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18.01.2018, 21:37

Höhne versucht durch die Hintertür Einfluss zu nehmen

Wahl in Mainz: Fragwürdige Rolle des Aufsichtsrates

Der Plan ist perfekt. Von Anfang an hat Aufsichtsratschef Detlev Höhne alles unternommen, um nach dem Abschied von Präsident Harald Strutz und Manager Christian Heidel der neue starke Mann bei Mainz 05 zu werden. Das letzte Puzzleteil ist nun die Nominierung von Eva-Maria Federhenn für die Wahl zur Vorstandsvorsitzenden an diesem Sonntag.

Detlev Höhne
Zieht im Hintergrund die Fäden: Aufsichtsratschef Detlev Höhne.
© imagoZoomansicht

Aber der Reihe nach: Zunächst entschied sich Höhne für ein dreiköpfiges Vorstandsmodell. Sportchef Rouven Schröder und das nur wenige Monate amtierende Vereinsoberhaupt Johannes Kaluza dagegen favorisierten eine Variante mit vier Personen. Nach kicker-Informationen entschied der Aufsichtsrat dies bei einer Sitzung in Abwesenheit von Kaluza - obgleich dieser als damaliger Vorstandschef satzungsgemäß das Recht gehabt hätte, an jedem Treffen des Aufsichtsrates teilzunehmen. Lediglich ein Recht zur Empfehlung wurde ihm eingeräumt.

Es entwickelte sich ein Machtkampf: Kaluza gegen Höhne und den Aufsichtsrat. Dem ehemaligen Vereinsboss unterliefen zu viele Fehler, er trat zurück. Ganz nach Höhnes Geschmack. Denn der Vorsitzende ist anders als die restlichen Kollegen im Vorstand nicht vom Aufsichtsrat zu benennen, sondern wird von den Mitgliedern gewählt.

Höhnes seltsamer Facebook-Kommentar

Seltsames trug sich zu nach Kaluzas Rücktritt. Aufsichtsratsmitglieder kommentierten im sozialen Netzwerk Facebook den Beitrag einer Fan-Kolumnistin, als wären sie auf einer Fastnachtssitzung. Diese Kolumnistin fasste die Reaktionen zum Kaluza-Rücktritt aus dem Internet damals so zusammen: "Schuld an der Kaluza-Posse tragen: 1. die Fans, vor allem die Ultras; 2. die Medien, vor allem die Allgemeine Zeitung; 3. der neue AR, vor allem Detlev Höhne; 4. die Demokratie, vor allem bei der MV. Ja. Ne. Is' klar." Bei Sven Hieronymus, Aufsichtsratsmitglied und Comedian, kann man dies vielleicht noch auf seinen eigentlichen Job zurückführen, wenn er schreibt: "Ich war's, ganz allein." Doch ziemt es sich für einen Aufsichtsratschef Höhne, offenbar im Witz zu fragen: "Warum bin ich erst auf Platz 3?" In einer Lage, die für den Verein bedrohlich hätte werden können? Zur Erinnerung: Kaluzas Wirken sorgte bei Sportvorstand Schröder für Abschiedsgedanken.

Wie unabhängig ist Kandidatin Federhenn?

Eva-Maria Federhenn
Das letzte Puzzleteil: Eva-Maria Federhenn.
© imago

Nun sucht Höhne den Kaluza-Nachfolger. Nach der Absage des früheren Bundesliga-Schiedsrichters und Wunschkandidaten Dr. Jochen Drees studierte er die Mitgliederliste, entdeckte einen Frauenanteil von mehr als 30 Prozent und die Chance für eine Frau an der Spitze. Seine Wahl fiel auf Federhenn aus dem Aufsichtsrat. Die Frage ist: Wie unabhängig kann sie sein? Höhne feilte nach kicker-Informationen an Federhenns Interviews und ihrer Vorstellungs-Rede. Mit ihr an der Spitze, so heißt es aus dem inzwischen gespaltenen Aufsichtsrat, könne man auch der DFL einen Spiegel vorhalten. Weil sich dort keine Frau in einer Führungsrolle befindet. Die Aussichten sind gut, denn Federhenn dürfte viele Stimmen weiblicher Mitglieder erhalten, genauso von den Handballern - diese Abteilung hat sie jahrelang geleitet. Und von vielen Ultras. Denn: Höhne und Christian Viering, Vertreter der Fans im Aufsichtsrat, mobilisieren für sie.

