kicker-Test: Hertha BSC
Es ist die größte Fluktuation seit dem Aufstieg 1997. Mit Yildiray Bastürk (Stuttgart), Christian Gimenez (Toluca), Ashkan Dejagah (Wolfsburg) und Kevin-Prince Boateng (Tottenham) büßte das Team viel Offensiv-Power ein, mit Christopher Schorch (Real Madrid), Nico Pellatz (Bremen) und Robert Müller (Jena) verließen mehrere Talente den Klub, Jerome Boateng steht auf dem Sprung zum HSV. Die Abgänge von Ellery Cairo (Coventry City), Andreas Neuendorf (FC Ingolstadt) und Kevin Ellegaard (Randers FC) waren gewünscht. Abwehrchef Dick van Burik, dem das Geschäftsgebaren seines Vaters und Beraters Karel van Burik zum Verhängnis wurde, ist beurlaubt. Mit Torhüter Jaroslav Drobny (Bochum) und Linksaußen Lucio (von Palmeiras zuletzt an Gremio ausgeliehen) verzeichnet Hertha erst zwei Top-Transfers, weitere sollen folgen. Die zuletzt ausgeliehenen Lukasz Piszczek (Zaglebie Lubin), Pascal Bieler und Solomon Okoronkwo (beide Rot-Weiss Essen) müssen noch zeigen, ob sie in der Ersten Liga mithalten können.
Die Spiele gegen namhafte Gegner liefen unterschiedlich. Gegen NK Rijeka (0:0) brachte Hertha wenig zustande, gegen Middlesbrough (1:1) waren gute Ansätze erkennbar, die Generalprobe gegen Viktoria Pilsen (4:0) machte Spaß. Unterklassige Teams wurden problemlos bezwungen: Carl Zeiss Jena (3:0), Lübben (4:1), Weiz (6:0), Babelsberg (4:0) und der BFC Dynamo (1:0).
Die defensive Ordnung stimmte in den Vorbereitungspartien, Flügelspiel (Ebert, Lucio) und Disziplin wirken deutlich verbessert. Aber hinter der ersten Elf fällt das Niveau stark ab. Und: Ein eingespieltes Team hat Favre nicht zur Hand, vier oder fünf Neuzugänge will (und muss) der Klub noch holen. Deren Integration dürfte dauern, Hertha läuft allmählich die Zeit davon.
Lucien Favre, ein Verfechter des Kurzpassspiels, setzt konsequent auf ein 4-4-2 mit kompakter Defensive und schnellem Spiel in die Spitze. Er hat die Rolle des Zehners abgeschafft und das Mittelfeld als flache Vier angeordnet.
Favre, zuletzt in der Schweiz mit dem FC Zürich zweimal Meister, wirkt besonnen und sanft. Aber er zieht seine Linie gnadenlos durch. Hertha lässt ihm dabei freie Hand.
Ein Saisonziel will der Verein erst ausgeben, wenn der Kader steht - das dauert noch. Kapitän Arne Friedrich hat schon mal vorgebaut: "Vom UEFA-Cup rede ich nicht."
Hertha 2007 - das ist eine Wundertüte. Die Mannschaft muss sich hierarchisch und sportlich erst noch finden. Und Favre muss zeigen, dass er in einer großen Liga bestehen kann. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre ein Erfolg.
Steffen Rohr
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