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07.02.2000, 09:17

Thema der Woche: Skibbe weg - Probleme bleiben

Kraftakt mit Krauss

Im November wurde sein Vertrag noch bis 2002 verlängert. Doch seit Sonntag ist Michael Skibbe (34) nicht mehr Trainer der Dortmunder Borussia. Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf Bernd Krauss (42).

Vollgas von der ersten Minute an . . . Die Radarfalle, in die Bernd Krauss dabei am gestrigen Sonntag, zwischen Gladbach und Dortmund rauschte, zwang ihn zur Drosselung seiner Fahrt. Aber nur als Pilot seines schicken BMW. Als neuer Chefcoach des BVB will der aus Dortmund stammende Fußball- Lehrer seine Mannschaft in Zukunft so hochtourig wie nur möglich laufen lassen. Über genügend PS verfüge sie in jedem Fall, versichert der Nachfolger von Michael Skibbe.

Nachdem dieser bereits Anfang Dezember auf den Verein zugegangen war, um "kritisch und objektiv" eine Fortsetzung seiner Arbeit zu überprüfen, räumte er (offiziell) am Sonntag das Feld, ohne sich "sportlich allzu viel vorzuwerfen". Die eleganteste Lösung - für alle Seiten. Skibbe wird jetzt wieder Nachwuchs-Koordinator - mit Vertrag bis 2003. . .

In erster Linie die um Skibbe herrschende "negative Grundstimmung" machte Klubchef Dr. Gerd Niebaum für die Trennung verantwortlich, "unser Trainer hatte einfach nicht den nötigen Kreditspielraum." Die Gala gegen Glasgow Rangers (2:0, 3:1 im Elfer-Krimi) und der Kantersieg über Hertha BSC (4:0) zum Ende der Hinrunde verschafften Skibbe nur eine Atempause. Der 0:1-Flop gegen Kaiserslautern am vergangenen Freitag veranlasste ihn zur Aufgabe - und Borussias Chefetage zur Verpflichtung von Krauss (Vertrag bis 30. Juni 2001). Dieser übernehme ein "geordnetes Feld", behauptet Niebaum, schließlich sei der Wechsel auf der Dortmunder Kommandobrücke "ohne sportliche Bedrängnis" erfolgt. Außerdem finde Krauss eine Basis vor, "auf der man gut arbeiten kann".

Nun glaubt der neue Trainer, der Skibbes Assistenten Uwe Neuhaus in sein Team einbaut, eine "intakte Mannschaft" zu übernehmen. Dabei ist es in Wirklichkeit keineswegs ein gemachtes Nest, in das sich Krauss setzt. Auf ihn wartet ein echter Kraft-Akt. Und wer dabei gleich Wunderdinge oder eine strahlende Wiedergeburt einer im Streckverband liegenden Truppe erwartet, der würde auch von Unterhaching einen Champions-League-Platz verlangen.

Bis zur Partie am Mittwoch in Wolfsburg kann Krauss in seiner substanziell wohl überschätzten und unter einem fatalen Mangel an echten Spielerpersönlichkeiten leidenden Mannschaft nur mit psychologischen Elementen arbeiten. Erhebliche Defizite in Sachen Souveränität und Selbstvertrauen attestierte Fredi Bobic den Dortmunder Team-Mitgliedern nach dem Reinfall gegen Kaiserslautern, "wir werden schnell nervös, wenn ein Spiel nicht läuft". Je mehr Niederlagen man einstecken müsse, ergänzt Kapitän Stefan Reuter, um so schwieriger werde es, "selbstbewusst aufzutreten".


Es ist für einen jungen Trainer besonders schwer, in eine mit Stars gespickte Mannschaft hinein zu kommen, weil die verwöhnten Spieler oft nicht mehr bereit sind, sich zu quälen. Selbst ein erfahrener Trainer stößt da oft an seine Grenzen. Für einen unerfahrenen ist es fast unmöglich, dort die notwendigen Akzente zu setzen." Franz Beckenbauer


Kurzfristig muss Krauss eine Frischzellenkur für die angeknackste Psyche seiner Stars starten. Mittelfristig wird er sein Augenmerk darauf legen müssen, Borussias Kardinalschwäche zu beheben und die Produktivität in der kränkelnden Offensive (erst 24 Treffer) wieder zu steigern. Wie er sich das vorstellt, hat der Trainer dem kicker bereits verraten: mit forciertem Flügelspiel. So wie in Mönchengladbach, wo Heiko Herrlich 1995 unter seiner Regie Bestmarken setzte ( vgl. Interview ). Wie seine Vorgänger Nevio Scala oder Skibbe fortwährend an Ottmar Hitzfeld und seinen großen Erfolgen gemessen zu werden, nimmt Krauss in Kauf. Lächelnd. "Ich bin keine Kopie von irgendjemand", stellt er klar, "ich gehe meinen eigenen Weg." Borussia soll er wieder nach oben führen. In die Champions League. Möglichst direkt. Das ist und bleibt erklärtes Ziel des Klubs. Krauss hat dafür einen Kraft-Akt zu leisten. Um die Verhandlungen mit dem Fußball-Lehrer zu führen, reiste Niebaum am Samstag Hals über Kopf von einer juristischen Klausurtagung aus der Schweiz nach Dortmund zurück. Es war eben höchste Eisenbahn, zu handeln.

Thomas Hennecke

 

kicker

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