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07.11.2018, 17:40

Nürnberger trifft erstmals auf Ex-Klub Stuttgart

VfB-Ambitionen? Leibold: "Schuss ging brutal nach hinten los"

Es ist eine Premiere der besonderen Art, die dem Nürnberger Linksverteidiger Tim Leibold ins Haus steht. Erstmals trifft er am Samstag in einem Pflichtspiel auf den VfB Stuttgart. Seinen VfB, sei angefügt.

Er streifte schon beide Trikots über: Nürnbergs Tim Leibold trifft erstmals auf den VfB.
Er streifte schon beide Trikots über: Nürnbergs Tim Leibold trifft erstmals auf den VfB.
© imago (2)Zoomansicht

Geboren und aufgewachsen im von Stuttgart rund 20 Kilometer entfernten Böblingen hat er als kleiner Knirps das Fußball-ABC beim VfB erlernt, zog dann im Alter von zwölf Jahren weiter, um als 19-Jähriger zurückzukehren. Einen Zweijahresvertrag erhielt er für die damals noch der 3. Liga angehörenden zweiten Mannschaft mit der Perspektive, sich einen Kaderplatz in der Ersten erspielen zu können. Auf Anhieb eroberte sich der dynamische, giftige Linksfuß in der Zweiten einen Stammplatz, trainierte des Öfteren auch beim "großen" VfB mit, doch den Sprung nach oben schaffte er beim FCN.

So gesehen bietet der Samstag für ihn persönlich vermeintlich die Chance, es der alten Heimat zu zeigen, was sie verpasst hat. Die schöne Geschichte mit dem verlorenen Sohn eben, der immer noch Kontakt mit dem einen oder anderen beim VfB pflegt, allen voran mit Kapitän Christian Gentner - dummerweise stimmt sie so nicht. "Als mein Vertrag 2015 beim VfB auslief, habe ich mich bewusst für den Club und den anderen Weg entschieden", sagt der 24-Jährige, um ein "zum Glück" nachzuschieben.

Beide Duelle im Unterhaus verpasst

Kann man so stehen lassen. Beim FCN hat er unter dem heute beim FC Luzern tätigen Trainer René Weiler die Stufe vom hoffnungsvollen Talent zum gesetzten Leistungsträger in der Vollmannschaft erklommen. Ein Weg, der nicht geradlinig verlief und eine Delle nach unten aufweist. In seiner zweiten Saison für die Franken durchlief er nämlich einen schmerzhaften Reifeprozess. Eine notwendige Leisten-OP in der Sommerpause verschob er zugunsten eines USA-Urlaubs, den Rückstand versuchte er dann im Hauruck-Verfahren aufzuholen und handelte sich dabei eine tückische Schambeinentzündung ein. So wurde die Spielzeit 2016/17 für ihn eine zum Vergessen, abzulesen auch am Umstand, dass er die letzten beiden Pflichtspiele der Franken gegen die Schwaben verpasste: In der 2. Liga beim 1:3 in Stuttgart wie beim 2:3 im Rückspiel musste Leibold gegen den damaligen Bundesliga-Absteiger verletzungsbedingt passen.

Vorbei, vergessen, Leibold ist aus dieser Lektion als Musterprofi herausgegangen, der auf seine Ernährung achtet und eine exzellente Fitness aufweist. Auch von seiner Persönlichkeit her ist er in den mittlerweile drei Jahren in Nürnberg gereift: Längst ist er auch neben dem Platz ganz wichtig für den FCN. Wenn ihn Sportvorstand Andreas Bornemann als "sympathischen, offenen Botschafter des Vereins" bezeichnet, ist dies wahrlich nicht übertrieben. So dürfte es nicht verwundern, wenn im Büro des Sportvorstandes im vergangenen Frühjahr ein Sektkorken knallte, als Leibold mit einer auch für Bornemann überraschenden Botschaft aufschlug. Der Außenbahnspezialist sagte Ja zum Club, verlängerte nach monatelangen Verhandlungen bis 2021 - obwohl er im Sommer ablösefrei zu dem einen oder anderen Bundesligisten hätte wechseln können und obwohl sich der Aufstieg zu jenem Zeitpunkt zwar anbahnte, aber noch längst keine Schleife darum war.

