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18.01.2019, 19:54

Nürnbergs Trainer schottet Team ab

Gruselige FCN-Vorbereitung? Köllner wundert sich

Nach einer Winter-Vorbereitung, die Beobachter als gruselig bezeichnen, will der 1. FC Nürnberg am Sonntag auf dem Platz die Stimmung drehen. Michael Köllner schottete das Team dafür ab - und kündigte ein Ende der Rotation an.

Michael Köllner
"Mit den Einheiten war ich sehr zufrieden": Michael Köllner.
© imagoZoomansicht

Es klingt nach einem Satz aus dem Stehsatz der Fußball-Floskeln, wenn Nürnbergs Trainer Michael Köllner vor der Heimaufgabe gegen Hertha BSC betont, dass "wir alle uns riesig auf den Sonntag freuen". Beim Tabellenletzten steckt mehr dahinter als die gewohnte Freude über das Ende der Vorbereitung und den ersehnten Beginn der Punktspielzeit.

Am Sonntag um 15.30 Uhr (LIVE! bei kicker.de) endet auch die den FCN-Verantwortlichen missfallende Debatte über eine von Resignation geprägte Stimmung, ausgelöst von der Güte der Vorbereitung. Nahezu alle außenstehenden Beobachter des Trainingslagers in Spanien, von den Medien bis hin zu den Fans, beurteilten die als gruselig. Wenig Feuer und Esprit auf dem Trainingsplatz, dazu zwei Tests, bei denen nicht nur das Ergebnis nicht passte, sondern vor allem das Wie, sprich die Spielweise, arg enttäuschte. Kurzum: Aufbruchsstimmung sieht anders aus, ganz anders. Der Club-Trainer wie auch Sportvorstand Andreas Bornemann indes wundern sich über die negative Sichtweise. "Die Tests waren sicher nicht das Gelbe vom Ei, aber die Vorbereitung besteht ja aus viel mehr. Mit den Einheiten war ich sehr zufrieden", entgegnet Köllner.

Abschottung: Köllner macht kurzfristig die Türen zu

Welche Sichtweise die richtige ist? Egal, die Vorbereitung interessiert spätestens am Sonntag gegen 17.30 keinen mehr - vor allem, wenn sich da die Serie von elf sieglosen Spielen nicht verlängert haben sollte. Dies wäre dann der Impuls, den der FCN nun so dringend braucht, wie Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Grethlein zwei Tage zuvor beim Neujahresempfang beim Hauptsponsor "Nürnberger Versicherung" betont hatte, um anzufügen, dass er darauf vertraue, dass er "von der Mannschaft kommt". Logisch, von wem auch sonst, zumal momentan noch keine Verstärkungen in Sicht sind. Und so helfen angesichts von elf Punkten und Rang 18 keine positiven Geschichtchen und Geschichten, kein noch so flammender Appell - aufm Platz zählt's und nur da, die alte, immer gültige Fußballweisheit.

Und deswegen hat der Club-Coach seiner Mannschaft in dieser Woche für seine Verhältnisse eine ungewöhnlich lange Abschottung verschrieben. Wurde zu Beginn der Woche via Vereinswebsite noch verkündet, dass das Training am Mittwoch und Donnerstag öffentlich sei, so hieß es dann doch "Türen zu".

Mathenia steht im Tor, Ewerton "mehr als eine Option für die Bank"

Der Grund des Umdenkens: Köllner wollte sich mit seinen Schützlingen in aller Ruhe und voll konzentriert auf die Hertha vorbereiten, dabei auch "Emotionen zulassen" und noch mal gezielt an den Abläufen feilen. Zum Beispiel an den Standards, die einstige, aber im vergangenen Halbjahr äußerst stumpf gewordene Waffe. Eine Maßnahme, die laut dem Trainer prima aufgegangen sei, die "Jungs haben sehr, sehr gut trainiert". Und zwar alle durchweg so gut, dass es laut Köllner sehr schwierig werde, ein Ticket für die Anfangself wie auch den 18er-Kader zu bekommen - sicher außen vor sind Robert Bauer und Kevin Goden, die beiden einzigen angeschlagenen Spieler.

Was auch sicher ist: Christian Mathenia, der wegen einer Knieverletzung die letzten fünf Spiele der Hinrunde verpasst hatte, wird das Tor hüten. In der Innverteidigung scheint die Rückkehr von Aufstiegsgaranten Ewerton bevorzustehen. Nachdem der FCN-Coach den Brasilianer nach dem ersten Testspiel gegen Zwolle (1:1) noch kritisiert hatte, bescheinigt er ihm nun mehr zu sein als "eine Option für die Bank". Klingt nach Startelf! Nun ja, Köllner lobt gerne und viel, deswegen muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass der 29-Jährige tatsächlich beginnt.

Zwei Trainingsgruppen nach Ende der Rotation? Köllner verneint

Apropos beginnen. Mit dem Start der Rückrunde soll laut dem Trainer die Rotation der Hinrunde, oftmals überflüssig und wenig zielführend, der Vergangenheit angehören. Mit einem kleineren, festeren Stamm wolle er nunmehr arbeiten, kündigte er unlängst an, nachdem er ins Trainingslager noch 30 Feldspieler mitgenommen hatte. Die Frage, ob es nun zum Beispiel zwei Trainingsgruppen geben wird, verneint er. "Wir werden keine zwei Gruppen bilden und auch keinen wegschicken. Es wird nur wesentlich schwieriger, in den 18er-Kader zu kommen."

Also, wer es am Sonntag in den Spieltagkader schafft, ist, unveränderte Trainingsleistungen vorausgesetzt, erst mal gesetzt, oder? Dies wäre laut Köllner aber der falsche Schluss, man würde weiterhin leicht aus dem 18er-Kader fliegen können.

Der einzige Stimmungsaufheller kommt vom Finanzvorstand

Keinen Interpretationsspielraum lässt im Vergleich dazu die Aussage von Finanzvorstand Niels Rossow zu. Der hatte beim Neujahresempfang die positivste Botschaft für den FCN seit Längerem parat: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass wir in Kürze ein positives Eigenkapital verkünden können. Der 1. FCN hat sich finanziell nahezu vollständig konsolidiert."

Ein überraschender wie beachtlicher Umstand, wenn man bedenkt, dass der Club vor gut drei Jahren stark insolvenzgefährdet war und die jüngste Bilanz zum Stichtag 30. Juni 2018 noch ein negatives Eigenkapital von 4,3 Millionen Euro auswies. So wichtig dies für die weitere Zukunft des FCN ist, so wenig erweitert dies aber im Hier und Jetzt den Spielraum des Sportvorstandes bei seiner Suche nach Verstärkungen. Oder, um es im Finanzdeutsch zu sagen: Die liquiden Mittel sind davon nicht betroffen, Bornemann stehen unverändert rund drei Millionen Euro zur Verfügung.

So gesehen sorgt Rossow inmitten der Debatte über die Stimmung zwar für einen Aufheller, für den großen Umschwung kann nur die Mannschaft sorgen. Und dies am besten gleich am Sonntag.

Chris Biechele

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