
Der wild wuchernden Diskussion darüber, ob das Haltbarkeitsdatum des Fußball-Lehrers am Saisonende abgelaufen sein wird, hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (48) auch am Sonntag im DSF-Doppelpass nicht Einhalt gebieten können. Unter Aufbietung aller diplomatischen Verrenkungen erneuerte Watzke nur die Behauptung, dass klubintern "keine Trainerdiskussion" geführt werde. Ein klares Bekenntnis zum Trainer blieb er schuldig. "Doll hat Vertrag", sagte er. Aber wird er ihn auch erfüllen können? Es gebe "überhaupt keine atmosphärische Störungen", beteuert Watzke. Doch ist Doll nun der "Captain Future" der Borussia oder schon ein Auslaufmodell, dem mit den Entlassungspapieren die Quittung für Entwicklungsstillstand, für einen personell wie taktisch irritierenden Kurs, kurz: für eine miserable Bundesligasaison präsentiert wird? "Mit Platz 13", knurrte Watzke, und da wurde er endlich einmal konkret, "mit Platz 13 sind wir total unzufrieden."
Noch erinnert in Dortmund das sumpfige Terrain rund um Trainer, Geschäftsführer, Präsident, Sportdirektor und Mannschaft an einen Irrgarten. Erst nach dem 17. Mai werden sich Auswege auftun - ob es für Doll einen gibt, ist fraglich. "Auch für mich zählen Resultate", betonte er am Wochenende, "dessen bin ich mir bewusst."
Immerhin widerlegte die Mannschaft in Frankfurt die weit verbreitete Meinung, dass sie nicht mehr reagiert, wenn ihr Coach das Gaspedal antippt. Sowohl spielerisch wie auch kämpferisch lieferte die Borussia eine vorzeigbare Partie ab. "Sollte zuvor die Charakterfrage gestellt worden sein", sagte Torhüter Marc Ziegler (31), "haben wir sie beantwortet." Die Dortmunder Dienstfahrt endete nach couragiertem Auftritt mit einem Teilerfolg, nicht mit einem Befreiungsschlag, weswegen wohl ein frommer Wunsch bleiben wird, dass beim BVB "jetzt wieder über Fußball gesprochen werden kann", wie Doll hofft.
Trotz seiner wüsten Medienschelte dämmert dem Trainer, dass verschiedentlich seine Person betreffende Informationen nicht zufällig durch das unterhalb der Führungsebene gespannte Sieb rutsch(t)en. Diesen Tenor vertritt auch Christian Wörns (35), der moniert, dass die Borussia "als Verein zu gläsern" sei. Er fordert, mehr als Einheit aufzutreten, "es sollte nicht mehr jeder probieren, sein eigenes Süppchen zu kochen, um damit besser dazustehen". Obwohl Wörns damit "keine Wertung des Verhaltens einzelner Personen" abgeben wollte, reagierte Watze angefressen: "Die Interviews von Wörns werden mir fehlen."
Auf seinen Sportdirektor muss der Geschäftsführer auch zukünftig nicht verzichten: Weil sich Dortmund für den UEFA-Cup qualifizierte, greift eine Klausel im Vertrag von Michael Zorc (45). Statt wie bisher bis zum 30. Juni 2009 sieht sein Arbeitspapier jetzt eine Dauer bis 2010 vor.
| Verein | Name | Datum | Position |
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