"Die individuelle Klasse der Gegner ist eine andere Hausnummer"

Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat - auch weil sich der FCN im Großen und Ganzen bislang in der Bundesliga richtig ordentlich aus der Affäre gezogen hat. Letzteres trifft übrigens auch für ihn persönlich zu, was wiederum nicht überrascht. Dass er selbst sich eine Etage höher würde behaupten können, daran hat keiner gezweifelt - im Verein nicht, im Umfeld nicht und auch nicht in Expertenkreisen. Dass er aber noch kein fertiger Erstliga-Spieler ist, versteht sich dennoch, kann auch nach nur neun Bundesliga-Einsätzen auch gar nicht sein.

"Die individuelle Klasse der Gegner ist eine andere Hausnummer, in der 2. Liga konntest du dir schon mal einen Fehler erlauben, in der Bundesliga nicht, da wird dieser in der Regel prompt bestraft", sagt er, der selbst sein Zweikampfverhalten als mitunter noch "zu naiv und grün" bezeichnet. Wie am vergangenen Wochenende in Augsburg, als er sich von Jonathan Schmid düpieren ließ und dieser dann zum 1:0 für den FCA auflegen konnte. Dass Leibold sich in der Pause kurz schüttelte, in der zweiten Hälfte dann hinten nichts mehr anbrennen ließ und zugleich vorne anschob, ist typisch für ihn wie auch den FCN. Aufgeben, aufstecken? Nichts da, alles nur dies nicht. Dank dieser Eigenschaft gehen der FCN und er mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung ins süddeutsche Duell und befinden sich somit in einer vergleichsweise komfortablen Situation. "Der VfB steht mit dem Rücken zur Wand", sagt Leibold, der seinen Heimatklub genau verfolgt: "In dieser Saison dachte man, dass man den nächsten Schritt machen und sich vorne platzieren kann. Der Schuss ging brutal nach hinten los."

VfB schlagen? "Der Schlüssel wird sein, dass hinten die Null steht"

Wie es klappen kann, dass die Schwaben im Max-Morlock-Stadion den Schuss nicht hören, davon hat Leibold eine genaue Vorstellung. Und zwar mit einer konzentrierten Leistung gerade in der Defensive von der ersten bis zur letzten Minute. "Zuletzt hatten wir immer nur gute Phasen. Es wird Zeit, dass wir die auf 90 Minuten ausweiten", fordert er - auch von sich selbst. "Der Schlüssel wird sein, dass hinten die Null steht. Wir werden nicht immer zwei Tore schießen können", meint er. Für die besagte Null will er seinen permanenten Vorwärtsdrang zügeln. "Ich bin in erster Linie Verteidiger. In der Bundesliga heißt es für mich, auf zwei, drei Ausflüge zu verzichten."

Die würden sich auch mit mir freuen.Tim Leibold über Familie und Freunde aus dem Schwabenland

Apropos Ausflug. Aus dem Schwabenland wird sich ein kleiner Tross seinetwegen auf den Weg nach Nürnberg machen. Über 50 Karten hatte er für Familie und Freundeskreis zu besorgen, der Besuch des für ihn "besonders reizvollen Spiels" ist für sie selbstredend Pflicht. Und sie werden ihm, obwohl ursprünglich alle VfB-Fans, die Daumen drücken. "Bei ihnen schlagen längst zwei Seelen in einer Brust. Die würden sich auch mit mir freuen", sagt Leibold in der Hoffnung, dass aus dem Konjunktiv Realität wird.

Christian Biechele

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weitere Infos zu Leibold

Vorname:Tim
Nachname:Leibold
Nation: Deutschland
Verein:1. FC Nürnberg
Geboren am:30.11.1993

Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Borussia Dortmund33:1227
 
2Bor. Mönchengladbach26:1323
 
3RB Leipzig22:922
 
4Eintracht Frankfurt26:1320
 
5Bayern München20:1420
 
6TSG Hoffenheim24:1519
 
7Werder Bremen19:1917
 
8Hertha BSC16:1716
 
91. FSV Mainz 0510:1215
 
10FC Augsburg19:1813
 
11SC Freiburg15:1913
 
12VfL Wolfsburg15:1712
 
13Bayer 04 Leverkusen16:2411
 
14FC Schalke 048:1510
 
151. FC Nürnberg11:2410
 
16Hannover 9614:229
 
17Fortuna Düsseldorf10:258
 
18VfB Stuttgart8:248

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