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23.07.2018, 22:58

Die drei Mainzer Kapitäne im großen Interview

Bell: "Es war nicht klar, was unsere Identität sein soll"

Die abgelaufene Saison war keine einfache für den 1. FSV Mainz 05. Letztlich aber jubelten die Nullfünfer dank eines fulminanten Endspurts wieder zusammen. Was der Verein aus der vergangenen Spielzeit gelernt hat, welche Dinge sich geändert haben und welchen Einfluss Führungsspieler in kritischen wie in guten Phasen nehmen können - das erzählen die drei Mainzer Kapitäne Niko Bungert, Stefan Bell und Daniel Brosinski im großen kicker-Interview.

Stefan Bell
Sieht einen Unterschied zur Vorbereitung 2017/18: Stefan Bell.
© imagoZoomansicht

kicker: Woran hat es im vergangenen Jahr gelegen, dass Mainz 05 lange Zeit nicht das Mainz 05 war, das Fußballdeutschland kennt, Herr Bungert?
Bungert: Wir haben uns schwergetan, zu unserem Spiel zu finden. Anfangs stimmten die Ergebnisse nicht, das wollten wir dann fußballerisch lösen. In diese Spielidee haben wir uns alle etwas zu sehr reingebissen und dabei leider etwas den typischen Mainz-05-Fußball aus den Augen verloren. Gerade rechtzeitig konnten wir noch das Ruder rumreißen. Wir haben daraus gelernt.

kicker: Herr Brosinski, Sie haben oft öffentlich gemahnt und gewarnt. Doch es schien häufig zu verpuffen.
Brosinski: Das Problem ist: Wenn man viel redet, aber nichts tut, dann kann es nicht gutgehen. Wir haben teilweise nicht schlecht gespielt, aber wir haben viele Spiele unnötig hergeschenkt. Gerade, wenn ich an die beiden Spiele gegen Hannover oder das Heimspiel gegen Hoffenheim denke. (0:1 trotz Überlegenheit und zwei 2:3-Niederlagen nach 2:0-Führung; Anm. der Redaktion). Wir haben die Tugenden, die uns prinzipiell auszeichnen, leider zeitweise vergessen.

kicker: Sie, Herr Bell, wollen und sollen auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Welchen Einfluss haben Sie, wenn Sie merken, es läuft nicht?
Bell: Das fängt schon viel früher an, häufig während der Trainingswoche, wo dann nicht genug Zug drin ist. Irgendwann ist es wie eine Negativspirale, in die man reinrutscht, und es ist schwer, da wieder rauszukommen. Bei aller berechtigten Kritik muss man trotzdem sagen: Wir sind schon am 33. Spieltag in der Klasse geblieben und haben unser Ziel erreicht. Der Weg dahin kann gerne konstanter sein, klar, aber am Ende haben wir es mit zwei unerwarteten Siegen gebogen.

Wir kamen in die Saison rein, ohne dass wirklich klar war, was unsere Identität sein soll.Stefan Bell

Im Gespräch: Die Mainzer Niko Bungert, Stefan Bell und Daniel Brosinski reden mit kicker-Redakteur Georg Holzner (v.l.).
Im Gespräch: Die Mainzer Niko Bungert, Stefan Bell und Daniel Brosinski reden mit kicker-Redakteur Georg Holzner (v.l.).
© imagoZoomansicht

kicker: Der Klassenerhalt ist ohne Frage ein Erfolg. Allerdings war von dem Mainz 05, das Sie alle kennen und auch von sich erwarten, teilweise wenig übrig.
Bell: Das stimmt schon. Wir wollten etwas mehr Fußballspielen als zuvor, da besteht die Gefahr, dass man die Basis verliert. Wir hatten Neuzugänge, die diese Basis nicht kennen konnten. Vielleicht haben wir es vernachlässigt, ihnen die Mainzer Philosophie einzuhauchen, all das, was uns normalerweise auszeichnet. Wir kamen in die Saison rein, ohne dass wirklich klar war, was unsere Identität sein soll. Das haben wir nachgeholt. Wenn man sich die aktuelle Vorbereitung anschaut, sieht man schon einen riesigen Unterschied, die Inhalte sind andere als im vorigen Jahr.

kicker: Neben dem Kampf um den Klassenerhalt hatte der Verein auch mit anderen Themen zu kämpfen. Ob die Unruhen in der Führungsetage oder der zwischenzeitliche Zwist mit den Fans. Wer von Ihnen übernimmt welche Rolle? Wer spricht in der Kabine? Wer kümmert sich außerhalb um das Klima?
Bungert: Das kann man nicht schwarz-weiß darstellen, nicht pauschal sagen. Bei Mainz 05 gibt es einen Kern von Spielern, die Verantwortung übernehmen, die ihre Augen und Ohren offenhaben für Probleme. Ohne ins Detail zu gehen: Wir haben an allen Baustellen gewerkelt.

kicker: Suchen Sie Einzelgespräche?
Bungert: Auf jeden Fall. Einzelgespräche, Gruppengespräche, viele Unterhaltungen mit dem Trainer. Das ist ganz normal.

kicker: Sie, Herr Brosinski, kümmern sich häufig um die Integration neuer Spieler.
Brosinski: Ich habe mir das nicht als Ziel gesetzt, dass ich es jedes Jahr machen muss. Ich bin da ein offener Typ und gehe gerne auf die anderen zu, wenn ich sehe, dass sie Startschwierigkeiten haben. Das soll nicht heißen: Wenn der Neue kommt, schnappe ich ihn mir. Für mich ist wichtig, dass sich Neuzugänge wohlfühlen; dass sie nicht erst nach zwei, drei Monaten aus sich rauskommen. Das wäre verlorene Zeit. Wenn man sich von Anfang an wohlfühlt, kann man sicherlich besser arbeiten.

Die Neuzugänge sollen nicht dasselbe Gefühl haben, wie ich es damals hatte.Daniel Brosinski

Interview: Georg Holzner

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weitere Infos zu Bungert

Vorname:Niko
Nachname:Bungert
Nation: Deutschland
Verein:1. FSV Mainz 05
Geboren am:24.10.1986

weitere Infos zu Bell

Vorname:Stefan
Nachname:Bell
Nation: Deutschland
Verein:1. FSV Mainz 05
Geboren am:24.08.1991

weitere Infos zu Brosinski

Vorname:Daniel
Nachname:Brosinski
Nation: Deutschland
Verein:1. FSV Mainz 05
Geboren am:17.07.1988

Wechselbörse - 1. FSV Mainz 05

NameZ/APositionDatum
Barreiro, LeandroMittelfeld04.11.2018
 
Gürleyen, AhmetAbwehr11.10.2018
 
Abass, IssahSturm31.08.2018
 
Halimi, BesarMittelfeld30.08.2018
 
De Blasis, PabloMittelfeld30.08.2018

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