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28.09.2018, 17:43

Petrak und Ishak vor Startelfrückkehr

Nach dem 0:7: Köllners außergewöhnlicher Umgang

Wenn ein Trainer sagt, dass er Niederlagen hasst, so ist dies nichts Außergewöhnliches; hat etwas von auf Regen folgt Sonnenschein. Wie FCN-Coach Michael Köllner aber mit besagten verhassten Erlebnissen, wie dem jüngsten 0:7 in Dortmund, umgeht, ist außergewöhnlich.

Michael Köllner
Geht selbstkritisch mit Rückschlägen um: FCN-Coach Michael Köllner.
© imagoZoomansicht

"Ich gebe mir dann die volle Breitseite und lese dann alles, auch das, was in den sozialen Medien so geschrieben wird," verriet Michael Köllner bei einem Redaktionsbesuch in der kicker-Zentrale in Nürnberg vor wenigen Wochen. So gesehen dürfte das ohnehin schon schmerzhafte 0:7 in Dortmund noch einen Tick mehr wehgetan haben. In diversen Foren nämlich ist die Schuldfrage der heftigen Pleite geklärt - die Taktik war's. Bei der Borussia griff Köllner nicht aufs Standardsystem 4-1-4-1 zurück, sondern ließ in einem 3-5-2 agieren.

Dies wiederum habe der Mannschaft die Sicherheit und jedweden Mut geraubt, lautet der Vorwurf an die Adresse des FCN-Coachs, der im Vorfeld der Partie in der einen oder anderen Publikation ob seiner taktischen Finessen noch gefeiert wurde. Normales Trainerschicksal eben, gestern King, heute Depp - und umgekehrt. Nur, stimmt der Vorwurf? "Ich würde noch mal so entscheiden. Der Plan ist ja nicht dem Zufall entsprungen, wir haben uns im Trainerstab viele Stunden lang den Kopf zerbrochen. Es gehört zum Fußball, dass nicht jeder Plan aufgeht", so Köllner.

Und besagter Plan ergab ja auch Sinn. Da die Dortmunder zuvor mit massierten Deckungsreihen so ihre Probleme hatten, wollte Köllner genau dafür sorgen. Mit einer Abwehrdreierkette, die beim, um es im Fußball-Neudeutsch auszudrücken, Spiel gegen den Ball zu einer Sechser- oder gar Siebener-Reihe mutiert und so dem Gegner den Nerv raubt - um dann mit fortlaufender Spieldauer forscher aufzurücken und in die sich bietenden Räume zu stoßen.

Und fertig ist die 0:7-Packung

Durch das frühe Gegentor in der 9. Minute jedoch war alle Theorie nicht nur grau, sondern aus dem Blickwinkel des FCN pechschwarz. Mit der Führung im Rücken schaffte es die Borussia, ihr hohes Tempo und ihre enorme Qualität zum ersten Mal in dieser Saison durchgängig vehement auf den Platz zu bekommen, begünstigt durch den ob der Wucht zaghaften und verschüchterten Aufsteiger, bei dem an jenem Tag wenig bis gar nichts ging - und fertig war die 0:7-Packung.

Der Vorwurf, den sich Köllner machen muss - und auch macht: Er hätte versuchen müssen, nach dem 0:3 in der 49. Minute seiner Elf das naive Mitspielen zu verbieten und ihr eine destruktive Schadensbegrenzung zu verordnen. Vielleicht wäre es dann nicht zu dem Gegentorhagel gekommen, der nicht nur schlimm aussieht, sondern sich in der Tordifferenz am Ende auch böse auswirken könnte.

"Ich nehme mich bei der Kritik nicht aus, denn wir alle, die Mannschaft wie der Trainerstab, haben das Spiel verloren. Nach dem 0:3 hätten wir versuchen müssen, die Schotten dicht zu machen. Wäre uns dies dann gelungen, würde heute keiner mehr groß über die Partie reden. Diese Variante müssen wir in Zukunft in unsere Trainingsarbeit hin und wieder mehr einbauen", gibt er sich selbstkritisch.

