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21.11.2018, 10:30

Hoffnung auf mehr beim 1. FC Nürnberg

Timothy Tillman - der hochbegabte Azubi

Als Timothy Tillman im Sommer zum 1. FC Nürnberg kam, wurde er nicht als normaler Azubi wahrgenommen - und sah sich selbst auch nicht so. In keinem seiner Statements fehlte der Begriff Bundesliga. Ambitionierte Worte und Ziele, denen der 19-Jährige auch gerecht wird - in gewissen Phasen und Szenen.

Timothy Tillman, 1. FC Nürnberg
Kam fünfmal in der Regionalliga zum Einsatz: Timothy Tillman.
© imagoZoomansicht

Es können einem aufstrebenden, jungen Fußballer garantiert schlechtere Dinge widerfahren, als mit Attributen wie Juwel oder Supertalent versehen zu werden. Wobei es auch hier sehr wohl eine dunkle Seite gibt. Siehe die Erwartungshaltung. Die schießt nämlich, auch die eigene, zwangsläufig in die Höhe. Und: Ruhige Entwicklung unterhalb des Öffentlichkeitsradars ist nicht - der Betreffende führt ein Fußballerleben unterm Brennglas. Siehe den Nürnberger Timothy Tillman, der im Sommer ein Ticket für den Profi-Kader des FCN ergattert hat. Auf dem Papier hat der Aufsteiger einen 19-jährigen Jugendspieler als hoffnungsvolles Ausbildungsprojekt verpflichtet. Nicht weniger, und doch in diesem Fall um einiges mehr, weil Tillman eben kein normaler Jugendspieler ist. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass man dem FC Bayern im Alter von 16 Jahren 500.000 Euro wert ist, oder dass gut ein Jahr später angeblich der FC Barcelona an einem rumbaggert und es eines Uli Hoeneß bedarf, um einen Umzug nach Katalonien zu verhindern.

Für den nächsten Schritt zurück in die Geburtsstadt

Ein Supertalent eben, dessen Dienste sich der Club gesichert hat - für ein Jahr auf Leihbasis, aber mit einer Kaufoption, die sich in einer "äußerst moderaten Höhe bewegt", wie Sportvorstand Andreas Bornemann betont. Dass zu diesem Konstrukt eine Rückkaufoption der Bayern gehört, darf nicht unerwähnt bleiben. Dieser Umstand beweist aber auch, wie viel Potenzial die Bayern in Tillman sehen.

Kein Wunder also, dass der 19-Jährige im Sommer nicht als Azubi wahrgenommen wurde, als er von der Isar zurück in seine Geburtsstadt kam. Und er selbst sah sich übrigens auch nicht als normaler Azubi. Der Offensivallrounder mit der Vorliebe für die Zentrale hinter dem Sturm sah nach einer Saison in der 4. Liga mit der U 23 des FC Bayern die Zeit reif für den oft zitierten nächsten Schritt. Und in keinem seiner Statements fehlte der Begriff Bundesliga.

Technik zum Zungeschnalzen

Timothy Tillman
Trafen beide gegen FK Usti nad Labem: Edgar Salli (l.) und Timothy Tillman.
© imagoZoomansicht

Ambitionierte Worte und Ziele, an denen er gemessen wird. Und denen er auch gerecht wird - in gewissen Phasen und Szenen. Am Samstag zum Beispiel beim 4:2-Testspielsieg über den ambitionierten tschechischen Zweitligisten FK Usti nad Labem. Wie er das erste Tor vorbereitete und das zweite selbst erzielte, zum Zungeschnalzen. Elegante Finten, hohes Tempo mit dem Ball am Fuß - einfach ein Hochbegabter. Wen er aber auch präsentierte: den Azubi, der mit dem körperbetonten Erwachsenenfußball so seine Probleme hat. Da wird er zu leicht weggeschoben, hier versemmelt er unkonzentriert einen einfachen Aufbaupass, dort arbeitet er zu zögerlich nach hinten mit. "Das Gefühl, wann er richtig anziehen muss, fehlt ihm noch", urteilt Trainer Michael Köllner, was für ihn aber völlig normal ist. "Wir haben einen Jugendspieler verpflichtet, den wir Stück für Stück heranführen." Ein Prozess, der voll im Gange sei und Geduld erfordere.

Eher Schönspielerei als Bundesliga-Gal­ligkeit

Nur, bringt Tillman selbst diese Geduld auch mit und auf? "Ja, das ist überhaupt kein Problem", betont Köllner, während die Körpersprache Tillmans dem Außenstehenden mitunter das Gegenteil vermittelt. Auf dem Trainingsplatz sind, was die Zweikampfführung anbelangt, im Vergleich zur Sommervorbereitung nur kleine Fortschritte zu erkennen - und auch seine fünf Auftritte in der U 21 waren eher die eines Schönspielers als die eines, der unbedingt in den Bundesligakader will. Zweimal wurde er bislang in diesen berufen, ohne eine Minute gespielt zu haben. Eine Bilanz, mit der die sportliche Leitung des Club gut leben kann, denn eine andere Rolle hat sie Tillman nicht zugeteilt. Zunächst, sei angefügt, denn die Hoffnung auf mehr war groß, auch wenn das offiziell keiner sagt. Wobei die Hoffnung auch unverändert vorhanden ist: ein galliges Zweikampfverhalten wie auch das temporeiche Arbeiten nach hinten sind erlernbare Dinge - anders als eine außergewöhnliche Technik.

Christian Biechele

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weitere Infos zu Tillman

Vorname:Timothy
Nachname:Tillman
Nation: Deutschland
Verein:1. FC Nürnberg
Geboren am:04.01.1999


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