Ein Sieg und 3:11-Tore lautet die kärgliche Bilanz aus sechs Begegnungen. Ausgerechnet jetzt empfängt das heimschwächste Team der Liga (5 Punkte, 5:17 Tore) den wiedererstarkten VfB Stuttgart. Eine Bestandsaufnahme:
Die Wende: Dutt, ein Freund des attraktiven Fußballs, wählte nach dem 0:6 einen defensiveren Stil: "Nun müssen wir keinen Zauberfußball spielen, sondern einfach nur punkten."
Die Folge: In Wolfsburg (2:2) sprang nach Urteil des kicker "ein mehr als schmeichelhaftes Remis" heraus, in Nürnberg (1:0) "ein glücklicher Sieg", gegen Köln (0:0) ein "sehr mäßiges Spiel mit vielen Ballverlusten und wenig Spielfluss", in Dortmund (0:1) war man "zu harmlos", in Hamburg (0:2) "überfordert".
Der Grund: Die richtige Mischung aus Angriff und Verteidigung gelang zuletzt überhaupt nicht. Nach dem 0:2 beim HSV bilanzierte ein frustrierter Felix Bastians: "In den letzten Spielen hat wenigstens ein Teil der Mannschaft funktioniert. Diesmal sind Offensive und Defensive komplett ausgefallen." Belegen lässt sich dies auch objektiv.
Die Zahlen: Nach dem Bremen-Spiel kreierte Freiburg in fünf Partien elf (!) Torchancen. So wenig wie kein anderer Bundesligist in diesem Zeitraum. Mittlerweile ist das Team seit 309 Minuten ohne eigenen Treffer. Zugelassen hat der Sportclub seit dem 14. Spieltag indes 37 Tormöglichkeiten. Nur Nürnberg (40) und Hannover (38) zeigten sich großzügiger. Und auch das Zahlenmaterial der gesamten Saison liest sich teilweise wie das eines Absteigers.
Die Offensive: Ohne den beim Afrika-Cup weilenden Mo Idrissou (fünf Saisontore) liegt die harmlose Offensivabteilung brach. Reisinger (3 Tore), Bechmann (1), Makiadi (1) und Jäger (0) fehlt es an Zielstrebigkeit, Durchschlagskraft und Torgefahr. 78 herausgespielte Tormöglichkeiten bedeuten zwar Rang 11 bei der Chancenverwertung, aber der Trend zeigt nach unten.
Die Defensive: Das Defensivverhalten des gesamten Teams ist mangelhaft. In Hamburg erwies sich die rechte Abwehrseite mit Cha und Abdessadki erneut als Schwachpunkt. Dass sich neben der Korsettstange Banovic als zweiter Mittelfeldsechser derzeit die umgeschulte Offensivkraft Makiadi probieren darf, zeigt Dutts mangelndes Vertrauen in die etatmäßigen Kräfte Flum und Schuster. Das Resultat: Freiburg kassierte die zweitmeisten Gegentore (35) sowie die häufigsten nach der Pause (23) und in der Schlussviertelstunde (10). 114 zugelassene Chancen sind ligaweit der viertschlechteste Wert, verwertet wurden 30,7 Prozent. Nur Herthas Quote (35,1) ist schlechter. Hinzu kommen die zweitmeisten Gegentore nach Weitschüssen (8) und die drittmeisten nach Kontern (4).
Die Standards: In der 2. Liga war Freiburg durch Standards sehr gefährlich (26 von 60 Toren). In Deutschlands Eliteliga aber erzielte der Aufsteiger nur sechs Treffer. Kein einziger gelang durch oder nach einem Freistoß, vier Tore nach Ecken sind indes ein guter Wert. Weniger gut ist die Bilanz bei Defensivstandards: Fünf der zwölf Gegentore nach ruhenden Bällen fielen durch oder nach Freistößen - Minusrekord.
Die Hoffnung: Noch beträgt der Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz sechs Zähler. Und der interne Konkurrenzdruck durch die Neuzugänge Cissé und Namouchi sowie die Hinzunahme der talentierten Caligiuri und Mendy ist gewachsen. Zudem kehren mit Toprak und in Kürze Idrissou zwei Hoffnungsträger zurück.
Uwe Röser
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