Für Samstag drängt sich eine andere Frage auf

Ondrej Petrak
Gegen Düsseldorf wird er wieder auf der Sechs erwartet: Ondrej Petrak.
© imagoZoomansicht

Für den Samstag indes drängt sich eine ganze andere Frage auf. Ob und wie sehr steckt dem Club gegen Mit-Aufsteiger Düsseldorf jenes 0:7 noch in den Klamotten? Für Köllner stellt sich diese Frage nicht, er macht sich um die Psyche seiner Elf keine Sorgen: "Ich habe in den vergangenen Tagen hier keine Mannschaft vorgefunden, die die Köpfe hängen lässt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Auf ihren Charakter ist Verlass, das 0:7 lässt sie noch enger zusammenrücken." Zumal laut dem Fußballlehrer saisonal betrachtet nichts passiert ist. Vier gute Spiele und ein richtig schlechtes lautet eine Zwischenbilanz, die einen eher bestärken als verstören müsste.

Dass gegen die Rheinländer eine andere Mannschaft auflaufen wird, steht dennoch fest - taktisch wie personell wird Köllner etwas ändern. Zurück zum 4-1-4-1 lautet gegen die Fortuna wohl die Devise, Ondrej Petrak, der gegen Dortmund mit einem steifen Nacken kurzfristig passen musste, wird auf die Sechs zurückkehren, und Mikael Ishak wieder von Beginn an seinen Platz in der Sturmmitte einnehmen. Köllner mag dies nicht bestätigen - im Gegensatz zu dem Umstand, dass er die Fortuna für einen gefährlichen wie unangenehmen Gegner hält.

Fürwahr, vor allem dessen erste starke Hälfte zuletzt beim unglücklichen 0:2 gegen Leverkusen sollte Warnung genug sein. Nicht zu vergessen, dass die jüngsten zwei Heimspiele gegen die Rheinländer jeweils mit 2:3 endeten. Gerade dieser Samstag wäre doch eine prima Gelegenheit, um Revanche zu nehmen. Würde der Club punkten, wäre es trotz des 0:7 gemessen an seinen Voraussetzungen eine englische Woche gewesen, mit der es sich leben lässt.

Tabellenrechner 1.Bundesliga

Kerk ist noch keine Option

Noch keine Option gegen die Fortuna ist Sebastian Kerk, der mit Adam Zrelak am Samstag in der U 21 im Regionalliga-Derby gegen Fürths U 23 zum Einsatz kommen wird. Der 24-jährige offensive Flügelspieler, der sich vor gut einem Jahr die Achillessehne riss, hat zuletzt das komplette Trainingsprogramm problemlos absolvieren können.

Sehr zur Freude seines Trainers: "Dass uns ein Kerk in Bestform gut zu Gesicht stehen würde, darüber brauchen wir nicht zu reden." Mit Ewerton könnte Köllner demnächst ein weiterer Leistungsträger wieder zur Verfügung stehen: Der Innenverteidiger, der sich im Trainingslager die Syndesmose im Sprunggelenk angerissen hat, steigt am Montag ins normale Mannschaftstraining ein.

Christian Biechele

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kicker.tv Hintergrund- 28.09., 16:31 Uhr
"Auf Augenhöhe" - Das Duell der Aufsteiger
Mit 0:7 ging der Club in der englischen Woche beim BVB unter. Der einzige Ausrutscher in einem gelungenen Saisonstart für Michael Köllner und den 1. FC Nürnberg. Auch Friedhelm Funkel ist mit den Leistungen seiner Fortuna bisher rundum zufrieden und erwartet deshalb ein "Spiel auf Augenhöhe".
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weitere Infos zu Köllner

Vorname:Michael
Nachname:Köllner
Nation: Deutschland
Verein:1. FC Nürnberg


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