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11.02.2019, 12:17

Trost statt Spott im Spiel gegen Leverkusen

"Heile, heile Gänsje": Das feine Gespür der Mainzer Fans

Das feine Gespür des Mainzer Publikums verband Fastnacht, Nostalgie und Spielverlauf: In der zweiten Hälfte des da schon lange entschiedenen Spiels gegen Bayer Leverkusen (1:5) stimmten die Anhänger auf der Westtribüne neben anderen Karnevalsklassikern auch tröstendes Liedgut an.

Mainz-Fans beim Heimspiel gegen Leverkusen
Mainz-Fans beim Heimspiel gegen Leverkusen.
© imagoZoomansicht

"Heile, heile Gänsje, es is' bald wieder gut. Es Kätzje hat a Schwänzje, es is bald wieder gut. Heile, heile Mausespeck, in hunnert Jahr is' alles weg", sang einst Fassenachts-Ikone Ernst Neger auf den Mainzer Sitzungen und meinte damit vor allem die Schäden, die der zweite Weltkrieg in Mainz und bei seinen Bewohnern hinterlassen hatte.

Noch länger wird das Lied auch von allen Eltern und Großeltern gesungen, um die Kinder und Enkel bei Schrammen und Fieber zu trösten. Die Musik als Pflaster für alle Wunden, notfalls auch für einen deutlichen Rückstand wie am Freitag im Stadion: Diese Mischung aus Zuspruch und vom bevorstehenden Höhepunkt der Kampagne beeinflusster Feierei beeindruckte die Mainzer Verantwortlichen. "Die Zuschauer hatten ein gutes Gespür", lobte Trainer Sandro Schwarz, der nach Abpfiff ebenso wie sein Team mit "Auswärtssieg"-Rufen in die Woche bis zum nächsten Spiel beim VfL Wolfsburg verabschiedet wurde.

Die Aussprache im März scheint nachdrücklich geholfen zu haben

Selbstverständlich ist die Einheit zwischen Fans, Verein und Mannschaft nicht. Vor ziemlich genau einem Jahr verspotteten die Anhänger ihr Team nach einer desolaten 0:3-Pokal-Niederlage bei Eintracht Frankfurt noch. Wenige Tage später entschied sich die Mannschaft nach einem 2:4 in Hoffenheim, nicht wie üblich zu den Fans im Block zu gehen, weil ihnen, wie sie später in einem offenen Brief schrieben, "nur noch ironische Gesänge und Gesänge, die wir als Spott aufgefasst haben, entgegengeschlagen" seien. Im März folgte eine dreistündige Aussprache, an der über 600 Anhänger teilnahmen und lebhaft unter anderem mit Schwarz und Sportvorstand Rouven Schröder diskutierten. Es scheint nachdrücklich geholfen zu haben.

Patrick Kleinmann

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© imago

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