
Ihren zuletzt kollektiv enttäuschenden Spielern sollte so vor der Partie gegen Bremen der Ernst der Lage nochmals eindringlich klargemacht werden. Auch will man wohl der Gefahr vorbeugen, dass einige die ohnehin verkorkste Saison nun komplett abschenken. Zu blutleer geriet so manche Vorstellung der einstigen Spaßkicker in den letzten Wochen, individuelle Qualitäten etwa eines Carlos Eduardo blieben oftmals in der Umkleide- kabine, Sperren und Verletzungen taten ihr Übriges. "Die Luft hier ist bleihaltiger geworden", beschreibt Schindelmeiser die Situation nach dem Abrutschen auf Platz 11.
Gesprächsbedarf sieht deshalb auch Dietmar Hopp. Der Klub-Mäzen forderte zu Wochenbeginn öffentlich Erklärungen für die Krise von seinen Experten, namentlich von Rangnick, Schindelmeiser und Bernhard Peters, dem Direktor für Sport und Nachwuchsförderung. Was irgendwie nach "Antreten zum Rapport" klingt, relativiert Schindelmeiser umgehend, er stehe sowieso ständig im Austausch mit dem Geldgeber. Eine große Tafelrunde gibt es ohnehin nicht. "Ich werde mich mit Herrn Hopp zeitnah unter vier Augen treffen", sagte Rangnick am Mittwoch dem kicker. Den genauen Zeitpunkt ließ er offen, Konsultationen mit den Kollegen will er nicht extra führen. "Ich brauche mich da mit niemandem vorher abzustimmen."
Auch nicht mit Schindelmeiser, der 2006 gemeinsam mit Rangnick nach Hoffenheim kam, und durch seine Beförderung zum Geschäftsführer Sport im vorigen Jahr de facto nun Vorgesetzter des Trainers ist. Auch wegen dieser Kompetenzverschiebung gilt das Verhältnis zwischen den beiden schon seit längerem als nicht mehr völlig unbelastet.
In der angekündigten Zweierrunde mit Dietmar Hopp wird neben der jüngsten sportlichen Bilanz sicher auch die Zukunft des Trainers ein zentrales Thema sein. "Ich fürchte überhaupt nicht um meinen Job", betont Rangnick, kündigt aber zugleich ein wenig nebulös an: "Nach dem Gespräch wird es neue Erkenntnisse geben."
Seit längerem wird schließlich über eine vorzeitige Ausweitung des noch bis 2011 laufenden Vertrags spekuliert. Zuletzt hieß es jedoch, die Sache sei auf Eis gelegt, um sich zunächst dringlicheren Aufgaben zu widmen. Nicht mehr völlig undenkbar ist aber auch, dass Rangnick dem Kraichgau alsbald "Ciao" sagt. Denn Meister Wolfsburg, wo mit Manager Dieter Hoeneß ein alter Bekannter aus Stuttgarter Zeiten arbeitet, soll noch immer um ihn werben.
Martin Gruener
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