
Doch seine Tiefkühl-Mimik am vergangenen Sonntag, das nur flüchtige Auswechsel-Abklatschen mit Klopp sowie die negative Aura, die ihn derzeit umgibt und seine Frustgeschichte offenbar zu einer unendlichen macht, legen Zeugnis ab von dem Gefühlschaos, in dem der Torjäger steckt.
Frei hadert angesichts limitierter Einsatzzeiten (zehn Spiele, keines über die volle Distanz) mit dem Trainer, der an der System-Kompatibilität des Schweizers zweifelt. Aber er hadert auch mit sich selbst, weil er derzeit keine Deckung der Liga ernsthaft erschrecken kann (nur 18 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegen Wolfsburg). Das zerreißt ihn. Die Kollegen spüren das. "Wir versuchen, ihm zu helfen", sagt Tamas Hajnal (27), "er darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen."
Vor zwei Wochen kam alles auf den Tisch. Der bis 2010 vertraglich gebundene Frei, in Topform ein Torjäger der Extraklasse, sein Berater Andreas Gross, BVB-Sportdirektor Michael Zorc (46) und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (49) steckten die Köpfe zusammen. Zu einer "Analyse der Ist-Situation", wie Zorc verrät. Über Freigabe und einen vorzeitigen Wechsel verloren die Anwesenden kein Wort.
Und selbst wenn: Frei könnte sich wohl auf den Kopf stellen - die Bosse der Borussia würden ihn im Winter nicht ziehen lassen. Denn das wäre nach der - unter wirtschaftlichen Aspekten vernünftigen, aber sportlich weiter strittigen - Trennung von Mladen Petric (für 4,8 Millionen Euro zum HSV) ein extrem gefährlicher Luxus.
Freis Zukunft, zumindest die kurzfristige, liegt in Dortmund, wo ihm Zorc ans Herz legt, "wieder in eine absolute Top-Verfassung" zu gelangen. So wie in jener Phase seines jetzt zweieinhalb Jahre währenden BVB-Engagements, in der er zu einem der herausragenden Bundesliga-Stürmer aufstieg (55 Spiele, 26 Tore) und als einer der größten BVB-Helden der Neuzeit gefeiert wurde. Bis ihn diverse Verletzungen und Operationen (Hüfte, Wade, Knie) erst den Rhythmus und dann seinen Stammplatz kosteten. Mit diesen Problemen "etwas gelassener umzugehen", empfiehlt ihm Watzke. Was dabei unausgesprochen bleibt: Die momentane Verärgerung weniger demonstrativ in der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen, würde Frei von dem Verdacht freisprechen, nur seine eigenen Belange in den Vordergrund zu rücken.
Und Klopp? Es sei "alles in Ordnung" zwischen dem Spieler und ihm, sagt er, "in der Hitliste von Profis ist man als Trainer mal oben und mal weiter unten." Bei Frei nimmt er wohl keinen Spitzenplatz ein. Das muss der knurrige Knipser auch niemandem bestätigen.
Thomas Hennecke
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