Während Hans Meyer die Elf vom Niederrhein als Nachfolger von Jos Luhukay nun schon seit rund vier Wochen trainiert und mit zwei Siegen in vier Partien aus der Abstiegszone führte, hatte Horst Köppel vor gut vier Jahren erst unmittelbar vor dem Bayern-Heimspiel vom entlassenen Holger Fach übernommen. Zuvor war Köppel für die Amateure der Borussia verantwortlich.
53.466 Zuschauer begrüßten die Akteure an diesem Herbstsamstag im ausverkauften Borussia-Park. Köppel stellte die Borussia gleich auf einigen Positionen um, brachte unter anderem den heutigen Co-Trainer Christian Ziege auf der linken Abwehrseite zum Einsatz. Gladbach hatte zuvor 0:3 in Bochum verloren, die Bayern 2:0 gegen Wolfsburg gewonnen. Felix Magath hieß damals der Coach des Rekordmeisters, er baute auf Größen wie Kahn, Ballack, Makaay oder Lucio, der dann im Spiel eine gewichtige Rolle einnehmen sollte.
In einer torlosen ersten Hälfte war das Engagement beider Mannschaften groß, die Abwehrreihen ließen jedoch wenig zu. Dies sollte sich kurz nach Wiederanpfiff ändern. Der an diesem Tag überragende Gladbacher Innenverteidiger Pletsch (kicker-Note 1) kam nach einer Neuville-Freistoßflanke frei und unbedrängt zum Kopfball und überwand den zögernden Kahn zum 1:0 (49.). Jetzt war Feuer im Spiel, die Bayern mussten mehr riskieren. Lucio hatte an der Seitenlinie seine Nerven nicht im Zaum, trat nach einem Foul an Sverkos noch einmal Richtung Ball und sah von Schiedsrichter Knut Kircher die Rote Karte (54.).
Dadurch angestachelte Bayern spielten zwar weiter nach vorn, kamen jedoch nicht zu klaren Chancen. Anders die Borussen bei ihren schnellen Kontern. Horst Köppel zeigte in der Schlussviertelstunde, dass er den knappen Vorsprung nicht einfach über die Zeit bringen wollte. Zwölf Minuten vor Schluss wechselte er Stürmer Joris van Hout für den Mittelfeldmann Peer Kluge ein. Der Belgier sorgte kurz darauf per Kopf nach Sverkos-Flanke für die Entscheidung - 2:0 (84.). Die Bayern mussten die dritte Saisonniederlage quittieren, rutschten auf Rang fünf ab. Mönchengladbach kletterte mit ihrem dritten Dreier auf Platz 14.
Am Saisonende waren die Verhältnisse aus Bayern-Sicht wieder ins rechte Licht gerückt - Magath führte den FCB zu einem souveränen Titelgewinn mit 14 Punkten Vorsprung auf den Zweiten Schalke. Köppel, der unmittelbar nach dem Sieg über Bayern durch Dick Advocaat wieder ins zweite Glied zurückgedrängt worden war, trat am 18. April 2005 ein zweites Mal auf den Plan. In der heißen Phase der Saison übernahm er für den erfolglosen Advocaat (heute Zenit St. Petersburg) und sicherte mit einem Zähler Vorsprung vor Bochum den Ligaverbleib.
Geht es nach dem Gladbacher Anhang, soll Hans Meyer an diesem Samstag möglichst das wiederholen, was Horst Köppel 2004 gelang: Ein Dreier, der den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößert. Meyer weiß, wie die Bayern zu schlagen sind. Zumindest hat er es schon bewiesen. Zum Beispiel 2001 auf dem Gladbacher Bökelberg, als Arie van Lent ein 1:0 über den damaligen Champions-League-Sieger sicherstellte und der gebürtige Briesener Meyer hernach mit Rotkäppchen-Sekt anstieß. Oder mit dem 1. FC Nürnberg Anfang Februar 2007. Damals trafen Saenko, Schroth und Vittek zu einem 3:0-Triumph über den Derbyrivalen.
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