Aufsichtsrat versucht, Einfluss im Wahlkampf zu nehmen

Es sind nicht die einzigen Versuche des Aufsichtsrates, sich in den Wahlkampf einzumischen. Denn: Die Videoaufnahmen von vergangenem Sonntag, als sich die Kandidaten auf einer öffentlichen - nicht nur für Mitglieder zugänglichen - Veranstaltung vorstellten, wurden entgegen ursprünglicher Ankündigung unter Verschluss gehalten. "Aus formal juristischen Gründen", hieß es am Dienstag nach der Aufsichtsratssitzung, an der auch Federhenn teilnahm.

Die Kandidaten konnten ihre Reden und Antworten der anschließenden Fragerunde also nicht für ihren persönlichen Wahlkampf nutzen. Gleiches galt für Kurzinterviews. Jeder Kandidat bekam vom Verein am Freitag denselben Fragebogen. Am Sonntag stand auf der Mainz-05-Website, dass die Interviews Anfang der Woche erscheinen sollen. Wenig später verschwand diese Info. Die Interviews kamen nicht mehr zur Sprache.

Erst auf die nachdrückliche Forderung zweier Kandidaten, die sich ihrer Möglichkeiten und Versprechungen im Wahlkampf betrogen fühlten, revidierte der Verein seine Entscheidung erneut. An diesem Donnerstag wurden dann die Interviews auf der Website veröffentlicht; und die Videos von Sonntag (jedoch nur die Reden, nicht die anschließende Fragerunde) an die Mitglieder verschickt. In dem ohnehin sehr kurzen Wahlkampf verstrich wertvolle Zeit. Die Rolle des Aufsichtsrates wird in diesem Zusammenhang nicht nur von den betroffenen Kandidaten sehr kritisch betrachtet.

Wahlversammlung wird in größere Halle verlegt

Selbst bei der Suche nach dem Ort für die Wahlversammlung spielte Höhnes Ziel, die Ultras zur starken Stimme zu machen, eine Rolle. Er wollte die Versammlung wie üblich im VIP-Bereich der Opel-Arena stattfinden lassen. Der Kreis sollte klein bleiben, damit 300, 400 Ultras ein gewaltiges Pfund darstellen, um Federhenn gegen die mitfavorisierten Jürgen Doetz (Ex-Vize-Präsident) und Stefan Hofmann (langjähriger Leiter des 05er Nachwuchsleistungszentrums) durchzudrücken. Das verhinderten Schröder und die vier Geschäftsführer; die Wahl findet nun in der weitaus mehr Personen fassenden Halle 45 der ehemaligen Phönix-Hallen statt.

Hinter verschlossenen Türen übte Höhne als Chef des Aufsichtsrats, eigentlich ein Kontroll- und Beratungsgremium, nach kicker-Informationen Kritik an der sportlichen Leitung, Schröder und Sandro Schwarz. Öffentlich verraten würde er das nicht. Es dringt durch die Hintertür, wie so vieles dieser Tage in Mainz.

Benni Hofmann/Georg Holzner

 
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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FSV Mainz 05
Gründungsdatum:16.03.1905
Mitglieder:12.500 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Isaac-Fulda-Allee 5
55124 Mainz
Telefon: (0 61 31) 37 55 00
Telefax: (0 61 31) 37 55 033
E-Mail: info@mainz05.de
Internet:http://www.mainz05.de


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