Hannover: Interview mit Robert Enke
"Meine besten Jahre kommen jetzt"
kicker: Herr Enke, in dieser Woche nehmen auch Sie das Training wieder auf. War die EM Ihr bisher größtes sportliches Erlebnis?
Robert Enke: Klar war es ein Highlight. Man kriegt alles mit, ist Teil der Mannschaft, wenn auch nicht der ersten Elf. Aber insgesamt war es mit allen Höhen und Tiefen etwas, das haften bleibt.
kicker: Haben Sie Appetit auf mehr bekommen?
Enke: Absolut!
kicker: Sie werden also weiterhin in der Nationalelf dabei sein.
Enke: Wir wissen alle noch nicht, was passiert.
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kicker: Gibt es Zeichen von Jogi Löw?
Enke: Als wir in Berlin auseinandergingen, war alles etwas hektisch. Wir hatten bisher keinen weiteren Kontakt. Aber der Bundestrainer hat mich schließlich bei der EM zur Nummer zwei gemacht - auch wenn das einige nicht zu interessieren scheint und sie lieber andere ins Gespräch bringen.
kicker: Klingt verärgert.
Enke: Nun, wenn mein Name von sogenannten Experten einfach übergangen wird, muss ich mich schon fragen: Liegts an meinem Alter? Oder daran, dass ich in Hannover spiele? Man kann sich dem Ganzen nicht entziehen. Selbst wenn ich mir längst angewöhnt habe, das Augenmerk auf das zu legen, was wirklich ist.
kicker: Was ist denn Ihrer Meinung nach "wirklich"?
Enke: Wie gesagt, der Bundestrainer hat bewiesen, dass er auf öffentliche Debatten keinen Wert legt. Seit der Ära Klinsmann ist das so. Es geht nach Leistung. Nicht nach dem, was geredet wird. Das ist schön zu sehen. Und auch wenn ich mich nur im Training zeigen konnte: Die ganzen Umstände geben mir ein gutes Gefühl. Ich glaube, man steht mir beim DFB sehr positiv gegenüber.
"Jens hat seine Entscheidung getroffen"
kicker: Gab es auch Signale von Jens Lehmann Ihnen gegenüber?
Enke: Überhaupt nicht. Ich halte auch nichts davon, jetzt in die Tatsache, dass er in Stuttgart für ein Jahr unterschrieben hat, etwas hineinzuinterpretieren. Ich denke, Jens hat seine Entscheidung getroffen und wird sie irgendwann demnächst mitteilen.
kicker: Wie sehen Sie die Chancen auf seine Nachfolge?
Enke: Warten wir es ab. Ich weiß nicht, was mit Timo Hildebrand ist. Ansonsten wäre ich wohl der einzige Kandidat um die 30 und damit ein erfahrener Torwart. Meine besten Jahre kommen jetzt.
kicker: Stünden Sie auch weiterhin als Nummer zwei zur Verfügung?
Enke: Diese Frage stellt sich für mich momentan nicht.
kicker: Sie müssen sich wesentlich jüngerer Konkurrenz durch Adler, Neuer, Rensing erwehren.
Enke: Letztlich sollte doch die konstant gute Leistung entscheiden. Da bin ich optimistisch, frohen Mutes und gehe davon aus keine Übergangslösung zu sein! Jens Lehmann erlebte ich ja gerade hautnah. Er ist 38 und noch topfit.
kicker: Hannovers Trainer Hecking sagt, Sie gehen gestärkt aus dem EM-Sommer hervor. Hat er recht?
Enke: Ja, mit Sicherheit. Ich fühle mich körperlich und mental stark, stabil wie nie. Viel besser als mit 22, 23 oder etwa voriges Jahr, als mir mein Ellbogen mächtig zugesetzt hat.
kicker: Gilt das auch für Hannover, wo viele vom "stärksten Kader aller Zeiten" sprechen?
Enke: Einerseits haben wir den von den Namen her vielleicht wirklich. Andererseits müssen alle Rädchen erst mal ineinander greifen.
kicker: Dieter Hecking kündigte an, die Kapitänsfrage diese Woche im Trainingslager von 96 in Velden zu bereden. Was gibts denn zu reden?
Enke: Ich dachte, es ist alles geklärt. Ich bin zumindest bereit, es weiterzumachen.
"Vier, fünf Jahre Bundesliga noch"
kicker: Ihr Vertrag läuft noch bis 2010, aber mal ehrlich: Wie oft haben Sie sich zuletzt mit einem Vereinswechsel beschäftigt?
Enke: In den letzten Wochen gar nicht mehr. Vorige Saison, als es bei uns schlecht lief oder die Torwartdiskussion mir bei der EM-Nominierung "schlechte Karten" bescheinigte, habe ich mich wirklich kurz gefragt, ob ich nicht doch etwas anderes machen sollte. Inzwischen denke ich wieder, dass ich in Hannover genau richtig bin.
kicker: Ihre Prognose?
Enke: Okay, für den Europacup muss man wohl Fünfter werden. Machbar, aber verdammt schwierig. Alles müsste klappen. Es gibt ja auch den Pokal. Ich möchte unbedingt einmal nach Berlin. Wie jedes Jahr ...
kicker: Wie viele Anläufe wollen Sie noch unternehmen?
Enke: Ich gehe davon aus, die nächsten vier, fünf Jahre in der Bundesliga zu bleiben, wenn nichts dazwischenkommt. Vielleicht ja irgendwann mit der Möglichkeit, um einen Titel zu spielen.
Michael Richter
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