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21.09.2018, 17:01

Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement

Asamoah: "Ein Kind wieder lachen zu sehen - das Schönste auf der Welt"

Wer an Gerald Asamoah denkt, der denkt an Fußball. An die WM-Turniere 2002 und 2006, an glorreiche Zeiten mit Schalke 04, an den Publikumsliebling. Doch der 39-Jährige ist weit mehr als "nur" ehemaliger Profifußballer. Mit seiner Stiftung hilft er herzkranken Kindern und tritt entschieden gegen Rassismus ein. Am Freitag wurde Asamoah für sein außergewöhnliches Engagement mit dem Karl Kübel Preis ausgezeichnet.

Gerald Asamoah
Mit dem Karl Kübel Preis 2018 ausgezeichnet: Gerald Asamoah.
© imagoZoomansicht

In dem Augenblick, als Asamoah den mit 25.000 Euro dotierten Preis der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie empfängt, wird es emotional. Seine Eltern wären stolz auf ihn, sagt er und bricht in Tränen aus. Aufgewachsen in Ghana bei seiner Großmutter, hat Asamoah schon als kleines Kind den Traumberuf Profifußballer fest vor Augen. Fußballschuhe gibt es nicht, gespielt wird barfuß auf der Straße. Als Asamoah mit 12 Jahren nach Deutschland kommt, eröffnet sich ihm eine neue Welt. Ein fremdes Land, eine völlig andere Kultur, dazu die unbekannte Sprache.

Aus Ghana über Hannover zu S04

Seine fußballerische Laufbahn beginnt bei Werder Hannover, von dort aus schafft er den Sprung zu Hannover 96. Mit 20 Jahren bricht der bullige Angreifer plötzlich auf dem Spielfeld zusammen. Herzfehler lautet die Diagnose. Fortan steht bei jedem seiner Einsätze ein Defibrillator am Spielfeldrand. Doch Asamoah gibt nicht auf, schließt sich 1999 dem FC Schalke an und wird zur Legende.

Heute arbeitet der kicker-Kolumnist als Teammanager der Schalker U 23 und leitet die Gerald Asamoah Stiftung für herzkranke Kinder. Vor der offiziellen Preisverleihung nahm er sich Zeit für ein Gespräch mit dem kicker.


Der Gewinner des Karl Kübel Preises 2018 über...

... die Bedeutung der Auszeichnung: "Das bedeutet mir sehr viel. Ich habe viel Herzblut in die Stiftung gesteckt. Der Preis ist eine Anerkennung dafür, dass die Leute diese Arbeit wahrnehmen. Als der Herzfehler bei mir 1998 festgestellt wurde und ich dann trotzdem wieder auf dem Platz stehen durfte, habe ich entschieden, dass ich irgendwann etwas zurückgeben werde."

... die Idee, eine Stiftung zu gründen: "Anfangs dachte ich mir, ich spende einfach mal ein bisschen Geld. Doch so leicht ist das nicht. Vor zehn Jahren habe ich mich dann mit Freunden zusammengesetzt und wir haben beschlossen, eine Stiftung zu gründen. Bis dahin wusste ich nicht einmal, was eine Stiftung ist (lacht). Heute ist es für mich das Schönste auf der Welt, wenn ich am Krankenbett sitze, und ein Kind nach der Operation wieder lachen sehe. Das motiviert mich und deshalb stehe ich voll dahinter, weiter zu machen."

... einen besonders bewegenden Moment: "Das erste Kind, das mit unserer Unterstützung operiert wurde, werde ich nie vergessen. Die kleine Hanna kam mit einem schweren Herzfehler aus Ghana zur Operation nach Hannover. Nachdem sie operiert wurde, habe ich sie im Krankenhaus besucht. Dieses Lachen, mit dem sie mich empfangen hat, bewegt mich bis heute. Das werde ich nie vergessen."

... das Kunststück, trotz eines Herzfehlers Profi zu werden: "Ich bin sehr positiv mit der Situation umgegangen, sonst hätte ich es nie geschafft. Ich bin der Typ, der nach vorne schaut. Klar war es am Anfang sehr schwierig für mich, auch für meine Mitmenschen. Das Risiko, dass mir etwas passiert, war immer gegeben."

... herzkranke Kinder mit dem Ziel Profifußballer: "Es ist sehr schwierig. Ich wusste bei mir, dass das Risiko unter einem Prozent liegt. Es ist abhängig davon, was der Arzt dem Kind sagt. Als der Herzfehler bei mir erkannt wurde, war ich schon Profi und wurde großartig unterstützt. Aber wenn ein Arzt einem Kind sagt, das Risiko ist zu hoch, muss man das akzeptieren. Dann muss man die Kinder erst recht motivieren und ihnen sagen, dass sie beispielsweise Trainer werden können."

... sein Engagement im Kampf gegen Rassismus: "Ich habe in meiner Karriere sehr viele negative Dinge erlebt, aber mich nie unterkriegen lassen. Für mich ist es wichtig, dagegen zu halten, weil ich keine Lust habe, dass meine Kinder dasselbe durchmachen müssen wie ich. Wir leben in einer Welt, in der alle denken, es ist alles schön. Aber es ist nicht alles schön. Wenn wir heute in 2018 noch über Rassismus reden, dann haben wir ein riesiges Problem. Deswegen werde ich immer alles dafür tun, dass unsere Kinder denken: Wir sind alle gleich."

... den Fehlstart des FC Schalke: "Wichtig war, dass wir gegen Porto nicht verloren haben. Klar haben wir uns den Start anders vorgestellt. Aber wir auf Schalke sind alle davon überzeugt, dass wir einen guten Kader und einen Trainer haben, der letztes Jahr gezeigt hat, wie gut er ist. Wir schauen nach vorne."

Aufgezeichnet von Maximilian Müller

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© picture alliance (3), imago (1)

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weitere Infos zu Asamoah

Vorname:Gerald
Nachname:Asamoah
Nation: Deutschland
Verein:FC Schalke 04
Geboren am:03.10.1978


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