kicker: Nach Mladen Petric im kicker beklagte nun auch Thomas Doll gegenüber den Ruhr Nachrichten einen respektlosen Umgang mit Spielern und Trainern des BVB. Ist Dortmund im Moment ein einziges Haifischbecken?
Michael Zorc: Auf der einen Seite muss man zugestehen, dass wir nur im Mittelfeld der Tabelle stehen.
kicker: Im unteren Mittelfeld. Auf Platz 13.
Zorc: Aber mit gleichviel Abstand zu den internationalen Plätzen nach oben wie zu den Abstiegsrängen nach unten.
kicker: Und auf der anderen Seite?
Zorc: Ich bin jetzt seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten in Dortmund. Und in diesem Zeitraum gab es nicht viele Phasen, in denen Trainer, Spieler und die gesamte Personalplanung so schnell und so aufgeregt infrage gestellt worden sind, wie im Moment.
kicker: Machen Sie es sich nicht ein bisschen zu einfach, den Medien die Schuld für sportliche Versäumnisse in die Schuhe zu schieben?
Zorc: Das tut ja niemand. Es gibt ja auch handfeste sportliche Gründe. Es ist nur schwer, in diesem nervösen Umfeld konstruktiv und nach vorne gerichtet zu arbeiten, weil nach jedem Misserfolg alles und jeder angezweifelt wird. Je weiter man von Dortmund weggeht, umso mehr stößt diese Unruhe übrigens auf Unverständnis.
kicker: Auch Doll wird in die Mangel genommen - wegen seines Führungsstils. Sollte er härter, fordernder, autoritärer auftreten?
Zorc: Der Trainer hat seinen eigenen Stil. Und glauben Sie mir, es gibt schon Unterschiede, wie jemand nach innen und wie er nach außen auftritt. Er formuliert seine Anforderungen an die Spieler unmissverständlich und klar.

kicker: Doll, dessen Vertrag ausläuft, will in Dortmund noch "richtig was auf die Beine stellen". Gilt das vor dem Hintergrund, dass Ihr Arbeitspapier 2008 endet, auch für Sie?
Zorc: Lassen Sie es mich bildlich ausdrücken: Nehmen wir mal einen ziemlich in Unordnung geratenen Garten
kicker: An dessen Zustand Sie nicht ganz unschuldig waren.
Zorc: Dazu stehe ich. Aber jetzt ist in diesem Garten das Unkraut gejätet, der Boden gedüngt und geebnet worden. Wir haben Blumen gepflanzt. Nur wachsen sie nicht so schnell, wie wir selbst es uns wünschen. In ein bis zwei Jahren allerdings werden wir in der Lage sein, direkt größere Pflanzen zu setzen. Diesen Prozess würde ich gerne mitgestalten.
kicker: Zermürbt Sie die Ungewissheit, ob Ihr Vertrag beim BVB verlängert wird?
Zorc: Nein. Es war von Anfang an verabredet, dass wir im Winter alles besprechen. Ich habe klare Vorstellungen über die Perspektive und die personelle Situation bei diesem Klub. Entscheidend kann doch nicht nur sein, ob du im Winter Zehnter oder Zwölfter bist, oder ob du einen Punkt mehr oder weniger hast. Entscheidend sind Konzeption und Perspektive.
kicker: Siege würden sie sprunghaft verbessern.
Zorc: So ist es. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir am Ende der Saison wesentlich besser dastehen als jetzt.
kicker: Schön. Aber woher nehmen Sie diese Gewissheit?
Zorc: Verschiedene Faktoren werden sich ändern, positive Vorzeichen werden dazukommen.
kicker: Welche?
Zorc: Bisher war die Struktur unserer Mannschaft zu fragil. Spieler wie Alexander Frei und Sebastian Kehl, die ihr Halt geben und Führungsrollen ausfüllen sollten, kommen wieder. Sie werden auf und außerhalb des Platzes Schritt für Schritt dazu beitragen, dass sich andere, die bisher sehr wechselhaft in ihren Leistungen sind, stabilisieren.
kicker: Doll hat einmal mehr die Mentalität der Mannschaft kritisch durchleuchtet. Er wünscht sich mehr Zoff, mehr Feuer, mehr Galligkeit. Haben Sie in den letzten Jahren nur Messdiener verpflichtet?
Zorc: Eine provokante Frage. Verschiedene Spieler haben mit sich selbst zu kämpfen. Die Gesamtführung in der Mannschaft ist nicht so ausgeprägt, dass die Nachhaltigkeit des Erfolges aus ihr selbst kommt. Aber das wird sich ändern.
kicker: Machen Sie alles an Kehl und Frei fest?
„"Robert Kovac wird uns hinten weiter festigen."“Sportdirektor Michael Zorc
Zorc: Die Mannschaft wird reifen. Blaszczykowski wird seine Leistungen auf einem höheren Niveau stabilisieren. Kovac wird uns im hinteren Bereich weiter festigen. Auch Tinga wird im zentralen Mittelfeld immer wichtiger für uns.
kicker: Über fast jeden Zweifel erhaben ist Florian Kringe. Kann Dortmund mithalten, wenn ein Verein wie Bremen Kringe anbaggert?
Zorc: Bremen hat aktuell bessere sportliche Argumente. Ich sehe Florian langfristig immer mehr in einer Führungsrolle beim BVB.
kicker: Reicht das, um ihm eine Vertragsverlängerung in Dortmund schmackhaft zu machen?
Zorc: Natürlich nicht. Wir arbeiten intensiv daran. Gerade Florian identifiziert sich total mit dem BVB.
kicker: Wie konkret ist Ihr Interesse an Rechtsverteidiger Etto von Dinamo Zagreb?
Zorc: Namen kommentiere ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Wir führen mit einigen Spielern Vertragsgespräche (zum Beispiel mit Philipp Degen, die Red.). Wir werden nicht unvorbereitet sein.
Thomas Hennecke
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