kicker: Herr Enke, Sie arbeiten in Hannover schon mit Torwarttrainer Jörg Sievers - wie weit sind Sie nach Ihrem Kahnbeinbruch?
Robert Enke: Ich mache gerade erst die ersten Schritte auf dem Platz. Vor unserem Trainingslager in Portugal ist sicher noch kein Mannschaftstraining möglich, das kann ich jetzt schon erkennen. Es ist noch ein weiter Weg, aber es ist ja auch noch etwas Zeit. Ich muss mich in Geduld üben, Schalke zum Rückrundenauftakt bleibt das Ziel.
kicker: Folgt dann das schwierigste Halbjahr, seit Sie bei 96 spielen?
Enke: Das kann sein. Aber wenn wir von Beginn an ordentlich punkten, kann es auch ein positives Halbjahr werden, in dem wir vieles wiedergutmachen können. Auch wenn es für das internationale Geschäft wohl nicht mehr langt.
kicker: Als Sie vor fast genau zwei Jahren verlängerten, haben Sie damit die Aufbruchstimmung in Hannover maßgeblich mit entfacht. Motto: Hier wächst etwas. Ist angesichts der Stagnation inzwischen Ernüchterung bei Ihnen eingetreten?
Enke: Schwierige Frage. Eigentlich war mir klar, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde. Ich stehe nicht nur zum Verein, wenn es gut läuft. Ich habe mich für 96 entschieden, auch wenn sich daraus nichts automatisch ableiten lässt. Offen, was im nächsten Sommer passiert.
kicker: Sie spielen auf Gerüchte an, die bereits jetzt um Sie kursieren. Hoffenheim zeigte Interesse, nun sollen es Stuttgart oder gar der FC Bayern sein, die Sie vielleicht ein Jahr vor Ihrem Vertragsende 2010 verpflichten wollen. Hat sich auch Hannover schon gerührt?
Enke: Es gab ein leichtes Vortasten bei meinem Berater. Aber die Tatsache, hier noch eineinhalb Jahre unter Vertrag zu stehen, lässt mich alles sehr gelassen verfolgen. Fakt ist, dass ich gerne noch einmal international spielen und in Deutschland einen Titel gewinnen würde. Fakt ist auch, dass es Anfragen gibt. Aber damit kann ich mich derzeit nicht befassen. Ich will gesund werden, wieder ein vollwertiger Teil der Mannschaft sein.
kicker: Zuletzt erlebten Sie 96 als verletzter Kapitän aus der Distanz. Sportliche Talfahrt, interne Querelen - wie oft haben Sie sich gefragt: Muss das denn alles sein?
Enke: Nun, wir haben von vorne bis hinten eine sehr schwache Vorrunde gespielt. Wenn man dann nur 17 Punkte hat, ist es normal, wenn es auch im Team und drum herum knistert. Man kann es nicht trennen. Da muss man die eine oder andere Aktion auch einmal hinnehmen.
kicker: Wie das Theater um Hanno Balitsch. Hält 96 nach dessen Trainer-Kritik in der Halbzeitpause zu Recht an ihm fest?
Enke: Natürlich! Alles andere wäre völlig überzogen gewesen. Hannos Verhalten war nicht in Ordnung. Aber es ist passiert, wurde sanktioniert - und ist damit gegessen.
kicker: Balitsch ein Stützpfeiler - wie bald auch wieder Michael Tarnat?
Enke: Absolut. Wenn er noch mehr Sicherheit in den Aktionen gewinnt, ist er total wichtig. Er hat in der Reha gearbeitet wie ein Bekloppter, das habe ich ja hautnah miterlebt. Er war immer da. Dass er belohnt wird, hoffe ich für ihn und für uns.
kicker: Wird Jan Schlaudraff, den Sportdirektor Hochstätter als künftigen "Zehner" sieht, zum Leader?
Enke: Nein. Jan ist kein Leader-Typ. Muss er auch nicht sein. Er soll gucken, dass er fit wird und seine Qualitäten wie Dribbling, Schnelligkeit einbringt. Und er sollte sich defensiv etwas mehr engagieren.
kicker: Hatten Sie in den vergangenen Wochen Kontakt zum DFB?
Enke: Ich habe vor Weihnachten mit Andy Köpke gesprochen. Wir haben uns kurz über den Stand der Dinge ausgetauscht. Wir unterhalten uns sicher, wenn ich wieder spiele.
kicker: Nur elf Tage nach dem Rückrundenstart steht das nächste Länderspiel gegen Norwegen an. Sie haben als Ziel formuliert, dann im Tor der Nationalelf zu stehen.
Enke: Das habe ich mit einem Augenzwinkern gesagt. In Düsseldorf würde sich halt für mich der Kreis schließen, denn ich habe mich ja beim Training in der LTU-Arena verletzt. Dass es so kommt, ist aber nicht so entscheidend. Wichtiger ist erst einmal der Spielrhythmus in der Bundesliga. Dann wird man sehen, ob es reicht.
kicker: Mit Timo Hildebrand kehrt ein Torhüter in die Liga zurück, der ein Nationalelf-Comeback zumindest im Hinterkopf hat. Ein Konkurrent mehr für Sie?
Enke: Ich weiß nicht, ob sich der Kreis derer, die jetzt seit dem Sommer dabei waren, noch erweitert. Abwarten, wie Timo sich in Hoffenheim zeigt. Es heißt ja, die Tür bleibt immer offen. Letztendlich ist es mir aber egal, mit wem ich mich auseinandersetzen muss.
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