Frankfurt: Von der Startelf auf die Tribüne

Hasebe: "Natürlich bin ich nicht zufrieden"

Bundesliga - 10.09. 16:51

Nachdem er am 1. Spieltag in Freiburg wegen einer Erkältung gefehlt hatte, saß Makoto Hasebe gegen Werder Bremen überraschend nur auf der Tribüne. Mit taktischen Gründen allein - Frankfurts Trainer Adi Hütter stellte nach dem Pokalaus von der Dreier-/Fünferkette auf ein 4-2-3-1 um - ist das nicht zu erklären. "Natürlich bin ich nicht zufrieden mit meiner Situation", sagte Hasebe nach dem Training am Montag.

"Der Trainer hat viel mit mir gesprochen, wir haben kein Problem": Frankfurts Makoto Hasebe. © imago

Beim Supercup gegen den FC Bayern und beim Pokalspiel in Ulm hatte Hasebe noch in der ersten Elf gestanden. In diesen Partien setzte Hütter wie meist auch sein Vorgänger Niko Kovac auf eine Formation mit einer Dreier-/Fünferkette in der Abwehr. Bei dieser Ausrichtung ist der abgeklärte Japaner prädestiniert für die Rolle als zentrales Glied in der Verteidigung. Als klassischer Innenverteidiger im 4-2-3-1 eignet er sich dagegen allein schon wegen seiner Körpergröße von 1,80 Metern eher nicht. Lässt Hütter mit Viererkette spielen, haben David Abraham, Evan Ndicka und Backup Marco Russ die Nase vorne.

Dennoch kam es überraschend, dass der 34-Jährige gegen Bremen nicht mal im Kader stand; schließlich ist er von Haus aus ein Mittelfeldspieler. Hütter vertraute auf der Doppelsechs jedoch wie schon in Freiburg Gelson Fernandes und Lucas Torro, als Alternative fürs Mittelfeld saß Jonathan de Guzman auf der Bank. "Natürlich bin ich nicht zufrieden mit meiner Situation", sagt Hasebe, betont aber: "Der Trainer hat viel mit mir gesprochen, wir haben kein Problem." Nichtsdestotrotz ist die Reservistenrolle in Frankfurt neu für ihn. "In vier Jahren bei der Eintracht habe ich fast immer in der Stammelf gespielt", konstatiert der Routinier. Zuvor in Wolfsburg, erinnert er sich, habe er allerdings sogar mal "vier Monate auf der Tribüne gesessen".

Hasebe: "Erstmals seit zwölf Jahren habe ich keine Reise"

Hasebe gilt seit jeher als Musterprofi, entsprechend professionell geht er mit der Situation um. "Ich muss immer bereit sein", betont der gelernte Mittelfeldspieler. Er will weiter hart arbeiten und seine Chance nutzen, sobald sie kommt. Hütter hätte ihm mitgeteilt, dass er noch nicht topfit sei - wegen seines dreiwöchigen Sonderurlaubs nach der WM-Teilnahme stieg Hasebe erst später in die Vorbereitung ein. Der Spieler selbst hat indes den Eindruck, wieder bei 100 Prozent zu sein. In schlechter Verfassung kann er auch nicht gewesen sein, andernfalls hätte ihn der Trainer gegen Bayern und Ulm nicht aufgeboten. In diesem Zusammenhang ist es sicher hilfreich, dass Hasebe nach der WM aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist und in diesen Tagen nicht um die halbe Welt jetten muss: "Erstmals seit zwölf Jahren habe ich keine Reise." Das freie Wochenende nutzte er zur Erholung und Zeit mit seiner Familie.

Womöglich werden Hasebes Dienste schon am Freitag in Dortmund wieder gefragt sein. Hütter deutete nach dem letzten Spiel zwar an, an der Viererkette festhalten zu wollen, gegen den offensivstarken BVB könnte ein zusätzlicher Mann in der Abwehr der Mannschaft aber noch mehr Sicherheit verleihen. Mit Blick auf den nächsten Gegner spricht Hasebe von einer "schweren Aufgabe", allerdings funktioniere bei der Borussia nach dem Trainerwechsel und den Kaderveränderungen noch nicht alles zu 100 Prozent. Deshalb sei "alles möglich", meint er. Zuversichtlich stimmt ihn auch die jüngste Entwicklung: "Im Supercup und im Pokal hatten wir keine Leidenschaft und sind nicht so viel gelaufen. In den zwei Bundesligaspielen haben wir dann aber richtig gute Fortschritte gemacht, wir werden noch viel besser spielen."

Julian Franzke

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