Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
15.04.2018, 09:55

Dortmund vor dem Derby auf Schalke

Stöger hat nur eine Mission - egal wie

Bieder, langweilig, uninspiriert: Der Fußball von Borussia Dortmund wird in diesen Tagen mit wenig schmeichelhaften Adjektiven beschrieben. Kalt lässt das Peter Stöger nicht, dennoch hält der Österreicher auch vor seinem ersten Revierderby als BVB-Trainer an seiner Linie fest. Der 52-Jährige wird in Dortmund nicht für Entwickeln bezahlt, sondern fürs Punkten. Und was das angeht, ist sein Team vor dem Spiel beim FC Schalke 04 trotz zwischenzeitlicher Rückschläge voll auf Kurs.

Peter Stöger
"Ich bin so wie ich bin": Peter Stöger lässt sich nicht verbiegen.
© imagoZoomansicht

Bergamo, zweimal Salzburg, München: Die Liste der bedeutenden Spiele, in den der BVB zuletzt enttäuschte, ist durchaus beachtlich. Am Sonntag nun steht die nächste wichtige Partie an: In Gelsenkirchen treffen die Schwarz-Gelben auf den Reviernachbarn und -rivalen S04. Winkt die nächste Enttäuschung? Oder bestätigt der BVB den Aufwärtstrend aus der zweiten Hälfte beim 3:0-Sieg über den VfB Stuttgart am vergangenen Sonntag? Nicht nur die Fans der Borussia stellen sich diese Frage, auch die Verantwortlichen und Spieler des BVB dürften sich damit beschäftigen.

Da trifft es sich eigentlich ganz gut, dass in Peter Stöger derzeit ein Trainer in der Verantwortung steht, der auch in schwierigen Situationen eine fast schon stoische Ruhe ausstrahlt. Von einer emotionalen Überhöhung der Partie am Sonntag hält der Österreicher ebenso wenig wie von der Überdramatisierung des 4:4 im Hinspiel, das er noch als Trainer des 1. FC Köln aus der Entfernung verfolgte. Er weiß um die Fragilität seiner Mannschaft, die in dieser Saison viel zu häufig schon gepatzt hat, wenn es drauf ankam, und versucht vor allem eines vorzuleben: unaufgeregte Normalität.

Stöger seine Sache konsequent durch

Dass das in einer fußballverrückten Stadt wie Dortmund ähnlich schwierig ist wie auf seiner vorherigen Station in Köln, ist Stöger in diesen Tagen nicht entgangen. Ob am Dienstag beim öffentlichen Training oder auf der Straße - überall sieht sich der 52-Jährige in diesen Tagen mit guten Tipps konfrontiert. "Ich bekomme sehr, sehr viele gute Ratschläge, wie es gegen Schalke funktionieren könnte", berichtet er, ohne darauf einzugehen, ob er auch gedenke, einen davon in die Tat umzusetzen.

Zu erwarten ist das nicht, denn bislang zieht Stöger seine Sache konsequent durch. Die Kritik an der vermeintlich unschönen Spielweise seiner Elf trifft ihn zwar, doch das hält ihn nicht davon ab, seinen Stabilitäts-Kurs beizubehalten. Und seine Bilanz kann sich ja auch sehen lassen: Mit Ausnahme der herben 0:6-Klatsche in München ist der BVB unter Stöger in der Bundesliga noch ungeschlagen. Der Vorsprung auf Platz fünf beträgt fünf Punkte. Die Champions-League-Qualifikation ist in Reichweite, selbst die Vize-Meisterschaft ist bei einem Sieg im Derby im Bereich des Möglichen. Wer hätte das schon damals gedacht, als der Österreicher Mitte Dezember ein zutiefst verunsichertes Dortmunder Ensemble übernahm?

Stöger: "Wir haben ein einziges Ziel"

"Wir haben uns klar darauf verständigt, dass wir ein einziges Ziel haben", bekräftigt Stöger im Vorfeld des Derbys, "und das ist die Champions League. Das ist der einzige Zugang, den wir haben." Was er nicht direkt sagt: Wie der BVB den Weg dorthin bestreitet, ist dem 52-Jährigen einigermaßen egal. Am Ende zählt nur, ob die Punktzahl stimmt. In dieser Logik ist das Derby auch nur ein Spiel, in dem es drei Punkte zu holen gibt. Ähnlich wie die Paarung in München, die in Stögers internem Punkteplan ohnehin keine Rolle spielte. Es wären Bonuszähler gewesen, wenn der BVB dort etwas geholt hätte. Dass die Niederlage letztlich extrem deutlich ausfiel, führte bei Stöger daher lediglich zu erhöhtem Redebedarf, nicht aber zu erhöhter Aufregung.

Diese streng rationale Vorgehensweise mag nicht sonderlich populär sein in einer Stadt, die so vom Fußball lebt wie Dortmund, und in einem Klub, der seine Energie aus großen Siegen in Spielen wie dem Derby oder den Duellen gegen München zieht. Doch Emotionen zu wecken oder historische Marken zu setzen, das stand nicht in Stögers Jobprofil, als ihn der BVB im Dezember anrief und ihm einen Halbjahres-Vertrag anbot. Es ging einzig und allein darum, die Königsklasse zu erreichen. Ob mit Hurra-Fußball oder Hausmannskost - geschenkt. Und so verzichtet er auch vor für die Fans wichtigsten Spiel der Saison darauf, sich zu verstellen und flammende Reden zu halten. "Ich habe keine andere Ansprache. Ich bin so wie ich bin", sagt Stöger. Dortmunds Bossen ist das nur recht. Hauptsache, die Punkte stimmen.

Matthias Dersch

Statistisches zum Revierderby
Dortmund gegen Schalke: Rekorde, Serien, Debüts
Revierderby
Von Bestmarken und Derbyhelden

93-mal hatten Schalke 04 und Borussia Dortmund in der Bundesliga schon miteinander das Vegnügen, gar 174-mal insgesamt. Das Revierderby hat schon zahlreiche Geschichten erzählt - auch statistisch. Eine Bilderstrecke mit Rekorden und Derbyhelden.
© imago/picture alliance

vorheriges Bild nächstes Bild
 
Seite versenden
zum Thema

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine