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05.03.2009, 09:20

Bayern München: Nach dem Pokal-Aus

Kriegt Klinsmann wieder die Kurve?

Die Situation erinnert an die Zeit vor der Weltmeisterschaft 2006. Auch der Bundestrainer Jürgen Klinsmann (44) stand vor dem Turnier in der Kritik. Immerhin wurde er WM-Dritter. Mit dem FC Bayern bleibt ihm nach dem Pokal-Aus am gestrigen Abend bei Bayer Leverkusen (2:4) nur noch die Chance auf zwei Titel.

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Jürgen Klinsmann, FC Bayern München
Schier verzweifelt: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann bei der 2:4-Niederlage gegen Bayer.
© picture-alliance Zoomansicht

Jürgen Klinsmann stand versteinert da. Der FC Bayern ist nach dem 2:4 bei Bayer Leverkusen aus dem Pokal ausgeschieden. Der erste Titel ist futsch. Wird dennoch noch alles gut für den Coach, wie bei der WM, als Platz drei zum Sommermärchen überhöht wurde?

Auch seinerzeit hatte sich der Projektleiter 2006 eifrig an eine Strukturreform gemacht. Ein neu berufener Manager und ein enorm vergrößter Mitarbeiterstab unterstützten ihn. Die Verbandsoberen nickten alle Wünsche ab, außer bei der Besetzung des Sportdirektors.

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In München ließen die mächtigen Bosse dem findigen Erneuerer ebenfalls zunächst freie Hand, selbst Buddha-Figuren wurden hingenommen, ehe sie alsbald verschwanden auf Uli Hoeneß Geheiß. Das mit Klinsmanns Ideen angereicherte Leistungszentrum wird hingegen zu Recht gutgeheißen, es weist in die Zukunft. Aber computergesteuertes Trimmen, mögen es auch internationale Experten vorgeben, macht den Fußball allein nicht aus; dieses Spiel erfordert zudem strategisches Vorgehen.

In diesem Bereich wiederholt sich wiederum Geschichte. Die Klinsmann-Doktrin vom schnellen vertikalen Pass ließ nach dem allseits bejubelten dritten Platz beim Confed-Cup im Juni 2005 einen Oliver Kahn aufschreien: Elf Gegentore in fünf Spielen empfand er als "Kamikaze", dem Torwart standen "die Haare zu Berge". Acht Monate später erfuhren seine Warnungen ihre erschreckende Bestätigung: Das DFB-Team wurde beim 1:4 in Italien zerlegt und damit Klinsmanns gesamtes taktisches Gedankengebäude, erst das folgende 4:1 gegen die USA sicherte seine aktive WM-Teilnahme. Kurz vor dem Start des Weltturniers musste erneut ein Spieler eingreifen. Nach dem 2:2 gegen Japan mit dem völlig ungewohnten 4-2-2-2 stellte Michael Ballack fest: "So können wir nicht spielen, das ist viel zu offensiv."

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05.03., 12:35 Uhr
 

kicker.tv Hintergrund

Klinsmann: "95 Prozent reichen nicht"

Aus und vorbei - im Pokal kann der FC Bayern keinen Titel mehr holen. Erst nach dem 0:3-Rückstand gegen Leverkusen zeigte die Mannschaft eine Reaktion. Unterm Strich war 4:2-Sieger Bayer jedoch "einfach geiler drauf" (Zitat Altintop). Trainer Jürgen Klinsmann bemängelte: "Wenn du nur 95 Prozent rausholst, funktioniert es nicht mehr."



So sprachen jüngst auch Philipp Lahm oder Miro Klose, die beiden Bayern-Spieler rieten zu mehr Vorsicht und weniger offensivem Aktionismus. Wie vor der WM folgte eine überfällige Diskussion über die taktische Ausrichtung. Wo aber damals der assistierende Joachim Löw diese Verhaltensweise einübte, immer wieder Verschieben ohne Gegner mit der ganzen Elf etwa im Trainingslager in Genf, fehlt Klinsmann jetzt diese Hilfe. Im Training wird gerne fünf gegen fünf oder sechs gegen sechs gespielt, konkrete taktische Vorgaben oder Korrekturen werden durch ein anfeuerndes "come on!" oder "go! go!" ersetzt. Die unmittelbare Analyse nach dem mauen 0:0 in Bremen entfiel, Klinsmann riet stattdessen zur Einnahme von Vitamin B und dem Einstieg ins Eisbad, wie zu den guten Zeiten Ende 2008.

DFB-Pokal

Wie oft mag sich Hoeneß zuletzt an jene Nacht des 1./2. März 2006 erinnert haben, als er als Bundesliga-Vertreter das Fiasko in Florenz und jene lähmenden Stunden hinterher im Teamhotel miterlebte, einen von Ratlosigkeit gezeichneten Bundestrainer? Gegen die gleichen Zweifel, die damals die DFB-Bosse peinigten, stemmt sich der Manager wie Co-Präside Rummenigge mit aller Wucht, zumindest öffentlich. "Wenn ein Trainer für die Niederlagen verantwortlich ist", sagt Hoeneß, "dann auch für die Siege" - wie sie der Trainer Klinsmann in der Champions League schaffte.

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Diese Konkurrenz ist Klinsmanns Joker. Solange die Chance auf den Triumph in der Königsklasse leuchtet, muss er sich nicht sorgen. Brenzlig wird es erst, wenn die Zulassung zur Königsklasse 2009/10 gefährdet ist. Aber noch bleibt Zeit, die Kurve zu kriegen. Anschließend kann sich Klinsmann überlegen, ob er sich entscheidet wie nach der WM. In beiderseitigem Einvernehmen natürlich.

Karlheinz Wild

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