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26.11.2018, 10:22

Geheimes Treffen in Frankfurt

Zoff im "Airport Club": Wie werden die Vermarktungserlöse künftig verteilt?

Wie verteilt die Bundesliga ihre Milliarden aus der Vermarktung? Da gibt es Streit, neue Grüppchen - und die Trennung von Liga 2?

Axel Hellmann
Sein Vorschlag löste Debatten aus: Axel Hellmann.
© imagoZoomansicht

Vergangener Mittwoch, Airport Club Frankfurt - eine Location für möglichst geheim zu haltende Meetings. Auf Einladung von DFL-Vizepräsident Peter Peters treffen Vertreter von 13 Profiklubs bei der letzten von zehn Regionalkonferenzen zusammen. Es geht um die "Neuordnung der DFL-Gremienstruktur", die am 10. September im DFL-Präsidium präsentiert und einen Tag später an die 36 Vereine verschickt wurde. Mit dem Ziel, diese auf der DFL-Generalversammlung am 13. Dezember in Frankfurt am Main zu verabschieden.

Dazu wird es in diesem Jahr nicht mehr kommen, das steht bereits vor den Teilversammlungen der 2. Liga am 3. Dezember und der Bundesliga am 5. Dezember fest. Es hat Zoff gegeben im Airport Club. An besagtem Mittwoch präsentierte Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Frankfurt) ein von Klaus Filbry (Vorsitzender der Geschäftsführung bei Werder Bremen) entwickeltes Modell, das auch von Dr. Jan Lehmann (Kaufmännischer Vorstand Mainz 05) favorisiert und von weiteren Vereinen (FC Augsburg, Darmstadt 98, Hertha, 1.FC Köln, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart) unterstützt wird. Pikant: Filbry gehört dem DFL-Präsidium an, das vor elf Wochen das von Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball und den DFL-Vizepräsidenten Peters und Helmut Hack entworfene Reformpaket auf den Weg gebracht hat. Und Lehmann war von 2012 bis 2014 DFL-Direktor.

Streitthema: Fernsehgelder für Werksvereine

Hellmann und Filbry gehörten schon im Sommer 2016 dem sogenannten "Team Marktwert" an, das - erfolglos - für eine Umverteilung der Fernsehgelder stritt, unter anderen die sogenannten Werksvereine Leverkusen, Leipzig, Wolfsburg und Hoffenheim von den Vermarktungserlösen ganz oder zumindest teilweise ausschließen wollte. Das "Filbry-Modell" kam nun am Mittwoch erstmals auf den Tisch, ist den Teilnehmern der Frankfurter Tagung, unter ihnen Vertreter von Bayern München, Hoffenheim, Freiburg, Greuther Fürth und St. Pauli, bekannt; der Mehrheit der Profivereine ist es noch nicht zugestellt worden. Im Frankfurter Kreis fand das Modell keine Mehrheit.

Natürlich geht es auch diesmal in erster Linie um die Verteilung der Milliardenerlöse aus der audiovisuellen Vermarktung, schon lange vor Abschluss der neuen Verträge ab 2021, für die frühestens Ende 2019 die Ausschreibung erfolgen wird. Auf jeden Fall erst nach der Generalversammlung der Liga im August 2019, bei der Rauball nicht mehr für eine weitere Amtsperiode kandidieren wird und Peters als aussichtsreicher Thronnachfolger gilt. Unabhängig davon, in welcher Führungskonstruktion sich die Liga dann aufstellen wird.

Gremien: 1. und 2. Liga strikt getrennt?

Gestritten wurde am vergangenen Mittwoch schon über die Versammlungen der Bundesliga und der 2. Liga in der ersten Dezemberwoche. Auf Antrag von Lehmann sollen auf diesen Tagungen erstmals auch Vertreter der jeweils anderen Liga zugelassen werden. Der Vorstoß der Filbry-Gruppe sieht darüber hinaus vor, dass die Einführung von Teilversammlungen für die Bundesliga und die 2. Liga nicht zustande kommt. In Frankfurt ging dieser Antrag mit 7:6 Stimmen durch; dort konnte jedoch nicht für die komplette Liga entschieden werden. Sollte dieses Ergebnis auf einer Versammlung aller 36 Klubs bestätigt werden, wäre das der Abpfiff für den geplanten Grundsatz, dass keine Liga über die andere entscheiden darf.

Nach den Vorstellungen der Filbry-Gruppe soll der künftige Aufsichtsrat mit elf statt der geplanten sechs Personen besetzt werden, neben dem Vorstand und der DFL-Geschäftsführung auch mit Vertretern der Klubs. Grundsätzlich sollen alle Gremien aufgestockt werden. Man könnte das als Misstrauensvotum gegen die bisherige Praxis der Geldverteilung werten, für die bisher allein das DFL-Präsidium den Schlüssel festlegt.

Bayern und BVB haben sich noch nicht positioniert

Peters stellte in Frankfurt zur Diskussion, gegebenenfalls auf die geplante große Strukturreform zu verzichten, es beim Status quo mit einigen Modifizierungen zu belassen. Unter anderem mit der Berufung von externen Experten für das Lizenzierungsverfahren. Zumindest in diese Richtung kam man in Frankfurt auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Aber was bedeutet das schon, da hinter den Kulissen in diesen Tagen unverändert um Allianzen geworben wird? Und die Topvereine wie Bayern München und Borussia Dortmund haben sich noch nicht positioniert - ganz im Gegensatz zu früheren Streitigkeiten innerhalb der Liga.

Über dem ganzen Zoff schwebt wie ein Damoklesschwert ein Gutachten, das die Gründung eines eigenen Verbandes mit dem Namen "Deutsche Fußballmeisterschaft" als möglich und rechtens sieht. Es wäre das Ende einer gemeinsamen Liga, es würde die Trennung von Bundesliga und 2. Liga bedeuten. Die Bundesliga würde sich selbst vermarkten, ganz wie die Formel 1.

Rainer Franzke

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