Es war der 2. Februar 2007. Ottmar Hitzfeld verlor mit Bayern in Nürnberg 0:3. Der Tag seines Comebacks als Coach der Münchner war total danebengegangen. Nun, 421 Tage später, kehrt er dorthin zurück, wo alles begann. "Ich freue mich auf das Spiel", sagt Hitzfeld. Seit diesem Februar-Freitag hat sich viel verändert für ihn. Die Mannschaft wurde erneuert, sechs Spieler von damals kicken längst woanders oder haben aufgehört, wie Mehmet Scholl. Neue Stars sind gekommen, Toni, Ribery, Klose.
Der Blick auf die Tabelle ist auch wieder angenehm. Als Vierter hatten die Münchner damals elf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Schalke. Heute sind sie Erster, mit sieben Zählern Vorsprung auf den HSV. "Es hat sich viel verändert", weiß Hitzfeld. Also soll sich am Samstag auch das Ergebnis wieder ändern. Er stellt klar: "Wir haben noch eine Rechnung offen."
Kämpferisch sollen diese Worte daherkommen, entspannt klingen sie trotzdem. Hitzfeld genießt die Lage in der Liga. Er genießt eine Woche ohne großen Stress. Das Länderspiel zwischen der Schweiz und Deutschland schaute er sich gemütlich vorm Fernseher an, "wäre ich ins Stadion gegangen, hätte mich jeder dauernd angesprochen" - das wollte sich der künftige Coach der Eidgenossen sparen. In München trainierte er tagsüber mit dem kleinen Kreis der Daheimgebliebenen. So kann auch er mal ein wenig durchpusten, Kräfte tanken für den Saison-Endspurt. Wo er vor einem Jahr zwischen Februar und Mai noch vier Kilo abnahm, weil die schlechte Stimmung im Klub und der unveränderte vierte Platz an ihm nagten, hat er derzeit keine Probleme. "In zwei Monaten ist alles vorbei, da ist der Stress überschaubar", erklärt der 59-Jährige, "ich fühle momentan keinen Substanzverlust."
„Ich habe keine Sekunde bereut.“Ottmar Hitzfeld, Bayern-Coach
Im Gegenteil. Hitzfeld spürt die Lust auf Titel, die Lust auf den perfekten Abschied. Nur einer, glaubt er, könnte ihn verhindern: der Schlendrian. "Hat die Mannschaft ihre Lehren aus dem 0:2 in Cottbus gezogen, sind wir nur schwer zu stoppen", betont er. Genau das steht in Nürnberg auf dem Prüfstand. Wieder geht es gegen ein Kellerkind, das alles geben wird.
Hitzfeld verlangt den Sieg, damit er nicht noch mal traurig in die Kabine muss. "Ich spüre eine große Befriedigung, bei Bayern zu sein", sagt er. Rückblickend auf 2007 fügt er hinzu: "Ich habe keine Sekunde bereut."
Bernd Salamon
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