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29.01.2019, 17:00

Dortmund: Linksverteidiger vor seinem 250. Ligaspiel

Die schwierige Situation des Marcel Schmelzer

Marcel Schmelzer steht vor einem Meilenstein seiner inzwischen mehr als zehnjährigen Profi-Karriere: Kommt der Linksverteidiger am Samstag beim Auswärtsspiel in Frankfurt zum Einsatz, erreicht der 31-Jährige die Marke von 250 absolvierten Bundesliga-Partien. Doch obwohl er alle im Trikot des BVB bestritt, wird er von einem Teil der Dortmunder Fans kritisch gesehen. Verstehen muss man das nicht.

Marcel Schmelzer
Erntet Spott im Netz und Pfiffe im Stadion: Marcel Schmelzer.
© Getty ImagesZoomansicht

Jürgen Klopp war der Erste, der auf die Dienste Marcel Schmelzers vertraute, als er ihn im Sommer 2008 aus der Zweitvertretung des BVB zu den Profis beorderte und ihn gleich im ersten Bundesliga-Spiel in Leverkusen einsetzte, nachdem sich Stamm-Linksverteidiger Dede das Kreuzband gerissen hatte. Es folgten Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger und Lucien Favre - sie alle bauten bzw. bauen im Falle Favres auf die Qualitäten Schmelzers, der sicher kein Filigrantechniker und kein Sprinterstar ist, dafür aber ein verlässlicher, hart arbeitender, loyaler, stets kämpfender und defensiv überwiegend stabil stehender Verteidiger.

Er ist ein Typ, wie ihn die Fans in Dortmund eigentlich lieben müssten: ein Malocher. Einer, der es mit viel Herzblut nach oben geschafft hat. Einer, der allein aus der mittelgroßen Ost-Stadt Magdeburg in die große West-Stadt Dortmund zog, um bei seinem Lieblingsklub zum zweifachen Meister, zweifachen Pokalsieger, Champions-League-Finalisten, Nationalspieler und zwischenzeitlich gar zum Kapitän aufzusteigen - Letzteres vor allem aus Pflichtgefühl heraus, weil er sich nicht drücken, sondern stellen wollte, als der Klub in einer unruhigen Lage war. Der Dank dafür? Schmelzer erntet Spott im Netz und Pfiffe im Stadion.

Einer der letzten großen Streitpunkte in der Fanszene

Es waren nicht viele, die am vergangenen Samstag beim 5:1-Sieg über Hannover durchs Stadion hallten, als er in der 70. Minute für Lukasz Piszczek eingewechselt wurde. Doch die Pfiffe waren zu hören. Und sie weckten Protest. Der Umgang mit Schmelzer ist einer der letzten größeren Streitpunkte innerhalb einer Fanszene, die sich zuletzt - natürlich auch dank des aktuellen sportlichen Erfolgs - wieder nähergekommen ist, nachdem die Ereignisse des Jahres 2017 (der Anschlag auf die Mannschaft, die Trennung von Trainer Tuchel) und 2018 (der sportliche und spielerische Abschwung in der Bundesliga und Champions League) zu tiefen Rissen geführt hatten.

Es gibt eine große Anzahl an Schmelzer-Verteidigern, die nicht verstehen können, wie man so schlecht mit einem verdienten Spieler umgehen kann. Die ihn in Schutz nehmen und sich bei Twitter und Facebook, in den Foren und auch auf der Tribüne Gehör verschaffen. Doch es gibt eben auch jene Fraktion, die ihn nicht mehr im BVB-Trikot sehen möchte - und die spottet und pfeift, wenn sich die Gelegenheit bietet. Nachvollziehbar ist das nicht. Fair schon gar nicht.

Radikaler Umbau und Neustart unter Favre

Doch woher kommt sie, die Abneigung gegen einen Spieler, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen? Der sich, im Gegenteil, für seinen Klub immer zerrissen und geopfert hat? Zu erklären ist das nur mit den Umständen der Tuchel-Trennung. Denn es war Schmelzer, der sich im Mai 2017 nach dem gewonnenen Pokalfinale gegen Frankfurt öffentlich auf die Seite seines nicht berücksichtigten Teamkollegen Nuri Sahin - und damit gegen seinen Trainer - gestellt hatte. Als Kapitän sprach er damals offen aus, was viele im Klub dachten. Als sich kurz danach der BVB von Tuchel trennte, galten Schmelzer und der heute bei Werder Bremen spielende Sahin bei Teilen der Fans - zu Unrecht - als Königsmörder. Als wenn es so einfach gewesen wäre...

Die für den Klub wie für Schmelzer persönlich extrem schwierige Saison 2017/18 verschärfte die Spannungen noch - auch weil er sich trotz zahlreicher Verletzungen und eines nie optimalen körperlichen Zustands verpflichtet fühlte, sportlich zu helfen und noch dazu als Kapitän Woche für Woche das Unerklärbare zu erklären versuchte.

Erst der radikale Umbau im vergangenen Sommer half ihm dabei, aus der Spirale auszubrechen. Schmelzer gab die Kapitänsbinde an Marco Reus weiter und konzentrierte sich fortan wieder stärker auf sich selbst. Mit Erfolg: Unter Favre etablierte er sich in der Hinrunde dank guter Leistungen als Stammspieler (kicker-Durchschnittsnote: 3,5), ehe ihn erneut eine Verletzung zurückwarf. Die vereinzelten, aber dennoch nicht überhörbaren Pfiffe aber blieben. Sie sind das letzte Überbleibsel einer Zeit, die den BVB in seinen Grundfesten erschütterte - und deren Wunden auch heute offenbar noch immer nicht vollständig verheilt sind.

Matthias Dersch

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© imago

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weitere Infos zu Schmelzer

Vorname:Marcel
Nachname:Schmelzer
Nation: Deutschland
Verein:Borussia Dortmund
Geboren am:22.01.1988

Vereinsdaten

Vereinsname:Borussia Dortmund
Gründungsdatum:19.12.1909
Mitglieder:154.000 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Schwarz-Gelb
Anschrift:Rheinlanddamm 207-209
44137 Dortmund
Telefon: (02 31) 90 20 0
Telefax: (02 31) 90 20 105
E-Mail: info@bvb.de
Internet:http://www.bvb.de


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