kicker: Herr Jones, mal ehrlich: Verursacht der Gedanke an Magaths berüchtigte harte Vorbereitung nicht auch ein mulmiges Gefühl?
Jermaine Jones: Nein. Ich freue ich mich auf Felix Magath und bin ein Fürsprecher seiner Trainingsmethoden. Wenn man sieht, was er immer wieder aus ganz normalen Teams allein über die Fitness herausgeholt hat, dann ist das beeindruckend.
kicker: Also, mit Ihren Worten vom letzten Spieltag: Magath wird Ihren Kollegen Beine machen!
Jones: Na ja, im Urlaub haben wir doch jetzt alle wieder die Köpfe freigekriegt. Ich mache keinem einen Vorwurf. Ich bin nur überzeugt, dass unsere Mannschaft Qualität hat, aber nicht alles abgerufen wurde. Und das sollte sich ändern.
kicker: Werden alle Kollegen mitziehen? Oder fürchten Sie, einige sind vielleicht doch zu bequem und kriegen mit Magath Probleme?
Jones: Wir alle haben letzte Saison gesehen, wie fit Grafite, Dzeko, Misimovic und die anderen Wolfsburger bis zum 34. Spieltag waren. Das muss doch jeden anspornen. Jeder will Erfolg, und wenn es ganz gut läuft, könnten wir am Ende sogar ganz oben stehen. Ich werde bald 28 und will auch so schnell wie möglich einen Titel. Wenn einer da jetzt zu bequem sein sollte, dann tuts mir leid. Dann wird er eben auch die Konsequenzen spüren.
kicker: Apropos Konsequenzen: Magath kritisierte Ihren Wechsel vom DFB zum US-Verband. Prompt mutmaßte eine Boulevardzeitung, Sie stünden auf der Streichliste.
Jones: Das ist doch purer Quatsch. Bleibe ich fit und bringe meine Leistung, werde ich wieder eine feste Größe sein. Mit Felix Magath habe ich übrigens schon gesprochen. Ich habe ihn am Montag zufällig auf dem Klubgelände getroffen.
kicker: Und? Was kam raus?
Jones: Seine Argumente sind aus Trainer-Sicht natürlich total nachvollziehbar, aber ich denke, er versteht auch meine Beweggründe. Die ganze Angelegenheit ist definitiv nichts, was die Zusammenarbeit irgendwie belasten würde.
kicker: Für viele Beobachter sind Sie der prädestinierte Schalke-Kapitän. War auch das schon ein Thema?
Jones: Natürlich nicht, das wäre doch viel zu früh. Aber wenn ich vom Trainer die Möglichkeit bekäme, würde ich diese Verantwortung schon sehr gerne übernehmen.
„Wir haben mit Kevin Kuranyi einen Angreifer, der um die 15 Tore garantiert. Dazu noch einen Stürmer zu holen, der 15 bis 20 Tore macht, wäre für mich sinnvoll.“Jermaine Jones
kicker: Was fehlt dem aktuellen Kader noch? Angeblich fordern Sie Verstärkung für den Sturm.
Jones: Ich fordere gar nichts. Ich habe nur gesagt, dass Dzeko und Grafite den Titel für Wolfsburg entschieden haben. Wir haben mit Kevin Kuranyi einen Angreifer, der um die 15 Tore garantiert. Dazu noch einen Stürmer zu holen, der 15 bis 20 Tore macht, wäre für mich sinnvoll. Aber der Verein entscheidet.
kicker: Sie haben einst mit am lautesten für die Interimstrainer Büskens, Mulder, Reck plädiert. Finden Sie deren Ausbootung nun richtig?
Jones: Wir Spieler sind bei solchen Entscheidungen außen vor und sollten uns deshalb raushalten. Mir tut es leid für die drei, sie sind super Kerle. Aber in neun Jahren als Profi habe ich immer wieder Freunde gehen sehen. So ist der Fußball. Doch Büskens, Mulder und Reck sind auch Top-Leute. Sie werden schnell wieder gute Jobs finden.
Interview: Thiemo Müller
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