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08.03.2018, 16:45

"Ich weiß, wir sind momentan langweilig"

Klinsmann-Thema gegen die Langeweile

Acht Punkte beträgt der Rückstand von Hertha BSC auf einen festen Europapokal-Platz. Sechs Zähler Vorsprung sind es auf den Relegationsrang. "Ich weiß, wir sind momentan langweilig - nicht zu gut, nicht zu schlecht. Wir sind da irgendwo", sagt Trainer Pal Dardai. Für Abwechslung sorgten zuletzt Meldungen zu Jonathan Klinsmann. Dardai und Manager Michael Preetz versuchten nun, das Thema wieder einzufangen.

Jonathan Klinsmann
Im Blickpunkt: Jonathan Klinsmann.
© imagoZoomansicht

Auf neuem Rasen im Olympiastadion empfängt Hertha am Samstagnachmittag den SC Freiburg (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de), und die Zielsetzung für die Berliner ist klar. "Wir wollen unsere Punkte haben. Wir haben heute den neuen Rasen getestet. Es gibt keine Ausreden. Ich will unseren Ballbesitzfußball sehen, ich will sehen, dass meine Jungs zu Abschlussaktionen kommen und Kurzpassspiel zeigen", sagte Dardai am Donnerstag und erklärte: "Meine Mannschaft steht bei mir ein bisschen unter Druck, weil sie es kann, es aber auch nun abrufen muss."

Bis auf seinen Sohn Palko, der sich bei der U 19 einen Muskelfaserriss zugezogen hat, kann Herthas Coach personell aus dem Vollen schöpfen. Mit einem Sieg gegen den um zwei Punkte schlechteren Tabellennachbarn Freiburg - diesen laut Dardai "unangenehmen Gegner" mit einem "guten, erfahrenen Trainer mit einer bissigen Mannschaft" - würde Hertha wie angestrebt der 40-Punkte-Marke näherkommen. Aber egal, wie das Spiel ausgeht, Dardai weiß, dass Hertha tabellarisch derzeit kein Brennpunkt der Liga ist. "Wir sind nicht zu gut, nicht zu schlecht. Wir sind da irgendwo. Das ist sehr schwierig für die Journalisten", sagte der Ungar mit einem Lachen und ergänzte: "Wenn wir am Wochenende gewinnen, bleiben wir immer noch langweilig, weil es dann immer noch nicht nach oben oder unten geht."

Wenn Jonathan mit Nachname nicht Klinsmann heißen würde, würden wir dann über einen dritten oder vierten Torwart so ein Theater machen? Seien wir ehrlich, nein.Trainer Dardai zur Thematik

Gegen die Langeweile inszenierte Hertha jüngst ein in dieser Form wohl unbeabsichtigtes Unterhaltungsprogramm, zu dessen Hauptdarsteller Jonathan Klinsmann wurde. Torwarttrainer Zsolt Petry hatte den im vergangenen Sommer aus den USA verpflichteten Youngster am Dienstag kritisiert, vor allem für dessen Präsenz und Körpersprache. Das Thema schlug vergleichsweise hohe Wellen, zumal der Eindruck entstanden war, Klinsmann stehe im Sommer nach nur einem Jahr bei Hertha schon wieder vor dem Abschied. Dardai wie auch Manager Michael Preetz bemühten sich auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Freiburg nun, das Thema wieder einzufangen.

Dardai wird Klinsmann nicht wegschicken

"Es war einen Tick zu negativ dargestellt. Ich glaube nicht, dass Zsolt so negativ ist. Er geht sehr gut mit seinen Torhütern um. So krass ist die Sache nicht", sagte Dardai und bemerkte: "Wenn Jonathan mit Nachname nicht Klinsmann heißen würde, würden wir dann über einen dritten oder vierten Torwart so ein Theater machen? Seien wir ehrlich, nein."

Als Klinsmann vor gut acht Monaten von den California Golden Bears der University of Berkeley zu Hertha stieß, stattete ihn der Klub nach einer kurzen Testphase mit einem Zweijahres-Vertrag aus. Zur weiteren Zukunft des 20 Jahre alten Sohnes des früheren Bundestrainers Jürgen Klinsmann erklärte Dardai: "Wir haben noch zu keinem jungen Spieler nach einem halben Jahr Tschüss gesagt. Das wäre auch nicht in Ordnung. Er macht es vernünftig, er muss sich weiterentwickeln, Stück für Stück."

"Der Unterschied zwischen interner und externer Kommunikation"

Demnach ging es Torwarttrainer Petry wohl vor allem darum, Klinsmann durch die öffentliche Kritik anzustacheln, erklärte Dardai doch auch: "Jonathan ist ein guter Junge, vielleicht ist er ein zu guter Junge. Er muss lernen, sich durchzuboxen, auch im Training." Und Preetz ergänzte: "Profifußball heißt am Ende auch, dass man ein paar Dinge aushalten muss. Das tut Jonathan."

Nichtsdestotrotz kündigte Herthas Manager an, mit Petry ein Gespräch "über den Unterschied zwischen interner und externer Kommunikation" zu führen. Zudem versicherte Preetz, dass man Klinsmann "alle Zeit geben" werde. "Er hat in jungen Jahren nicht die Ausbildung genossen wie beispielsweise die Spieler, die in Berlin und im deutschen Fußball ausgebildet wurden. Deshalb wussten wir, dass wir Geduld mit ihm brauchen", sagte der ehemalige Stürmer und betonte: "Wir haben ihn schon in Test- und Pflichtspielen erlebt. Immer wenn es um Matchpraxis ging, hat er einen guten Eindruck hinterlassen. Es gibt eine Menge Dinge, an denen man arbeiten muss. Das ist gar keine Frage."

Machen uns in den nächsten Wochen und Monaten eine Menge Gedanken.Preetz über die Torwart-Konstellation

Wie Klinsmanns Rolle über den Sommer hinaus aussehen soll, ließ Preetz offen. Rune Jarstein ist die Nummer 1 der Berliner, der Vertreter des Norwegers ist Thomas Kraft. Dahinter bewerben sich Klinsmann, der bislang meist in der Regionalliga-Mannschaft der Berliner zum Einsatz gekommen ist, und Eigengewächs Dennis Smarsch (19) um den Platz als Nummer 3. Zudem stehen noch die in die 3. Liga verliehenen Marius Gersbeck (22, VfL Osnabrück) und Nils Körber (21, Preußen Münster) jeweils bis 2019 bei Hertha unter Vertrag. Ob dieses Duo allerdings bereit wäre, sich ohne interessante Perspektive hinter Jarstein und Kraft als Nummer 3 in Berlin einzureihen, darf bezweifelt werden.

"Wir sind in einer Situation, in der wir uns - wie an jedem anderen Bundesliga-Standort auch - in den nächsten Wochen und Monaten eine Menge Gedanken machen werden über die neue Saison und wie die Struktur im Kader aussehen soll. Wir haben im Tor eine besondere Konstellation, weil wir wahnsinnig viele spannende Torhüter haben", sagte Preetz und sprach von einer "Batterie an jungen Burschen". Aufgabe bei der Planung für die neue Saison sei es, alles "so zusammenzusetzen, dass wir unsere Interessen und die Interessen unserer Torhüter, was Einsätze angeht, idealerweise übereinanderlegen". Wie das dann genau aussieht, bleibt abzuwarten.

Jan Reinold

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zum Thema

weitere Infos zu Klinsmann

Vorname:Jonathan
Nachname:Klinsmann
Nation: USA
Verein:Hertha BSC
Geboren am:08.04.1997

weitere Infos zu Dardai

Vorname:Pal
Nachname:Dardai
Nation: Ungarn
Verein:Hertha BSC


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