Das Gehen der Stars setzt sich fort: Nigel de Jong, für den der HSV die astronomische Summe von gut 19 Millionen Euro vom "Scheich-Klub" Manchester City kassierte, bildet mit Torjäger Ivica Olic (im Sommer ablösefrei zu den Bayern) das vorläufige Schlusslicht in der langen Reihe prominenter Abgänge von van Buyten bis van der Vaart. Zwei Landsleute weniger für Martin Jol: Regisseur Rafael van der Vaart, zu Real Madrid, wo er nur anfangs glücklich war, fehlt seit Saisonbeginn, Mittelfeldmotor de Jong wird ab sofort vermisst. Zwei herbe Verluste, wie auch der Weggang des Abwehrspielers Vincent Kompany. Im Sommer kassierten die Norddeutschen für den Belgier und den Niederländer eine stolze Summe, die größtenteils reinvestiert wurde. Nach den Freiburgern Dennis Aogo und Jonathan Pitroipa ging Dietmar Beiersdorfer auf große Einkaufstour. Nicht alle werten das Resultat so gut wie der Manager selbst. Unbestritten der Kracher ist Mladen Petric, als Tauschobjekt für den schwer erziehbaren Mohammed Zidan gekommen, worüber in Dortmund einige noch den Kopf schütteln. Marcell Jansen, der mit neun Millionen teure deutsche Nationalspieler, litt unter Verletzungen, kam erst spät in Schwung. Was auch für Alex Silva, den aus Brasilien geholten Innenverteidiger gilt, der im defensiven Mittelfeld überzeugte. Der Reinfall bisher: Thiago Neves, als Kreativkünstler für die verwaiste van der Vaart-Stelle engagiert.
Auf der Gewinnerseite stehen die Stürmer: Petric und Olic, aber auch Paolo Guerrero. Routiniers wie David Jarolim, der neue Kapitän, oder Frank Rost zählten auch zu den Pluspunkten. Von den Jungen hat sich Aogo durchgesetzt. Verlierer Nummer eins: Thiago Neves, zu dem Jol kein Vertrauen hat. Der Südamerikaner droht zum großen Flop zu werden.
Anders als bei Stevens funktioniert das Team, genauso gut jedenfalls. Das Schwergewicht liegt mehr auf der Offensive. Systemänderungen durch Jol haben dennoch zu einer Stabilität in der Abwehrarbeit beigetragen. Allein: Das Ziel, attraktiveren Fußball anzubieten, ist noch nicht erreicht worden. Vor allem in den Heimspielen nicht. Auswärts ist der HSV oftmals sowieso Kanonenfutter: drei 0:3-Niederlagen.
Unruhe herrscht wegen der Wahl zum Aufsichtsrat. Ansonsten hat die Führung gut gearbeitet, vor allem in ökonomischer Hinsicht: Transferüberschuss, Verdopplung des Umsatzes.
Die Ausgangsposition, in die Champions League zu gelangen, ist so gut wie vor zwei Jahren. International wird der HSV auf jeden Fall dabei bleiben. Ob es für die Königsklasse reicht, bleibt offen.
Hans-Günter Klemm
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