Ausgelöst hat sie die Art, wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (48) bei den Hauptversammlungen dieser Woche (Mitglieder, Aktionäre) seine leitenden Angestellten, deren Verträge im nächsten Jahr parallel auslaufen, würdigte. Während er sich bei Zorc mit Schmeichel-Sprache deutlich positionierte, kam Doll in seinen Redemanuskripten nur als Fußnote vor. Immerhin versicherte er beiden "definitiv unser Vertrauen". Sogar unabhängig vom Ausgang der drei vor Weihnachten noch ausstehenden Spiele (Stuttgart, Bielefeld, Wolfsburg).
Über das, was ab Sommer 2008 folgt, will sich Watzke, der mit markigen Worten die Mannschaft in die Pflicht nahm, zur Stunde "nicht äußern". Eisern hält er an seinem Fahrplan fest und will Trainer wie Sportdirektor erst in der Winterpause an den Verhandlungstisch bitten. Alle Interpretationen seiner in Lautstärke und Inhalt durchkalkulierten Rhetorik, die ihm Unmut und Wut aufgeladener Zuhörer wirkungsvoll zu kanalisieren half, entbehrten "jeglicher Grundlage", beteuert der Geschäftsführer. Er habe seine Unterstützung für die eine oder andere Seite "nicht gewichtet".
Auch wenn er bei Zorc ausdrücklich nur dessen Verhandlungs- und Transfergeschick (an den Beispielen Florian Kringe und David Odonkor) lobte, nicht aber die sportliche Entwicklung, die er eigentlich zum entscheidenden Prüfkriterium erheben wollte, scheinen sich nun die Anzeichen zu verdichten, dass er für Zorc eine Zukunft sieht.
Die des Trainers hängt auch von dessen Krisenmanagement ab. Hinweise darauf, dass Doll seinen Maßnahmenkatalog dahingehend variiert, die Zügel nach dem jämmerlichen Auftritt von Nürnberg spürbar zu straffen, liegen nicht vor. Der Coach setzt auf die Selbstreinigungskräfte innerhalb seiner Mannschaft und wünscht sich Verstärkungen, "das, was machbar ist", was angesichts strenger Absprachen mit Hauptgläubiger Morgan Stanley aber nicht viel sein wird.
Dem Plan, Jan Schlaudraff (24, FC Bayern München) auf Ausleihbasis zu verpflichten, erteilte Uli Hoeneß (55) eine Absage. "Die Bayern haben uns klar zu verstehen gegeben, dass daraus nichts wird", verriet Zorc. Schon vor einem Jahr hatte sich der BVB um den torgefährlichen Techniker (acht Bundesliga-Treffer) bemüht. Schlaudraff entschied sich für den Rekordmeister, konnte dort aber wegen einer Verletzung bisher wenig bewegen (drei Kurzeinsätze über insgesamt 35 Minuten).
Thomas Hennecke
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