Wenn du nur querspielst, passiert nichts." Die Vergangenheit zeigte: Selbst wenn drei Ansätze scheitern, ist es oft der vierte, nicht minder gewagte Versuch, der zum tödlichen, vielleicht siegtorbringenden Pass wird. "Seit eineinhalb Jahren", bilanziert Pinto, "funktioniert das jetzt auf dieser Position so. Mein Charakter passt zu ihr, das Selbstvertrauen habe ich mir dazu geholt. Und ich glaube, auch meine Passquote schon verbessert zu haben."

Ohne dabei das Risiko minimiert zu haben, wie Mirko Slomka hervorhebt. "Sein Ballgewinn ist entscheidend. Und der erste Pass nach vorne", so der Trainer, "der darf dann auch sehr gerne weiter mit Risiko gespielt sein. Denn genau das brauchen wir, sonst können wir uns nicht durchsetzen. Dieses Moment ist in unserem Spiel da, wenn Sergio spielt."

Nach der Karriere geht's zurück nach Aachen

Eine Topklub-Karriere auf Schalke versäumt, sich in Hannover erst spät entfaltet - da muss angesichts verlorener Jahre eigentlich Wehmut aufkommen, die ganz großen Ziele nicht mehr erreichen zu können. "Okay, Länderspiele für Portugal werden wohl nur ein Traum bleiben", meint Pinto, der trotz der verschobenen Zeitachse in seiner Karriere keine Trauer trägt. "Es ist hypothetisch, ob es anders hätte laufen können. Ich bin nicht traurig oder neidisch, irgendetwas verpasst zu haben."

Ein paar Herausforderungen bleiben ja auch mit seiner jetzigen Mannschaft noch, ehe sich Pinto nach der aktiven Laufbahn mit seiner Familie in seiner deutschen Heimatstadt Aachen niederlassen will. Eine Verlängerung des 2013 auslaufenden Vertrages soll es auf jeden Fall noch einmal geben. "Wir haben das Zeug, weiter international zu spielen. Auch wenn wir wissen, wie schwer es wird: Wir können es selbst erreichen, das haben wir 2011 gesehen. Und zwei Jahre am Stück mit 96 im Europacup - das ist wie für manch einen anderen Verein ein Titelgewinn." Sagt Sergio Pinto, auch verbal inzwischen längst ein Anführer in Hannover.

Michael Richter

 
Seite versenden
zum Thema

weitere Infos zu Slomka

Vorname:Mirko
Nachname:Slomka
Nation: Deutschland

weitere Infos zu da Silva Pinto

Vorname:Sergio
Nachname:da Silva Pinto
Nation: Deutschland
Verein:Fortuna Düsseldorf
Geboren am:16.10.1980

Vereinsdaten

Vereinsname:Hannover 96
Gründungsdatum:12.04.1896
Mitglieder:22.000 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Schwarz-Weiß-Grün
Anschrift:Robert-Enke-Straße 1
30169 Hannover
Telefon: (05 11) 96 90 0 96
Telefax: (05 11) 96 90 0 796
E-Mail: info@hannover96.de
Internet:http://www.hannover96.de


DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine