
Er hätte auch sagen können: "Wir haben uns durch den außergewöhnlich positiven Verlauf der Vorrunde selbst die Preise verdorben." Platz 6 bis Weihnachten war das, was in Wirtschaftskreisen als "overperformed" gilt, ein unerwartet guter Abschluss, viel besser, als es die Möglichkeiten eigentlich hergeben. Auf der Grundlage dieser Zwischenbilanz nun die These zu vertreten, dass sich der bereits konstatierte Aufschwung als Schein-Aufschwung entlarvt habe, provoziert Zorcs Widerspruch. "Wir sind noch nicht richtig in Tritt gekommen", räumt er ein. "Aber es ist nicht so, dass wir nur Murks abgeliefert haben. Die sieglose Serie in diesem Jahr überlagert viel."
Aber eben nicht alles.
Dass Dortmund als drittschlechteste Rückrundenmannschaft geführt wird, hat vorrangig etwas mit der karitativen Seele von Spielern zu tun, die sich dem eigentlichen Sinn ihrer Sportart, dem Erzielen von Toren, hartnäckig verweigern. Die Borussia verramscht ihre hochkarätigen Chancen (Valdez, Zidan, Kringe), die freilich nicht im Übermaß vorhanden sind, weil die Zulieferung aus dem Mittelfeld eher mühsam vonstatten geht und die dort ansässigen Fachkräfte (Hajnal, Kringe, Tinga) derzeit wenig Inspiration und Entschlossenheit ausdrücken.
Hajnal (drei Tore, sechs Assists in der Hinrunde) steuerte seit Wiederbeginn der Saison nur zwei Vorarbeiten bei; der in einem anhaltenden Tief steckende Kringe (zwei Tore/zwei Assists in der Hinrunde) und Tinga (zwei Assists in der Hinrunde) üben völlige Enthaltung. Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft mit ihren Abwehrkollegen, die bis Weihnachten für stolze neun Treffer (Subotic/5, Santana/3, Hummels/1) veranwortlich zeichneten und seither Ladehemmung vermelden.
"Sie gehen nicht mit derselben Konsequenz in Ecken oder Freistöße rein, wie sie es schon getan haben", meint Trainer Jürgen Klopp (41). Ihm ist die gesamte Offensivleistung ein Dorn im Auge, "in allen Mannschaftsteilen wird zu wenig Torgefahr entwickelt", moniert er; seine zuletzt in Stuttgart artikulierte Kritik habe er "null Komma null nur auf den Sturm bezogen".
Klopp, der mit Jakub Blaszczykowski (22) seit zehn Wochen auf einen echten Reißer (ein Tor, sieben Assists bis Dezember) verzichten muss und das ungewöhnliche Dortmunder Verletzungspech nur noch mit einem Anflug von Galgenhumor erträgt, hätte auch seine Abwehr aufs Korn nehmen können. Speziell Subotic. Dessen Form-Amplitude ist rätselhaft. Zorc stellt sich hinter den Senkrechtstarter, der sein Team im ersten Saisonteil noch so wirkungsvoll beschützt hatte: "Neven ist sicher nicht in bester Verfassung. Aber er macht sich viele Gedanken und reflektiert seine Leistungen."
Erfreuliche Nachrichten gab es zumindest aus der Nachwuchsabteilung der Dortmunder. Sowohl Yasin Öztekin als auch Marc Hornschuh bleiben der Borussia erhalten. Der 21-jährige Öztekin verlängerte um zwei Jahre bis 2011. Marc Hornschuh (18), Kapitän der deutschen U-18-Nationalmannschaft, unterzeichnete einen Kontrakt bis 2013. Beide Spieler werden ab der kommenden Saison als Profis gelistet.
Thomas Hennecke
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