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25.02.2008, 08:46

Bayern eröffnet Verteilungskampf

Kalle gegen alle?

Die Ausschreibung für die Vergabe der Fernsehrechte ab der Saison 2009/10 wird erst in dieser Woche erfolgen. Doch hinter den Kulissen ist in der Liga schon längst ein heißer Kampf entbrannt um die künftige Verteilung der Honorare, die von momentan annähernd 450 Millionen Euro auf deutlich über 500 Millionen Euro steigen werden.

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Sorgt für Diskussionen: Karl-Heinz Rummenigge.
Sorgt für Diskussionen: Karl-Heinz Rummenigge.
© imago Zoomansicht

Bayern München hat durch seinen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge den Verteilungskampf eröffnet. Das hat System. Seit zwei Jahrzehnten wird vor den Abschlüssen von TV-Verträgen Druck gemacht vom sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten deutschen Klub, der - unter Verweis auf internationale Wettbewerbsfähigkeit - ein immer größeres Stück des Kuchens für sich beansprucht.

Die beiden vergangenen Vorstandssitzungen des Ligaverbandes waren zeitweise von großer Aggressivität geprägt. Bayern-Boss Rummenigge brachte Schärfe in die Diskussionen, stellte die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte und damit die Solidarität der Liga infrage. Und er kündigte an, in Gespräche mit dem Bundeskartellamt zu treten. Die zentrale Vermarktung beteiligt alle 36 Profiklubs nach ihren Erfolgen an den TV-Honoraren. Die in Italien und Spanien praktizierte Einzelvermarktung garantiert den Spitzenklubs deutlich höhere, allen anderen Vereinen erheblich niedrigere Einnahmen als in Deutschland.

Nach kicker-Recherchen hat Rummenigge am vergangenen Freitag mit dem Kartellamt gesprochen. Am heutigen Montag wird Geschäftsführer Peter Peters vom FCSchalke04 in Bonn Gespräche mit dem Kartellamt führen. Für Peters ist "nicht ersichtlich, welche Strategie der FC Bayern fährt". Seine Strategie ist klar: Als Vizepräsident der Liga und als Sprecher des FC Schalke ist Peters Befürworter der zentralen Vermarktung.

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Rummenigges Vorstoß beim Kartellamt hat die Liga in Aufregung versetzt. Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz und als Vertreter der 2.Liga Vizepräsident des Ligaverbandes, sagte dem kicker: "Es ist unverantwortlich und eine große Gefahr für den Fußball, dass München diese Diskussion ausgelöst hat. Als gewählter Vertreter der Liga kann Karl-Heinz Rummenigge nicht nur die Interessen seines Vereins sehen, sondern muss die Interessen der gesamten Liga vertreten. Oder er darf sich nicht in den Ligavorstand wählen lassen."

Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, ebenfalls Liga-Vorstandsmitglied, meint: "Die Geld-Schere klafft schon weit auseinander. Bayern soll zufrieden sein und Ruhe geben, wenn sie in einem Jahrzehnt schon siebenmal Meister werden." Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist "ein überzeugter Anhänger der zentralen Vermarktung, wenn eine leistungsgerechte Bezahlung erfolgt. Und das gewährleistet das aktuelle System". Kein Verständnis für die Verfahrensweise der Münchner hat auch Vorstandsvorsitzender Jürgen L.Born vom SV Werder Bremen: "Unsere Position ist glasklar: Wir sind für zentrale Vermarktung."

Zuletzt hatte Rummenigge in verschiedenen Interviews betont, dass München bei Eigenvermarktung der TV-Rechte "locker 100 Millionen Euro bekommen würde". Aktuell erhält der FC Bayern etwa 23 Millionen Euro aus dem nationalen Fernsehgeld; der Letzte der Bundesliga in dem Verteilungs-Ranking bekommt noch 11,6 Millionen Euro. Dazu kommen Honorare aus der Auslandsvermarktung. Vier Millionen Euro für den Meister, drei Millionen für den Zweiten, zwei Millionen für den Dritten, je eine Million für den Vierten und Fünften, je 750.000 Euro für den Sechsten und Siebten der Meisterschaft; für alle anderen Bundesligaklubs je 363.638 Euro.

Die 2. Liga partizipiert nicht an der Auslandsvermarktung. Dieser Beschluss wurde auf Drängen von Bayern München bei Festlegung des aktuellen Verteilungsschlüssels am 23.Februar 2006 gefasst. Als Meister würde der FC Bayern somit auf über 27 Millionen Euro kommen, der Letzte im Ranking auf 12 Millionen Euro. In der 2.Liga liegt die Spanne zwischen 7,2 und 3,6 Millionen Euro.

Der Münchner Vorstoß dürfte gerade auch auf eine höhere Beteiligung an der Auslandsvermarktung zielen, wo die Liga ab 2009 etwa 60 statt 20 Millionen Euro erwartet.

Der FC Bayern hat offenbar einen einsamen Kampf aufgenommen im Verbund der 36 Klubs und Kapitalgesellschaften. Bleibt die Frage: Ist es (wieder mal) nur ein Poker um mehr Kohle oder will der Branchenprimus wirklich den Solidarpakt verlassen?

Rainer Franzke

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