Schalkes Trainer erklärt Ausbootung von Fährmann

Tedesco nach Torwart-Wechsel: "Bin kein Masochist"

Bundesliga - 20.01. 21:15

Beim erfolgreichen Rückrundenstart des FC Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg (2:1) saß Kapitän Ralf Fährmann nur auf der Bank. Für ihn stand Nachwuchsmann Alexander Nübel zwischen den Pfosten, der seine Sache gut machte. Die brisante Entscheidung teilte Coach Domenico Tedesco seinem Torhüter am Samstag mit - und begründete sie nach dem Spiel gegen die Wölfe.

"Super Mensch, super Typ": S04-Coach Domenico Tedesco hat seinen Kapitän vorerst auf die Bank gesetzt. © imago

Einige Stunden vor dem ersten Spiel im neuen Kalenderjahr war die Meldung durchgesickert: Fährmann steht vorerst nicht mehr im Schalker Tor und wird durch Nübel ersetzt . Um Punkt 17 Uhr herrschte Gewissheit, denn in der von S04 verbreiteten Startaufstellung fehlte der Kapitän. Natürlich war das das Erste, worauf Coach Tedesco am "Sky"-Mikrofon angesprochen wurde: "Zunächst einmal ist es eine Entscheidung, die uns extrem schwergefallen ist - aus unterschiedlichsten Gründen", so der 33-Jährige.

Deswegen bleibe Fährmann aber "natürlich" Kapitän von S04. Tedesco nannte ihn einen "super Menschen, ein super Typ", der Königsblau "oft genug gerettet hat". "In den letzten Spielen waren aber einige Unsicherheiten dabei. In Summe hatten wir das Gefühl, dass der Kopf nicht frei ist", begründete Tedesco seine Entscheidung. Dies sei auch eine Erkenntnis der Hinrunde, die während der Winterpause "ein bisschen sacken" musste.

Sportvorstand Christian Heidel gestand, dass er "in dieser Woche zum ersten Mal mit Domenico darüber gesprochen" habe. "Die endgültige Entscheidung traf Domenico am Mittwoch, gestern hat er es 'Ralle' gesagt", so Heidel über den Ablauf. Sein Zusatz: "Ich trage diese Entscheidung zu 100 Prozent mit." Das heiße aber keineswegs, dass er gegen Fährmann sei. Heidel lobte zudem, dass "Domenico das sehr, sehr gut begründet hat".

"Emotionales Thema": Auch Stevens befragt

Über die Thematik habe Tedesco mit "dem Trainerteam, dem Vorstand, dem Aufsichtsrat oder auch Huub Stevens" gesprochen. Ein "emotionales Thema", über das "kontrovers diskutiert" wurde. Und Fährmann? Der Kapitän habe die Entscheidung "hochprofessionell" aufgenommen. Tedesco: "Eine halbe Stunde später hat er in der Mannschaftssitzung das Wort ergriffen und Impulse gegeben, so wie wir ihn kennen. Das brauchen wir auch."

"Die Nächte vor dem Gespräch mit 'Ralle' waren für mich alles andere als leicht."

Domenico Tedesco

Rettungstat: Alexander Nübel (l.) hält seine Mannschaft gegen Yannick Gerhardt im Spiel. © imago

Die Entscheidung war Tedesco keineswegs leicht gefallen, wie er nach Spielende noch einmal betonte. "Die Nächte vor der Entscheidung und dem Gespräch mit 'Ralle' waren für mich alles andere als leicht. Ich war erleichtert, dass er so professionell damit umgegangen ist." Den Wechsel im Tor wollte Tedesco keineswegs als Entscheidung gegen Fährmann verstanden wissen. "Alex hat es in seinen Einsätzen sehr gut gemacht, das ergab dann in der Summe die Entscheidung", erklärte der Trainer. "Alex hat unser Vertrauen - es ist aber nicht so, dass 'Ralle' unser Vertrauen nicht mehr hat."

Nübel rechtfertigt Vertrauen - Uth überrascht

Das Vertrauen in ihn zahlte Nübel beim Auftaktsieg gegen Wolfsburg zurück. Bereits nach fünf Minuten bewahrte der 22-Jährige seine Mannschaft bei einem Kopfball von Admir Mehmedi mit einem starken Reflex vor einem frühen Rückstand. Später rettete er im Eins-gegen-eins gegen Yannick Gerhardt (27.). Nübels Mitspieler waren vom Wechsel zwischen den Pfosten durchaus überrascht. "Mit einem Torwartwechsel rechnet man nicht jeden Tag, Alex hat jedoch überragend gehalten", gestand Mark Uth. "Für Ralf ist es natürlich eine schwierige Phase, aber wir holen ihn da wieder raus."

"Ich treffe meine Entscheidungen nicht, um die Mannschaft aufzurütteln, sondern es geht immer um die Sache selbst."

Domenico Tedesco

Tedesco betonte derweil, dass es ihm beim Wechsel im Tor einzig und allein um den sportlichen Aspekt gegangen sei. "Ich treffe meine Entscheidungen nicht, um die Mannschaft aufzurütteln, sondern es geht immer um die Sache selbst", erklärte der Trainer. "Das habe ich nicht nötig - vor allem nach der zweiten Geschichte. Ich habe ja schon eine kleine Historie hier auf Schalke mit schwierigen Entscheidungen", spielte Tedesco auf die früheren Publikumslieblinge Benedikt Höwedes und Naldo an, die er auf die Bank gesetzt und damit deren Abschied eingeleitet hatte. Mit der Degradierung von Fährmann hat Tedesco nun eine weitere bei vielen Fans unpopuläre Entscheidung getroffen, dennoch stellte er klar: "Masochist bin ich nicht."

msc/jly

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