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06.01.2018, 00:04

Frankfurt: Die Hannover-Leihgabe legt fünf bis sechs Kilo zu

Wolfs Traum vom Duell mit Neymar

Marius Wolf avancierte in der Hinrunde zum Shootingstar bei Eintracht Frankfurt. In der kürzlich erschienenen kicker-Rangliste landete er "im weiteren Kreis", insgesamt steht er in der Kategorie "Außenbahn defensiv" an sechster Stelle. Die gestiegene Aufmerksamkeit spürt er auch abseits des Rasens: "Es kommen viel mehr Schulterklopfer, das ist gefährlich." Doch Wolf hinterlässt einen bodenständigen Eindruck - wenngleich er hofft, eines Tages mit oder gegen Weltstar Neymar zu spielen.


Aus Frankfurts Trainingslager in Alicante berichtet Julian Franzke

Marius Wolf
Chance in Frankfurt genutzt: Marius Wolf.
© kickerZoomansicht

Highlights gab es zuletzt einige im Leben des Marius Wolf. Sei es der Last-Minute-Sieg in Hannover, wo er vor eineinhalb Jahren in die zweite Mannschaft abgeschoben wurde, sei es sein Tor zum 2:2 gegen Borussia Dortmund oder sein famoser Treffer beim 2:1-Erfolg in Berlin. Dass das Jahr 2017 für den 22-Jährigen so gut laufen würde, war zwölf Monate zuvor nicht ansatzweise abzusehen.

Rückblende: Vor einem Jahr strahlte Wolf nicht die warme Sonne über Spanien ins Gesicht, ihm wehte kalter Wind in Hannover entgegen - im doppelten Sinne. Bei 96 war er schon einige Monate zuvor in die zweite Mannschaft abgeschoben worden, mit der er nun die Vorbereitung absolvierte. "Das war eine ganz normale Vorbereitung in Hannover mit den Amateuren, allerdings gab es schon Gespräche über eine Ausleihe", erinnert sich Wolf. Leicht war die Zeit gleichwohl nicht: "Als ich zu den Amateuren geschickt wurde, war das nicht einfach. Ich dachte: Warum konnte ich mich nicht zeigen? Warum habe ich meine Chance nicht bekommen?" Geholfen haben ihm viele Gespräche mit seinen Eltern und seinem Berater. Die Erkenntnis: "Irgendwann kriege ich meine Chance."

Am 31. Januar, unmittelbar vor Schließung des Transferfensters, war es dann soweit: Der Flügelstürmer unterschrieb einen zunächst auf ein halbes Jahr befristeten Leihvertrag in Frankfurt. Clever von Sportvorstand Fredi Bobic: Er handelte eine Option aus, den Leihvertrag um ein Jahr zu verlängern, außerdem sicherte er der Eintracht eine Kaufoption. Längst haben die Verantwortlichen angekündigt, die Option zu ziehen und den Shootingstar langfristig zu binden. "Als ich hierherkam, war es für mich die letzte Chance", rekapituliert Wolf. Also krempelte er die Ärmel hoch und arbeitete hart. Auch eine schwere Schulterverletzung, die er sich im Pokalhalbfinale in Gladbach zuzog, warf ihn nicht aus der Bahn. Körperlich legte der 1,87 Meter große Flügelflitzer mächtig zu. "Ich kam mit 74 Kilo an, jetzt bin ich bei 79 bis 80 Kilo, das ist schon ein bisschen was", berichtet Wolf, der weitere Muskulatur aufbauen möchte.

Marius Wolf
Voller Einsatz im Training: Marius Wolf.
© imago

Es dauerte nicht lange, bis er den Lohn einfuhr. Seine Hinrundenbilanz kann sich sehen lassen: Zwölf Einsätze in der Liga (drei Tore, drei Assists, kicker-Notenschnitt 3,3), drei Spiele im Pokal (ein Tor, ein Assist, kicker-Notenschnitt 3,5). Entsprechend steht er nun ganz anders im Fokus der Öffentlichkeit, als noch vor einem Jahr. Das spürt er im Alltag. "Es kommen viel mehr Schulterklopfer, das ist gefährlich", erzählt Wolf, bekräftigt aber im nächsten Atemzug: "Wenn du weißt, wer damals an deiner Seite war, als es in Hannover nicht lief, dann weißt du auch, wer jetzt an deiner Seite ist. Da habe ich auch das richtige Umfeld. Ich weiß, wer zu mir gehört und wer nicht." Wer schon in jungen Jahren derart in der Versenkung verschwand, der hebt nicht so schnell ab, wenn es mal läuft. "Im Fußball geht es allgemein schnell hoch und runter", weiß Wolf.

Chandlers Rückkehr als Knackpunkt?

Auch jetzt steht hinter seiner sportlichen Perspektive ein kleines Fragezeichen. Wolf kam zwar zuweilen als hängende Spitze oder im Mittelfeld zum Einsatz, spielte aber vorwiegend auf der rechten Seite, da der etatmäßige Rechtsverteidiger Timothy Chandler längerfristig ausfiel. Nun ist Chandler wieder fit und könnte seinen Platz zurückerobern, was für Wolf bedeuten würde, dass er weiter vorne sein Glück suchen müsste. "Ich will ganz genau so weiterarbeiten, mich weiterentwickeln und auf so viel Spielzeit wie möglich kommen. Auf welcher Position, ist mir im Endeffekt egal", meint er.

Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot. Was der für Meter abreißt!Sportvorstand Fredi Bobic über Wolf

Profitiert hat er von der Rolle als offensiver Rechtsverteidiger in jedem Fall, da er sein Defensivspiel verbessern konnte. "Defensiv habe ich am meisten dazu gelernt, dort habe ich noch meine größten Schwächen", räumt Wolf ein. In der Jugend bei 1860 München hatte er teils sogar als Stürmer gespielt, mittlerweile ist er extrem flexibel. Bobic spricht über ihn in höchsten Tönen: "Marius stach mit seiner Art, wie er Fußball spielt, mit seinen Läufen, oft heraus. Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot. Was der für Meter abreißt! Er hat einen Riesensprung gemacht und ein paar Kilo im Kraftbereich draufgelegt - dementsprechend macht er wirklich eine tolle Entwicklung. Diese Entwicklung kann er weiter bei uns nehmen, da kann er sich sicher sein."

Boateng als Türöffner

Geholfen hat ihm nicht zuletzt auch Kevin-Prince Boateng. Der Neuzugang verstand sich auf Anhieb blendend mit Wolf, redete ihn stark und gab ihm Tipps. "Es hat zwischen uns einfach gepasst. Er hilft aber nicht nur mir weiter, sondern der ganzen Mannschaft", erklärt Wolf. Boateng zeigte ihm sogar schon seine Wahlheimat Mailand, wo sie in einem Restaurant auf Neymar trafen. "Mein Ziel ist es, auch mal gegen ihn oder mit ihm zu spielen, man weiß ja nie...", meint Wolf, ohne dabei großspurig zu klingen. Vorerst geht es für ihn freilich darum, seine Leistungen aus der ersten Halbserie zu bestätigen und seinen Platz in der ersten Elf zu behaupten. Das wird schwer genug.

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© Getty Images (4)

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weitere Infos zu M. Wolf

Vorname:Marius
Nachname:Wolf
Nation: Deutschland
Verein:Eintracht Frankfurt
Geboren am:27.05.1995


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