In einem Interview mit der "Wirtschafts-Woche" rechnet Hoeneß vor, dass die Bayern derzeit 50 Millionen Euro pro Saison an TV-Einnahmen verbuchen, 30 Millionen aus der Bundesliga. Die Top-Klubs in Europa kassierten aber 80 bis 130 Millionen. "Diese Differenz", sagt er, "wird auf Dauer dazu führen, dass der deutsche Fußball enorme Schwierigkeiten bekommt."
Um das zu ändern, wünscht sich der 57-Jährige nun eine freiwillige Erhöhung der Gebühren fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen: "Meine große Hoffnung ist, dass die Leute irgendwann bereit sind, zwei Euro im Monat für Fußball zu bezahlen. Das ist nicht mal ein kleines Bier in der Kneipe." ARD und ZDF könnten sich so die Rechte sichern. Dieses Modell wäre, sagt Hoeneß, "mein Traum". Momentan verlangt die GEZ 17,98 Euro im Monat.
„Zahlen wir dann künftig zusätzlich 20 Cent für die Tour de France, 80 Cent für die Formel 1 und 1,20 Euro für die Handball-Bundesliga?“Christoph Waitz, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP, zu den Hoeneß-Plänen
Am Montag reagierten Sportfunktionäre und Politiker auf die Gedankenspiele des Bayern-Managers. Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, erteilte diesen eine klare Absage. "Seine Gedanken halte ich für unrealistisch und völlig überzogen. Das ist so irrwitzig, wie es nur irgendwie geht", sagte Danckert der dpa. Christoph Waitz, der kultur- und medienpolitische Sprecher der FDP, bezeichnete die Zusatzgebühr als mit Sicherheit nicht EU-rechtskonform und bezichtigte Hoeneß, "vollkommen die Bodenhaftung verloren" zu haben. Eine Abgrenzung von anderen Sportarten sei nicht möglich.
Manager-Kollege Jan Schindelmeister von 1899 Hoffenheim gab seinerseits zu Protokoll: "Hoeneß weiß genau, dass das nicht umsetzbar ist. Vielleicht hat er das aber nicht ganz ernst gemeint." Auch die ARD reagierte ablehnend. "Ich glaube nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender dafür da sind, Fußball zu finanzieren", so Sportkoordinator Axel Balkausky in der "Bild" (Montag).
Hoeneß-Bruder Dieter (Hertha BSC), Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprangen dem Bayern-Macher zumindest partiell zur Seite. Dieter Hoeneß will sachlich diskutieren, Bruchhagen teilt "inhaltlich die Meinung von Hoeneß in der Tendenz", Watzke begrüßte den "positiven Denkanstoß".
Wieder andere Kollegen wollten nicht näher auf die Diskussion eingehen. KSC-Manager Rolf Dohmen reagierte kurz und bündig: "Typisch Uli Hoeneß."
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