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12.02.2019, 18:05

1. FC Nürnberg möchte die Kurve kriegen - ohne zu viel Hektik

Der Club und die Frage: "Wie geht's weiter?"

Arbeitsreiche, aufreibende Tage liegen hinter dem Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg - und eben solche liegen vor ihm. Nachdem es überraschend zum großen Schnitt kam, weil Sportvorstand Andreas Bornemann sein Schicksal an das von Trainer Michael Köllner geknüpft hatte, liegt nun die Aufgabe auf seinem Tisch, einen neuen Sportvorstand zu finden.

1. FC Nürnberg
Nach Andreas Bornemann und Trainer Michael Köllner ist vor der nahen Zukunft beim 1. FC Nürnberg.
© imagoZoomansicht

Der Reihe nach: In langen Sitzungen am Sonntag und Montag kam der Aufsichtsrat mit großer Mehrheit zu dem Schluss, dass es an der Zeit wäre, Köllner zu beurlauben. Der Oberpfälzer hatte am Montag noch einmal die Möglichkeit, den Aufsichtsräten darzulegen, wie er die Mannschaft aus dem Tief führen will. Zwei Stunden lang referierte der 49-Jährige, ohne aber mit seinem 'Weiter-so-dann-wird-alles-gut' überzeugen zu können.

Da der Aufsichtsrat einen Trainer selbst nicht entlassen kann, sondern dem Vorstand dies nur empfehlen kann, wäre Andreas Bornemann am Zug gewesen. Doch der blieb beharrlich bei dem, was er am Samstag unmittelbar nach dem 0:2 in Hannover betont hatte. Eine Trainerdiskussion stelle sich überhaupt nicht und wäre der völlig falsche Ansatz. Davon ließ sich er sich auch zwei Tage später nicht abbringen - und wurde am späten Montagabend beurlaubt.

Dr. Thomas Grethlein, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, rief ihn am späten Montagabend gegen 22.30 Uhr noch einmal an, um ihn zum Einlenken zu bewegen. Vergebens. "Davor muss man höchsten Respekt haben. Er wollte nicht wider seine Überzeugung handeln", berichtet Grethlein. Somit war der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen, obwohl eigentlich die Mehrheit an Bornemann festhalten wollte. Somit ist dem 48-Jährigen nicht seine unglückliche Transferpolitik zum Verhängnis geworden, nicht der viel zu üppige Kader, auch nicht seine gelinde ausgedrückt seltsame und damit image-schädigende Analyse der jüngsten Niederlage, sondern seine Nibelungentreue zu Köllner. Jenen Mann, von dem er so überzeugt war, dass er ihm den Nachwuchsbereich und die Profis anvertraute - ohne ihn zu lenken oder zu bremsen, was mitunter dringend notwendig gewesen wäre.

Bornemanns Vermächtnis

Andreas Bornemann
Hat auch ein Vermächtnis beim Club hinterlassen: Andreas Bornemann.
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Wenn nun Grethlein betont, "welch große Verdienste sich Bornemann erworben hat", dann ist diese Einschätzung freilich richtig. Als Bornemann im September 2015 zu den Franken kam und die Nachfolge von Martin Bader antrat, fand er einen zutiefst gespaltenen und von der Insolvenz bedrohten Verein vor. Er hat Gräben zugeschüttet, mit im Wortsinn überlebenswichtigen Transfers dafür gesorgt, dass der FCN nunmehr finanziell so gut dasteht, dass ihn nun die Abfindungen nebst Abfindungen laut Grethlein "nicht nachhaltig belasten". Nicht zu vergessen natürlich der Aufstieg, der immer ganz eng mit dem Namen Bornemann verbunden sein wird.

Diesen Erfolg kann sich selbstredend auch Köllner ans Revers heften. Der 49-Jährige ist ein positiv Fußball-Verrückter, einer, der eine Mannschaft begeistern und eine Spielidee vermitteln kann. Aber er neigt auch dazu, übers Ziel hinauszuschießen - und damit seine eigene Arbeit zu torpedieren. Zu lange Ansprachen, zu großmündige wie auch zu widersprüchliche Ankündigungen, zu späte Aus- und Einwechslungen, zu viele unnötige Umstellungen vor dem Spiel, zu wenige während des Spiels - dies alles war übrigens auch in der vergangenen Saison der Fall. Es gibt mindestens drei Niederlagen, die unter die Rubrik "vercoacht" fallen. Und der Aufstieg selbst war übrigens auch kein "Fußball-Märchen", wie Köllner gerne behauptet. Auch wenn der Kader keiner aus der Kategorie 'Mit-dem-muss-man-aufsteigen' war, so besaß er doch die Qualität fürs obere Drittel.

"Beratungsresistent"

Apropos besitzen: Köllner hat ein großes Selbstbewusstsein, was in der Regel gut ist, denn wenn ein Trainer verunsichert, zweifelnd vor eine Mannschaft tritt, hat er schon verloren. Beim Oberpfälzer jedoch war es mitunter ein Tick zu viel. Der Begriff "beratungsresistent" jedenfalls fällt im Zusammenhang mit seiner Person nicht selten.

So war auch der Aufsichtsrat übrigens in den vergangenen Wochen bei weitem nicht so passiv, wie es nach außen den Anschein hatte. Hinter verschlossenen Türen war er sehr aktiv, führte sehr viele Gespräche und debattierte eifrig über wie mit dem Trainer. Und das schien auch Früchte zu tragen: Köllner verkündete zum Trainingsstart im neuen Jahr, dass er weniger rotieren lässt und sich auf einen mehr oder minder fixen Stammkader für die Spiele festlegen will. Ein Vorhaben, von dem spätestens in Hannover nichts mehr zu erkennen war.

Michael Köllner und Andreas Bornemann
Mussten gehen: Michael Köllner (links) und Andreas Bornemann.
© imago

Die nahe Zukunft steht bevor

Vergangenheit. Doch wie geht's weiter? Der Fahrplan sieht wie folgt aus: Der Aufsichtsrat sucht zügig, aber ohne sich allzu große Hetze aufzuerlegen, einen neuen Sportvorstand, der dann wiederum einen Trainer sucht.

In der Zwischenzeit soll es Köllners Co-Trainer Boris Schommers richten, dem als Assistent die FCN-Legende Marek Mintal zur Seite gestellt wird. Ob dies eine gute Idee ist? Mintal auf jeden Fall, denn alleine der Name des im NLZ als U-17-Coach tätigen Slowaken hat beim FCN-Anhang und auch in der Mannschaft eine große Strahlkraft.

Er stand zwar immer höchst loyal zu seinem Cheftrainer, allerdings sah er auch etliche Dinge anders und hätte sie dementsprechend anders gehandhabt. So gesehen steht er dann doch für einen Neuanfang.Dr. Thomas Grethlein über Boris Schommers

Und Schommers, der bislang die Trainingsinhalte entscheidend mitbestimmte und damit eigentlich nicht für einen echten Neuanfang steht? Der Aufsichtsrat diskutierte auch diese Frage lange, um letztendlich den Daumen zu eben, nachdem er sich ausführlich mit Schommers unterhalten hatte. "Er stand zwar immer höchst loyal zu seinem Cheftrainer, allerdings sah er auch etliche Dinge anders und hätte sie dementsprechend anders gehandhabt. So gesehen steht er dann doch für einen Neuanfang", so Grethlein.

Andererseits hatte der Aufsichtsrat auch keine große Wahl. Da er sich zu Recht aus der Trainersuche komplett heraushält, ist dies die einzige naheliegende Lösung des Gremiums, dem nun weitere arbeitsreiche Tage ins Haus stehen. Die Bewerbungen für den vakanten Posten des Sportvorstandes stapeln sich bereits, zudem hat der Aufsichtsrat selbst die eine oder andere Idee. Sich auf einen engen Kandidatenkreis festzulegen, die entsprechenden Gespräche zu führen und dann den Vielversprechendsten herauszufinden, lautet nun herausfordernde Programm.

Christian Biechele

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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FC Nürnberg
Gründungsdatum:04.05.1900
Mitglieder:22.541 (11.09.2018)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Valznerweiherstraße 200
90480 Nürnberg
Telefon: (09 11) 94 07 91 00
Telefax: (09 11) 94 07 95 10
E-Mail: info@fcn.de
Internet:http://www.fcn.de

weitere Infos zu Köllner

Vorname:Michael
Nachname:Köllner
Nation: Deutschland


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