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23.10.2017, 15:43

Früherer Schiri-Beobachter spricht von Manipulationsversuchen

Bewertung im Fokus: Kadach stützt Schiri-Kritik

Die von Schiedsrichter Manuel Gräfe in Richtung der Referee-Führungskräfte Hellmut Krug und Herbert Fandel geäußerten Vorwürfe der Vetternwirtschaft und des Günstlingswesen ziehen weitere Kreise. Carsten Kadach, ehemaliger Schiedsrichter-Assistent und späterer Schiri-Beobachter erklärte im kicker-Interview (Montagausgabe) die Vorwürfe für "nachvollziehbar" und schildert einen Versuch der Bewertungsmanipulation.

Carsten Kadach
Bezeichnet den Vorwurf der Vetternwirtschaft als "nachvollziehbar": Carsten Kadach.
© imagoZoomansicht

Sie sind schon lange unter der Hand Gegenstand von Kritik: die Bewertungsbögen für Schiedsrichter, die die Beobachter ausfüllen und in denen sie Noten verteilen. Klar, wenn man eine erbrachte Leistung nicht in Sekunden oder Zentimetern messen kann, dann wird sie immer unterschiedlichen subjektiven Einschätzungen unterliegen. Die eine sagen so, und die anderen sagen so, wie es der Volksmund ausdrückt.

Daher waren die Bewertungen der Unparteiischen, von denen Auf- und Abstieg, aber auch die Anzahl der heutzutage gut dotierten Einsätze - ein Erstligaspiel bringt inzwischen 5000 Euro in die Haushaltskasse des Referees - abhängen, innerhalb der Gilde oft umstritten. So hatte FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe den Führungskräften Hellmut Krug und Herbert Fandel öffentlich Vetternwirtschaft und Günstlingswesen vorgeworfen und war dabei am vergangenen Dienstag bei einem DFB-internen Treffen vom Aktivensprecher Dr. Felix Brych unterstützt worden.

Jetzt erhielten die beiden Flankenschutz von Carsten Kadach. Der 53-Jährige galt in seiner aktiven Zeit als bester Schiedsrichter-Assistent Deutschlands, er kam bei der EM 2008 und im Finale der Champions League 2007 sowie bei weiteren Endspielen zum Einsatz und ist mit 194 Erstligaspielen der Rekordhalter auf dieser Position hierzulande. Nach dem Ende seiner Karriere war Kadach Beobachter, zumindest bis zum Sommer 2017, danach wurde er nicht mehr eingesetzt. "Man hat mir vorgeworfen, ich sei nicht teamfähig. Jeder Schiri wird genau das Gegenteil behaupten", sagt er und meint, dass die DFB-Führungsspitze eher einen kritischen Geist loswerden wollte.

Kadach schildert Versuch der Manipulation

Denn Kadach hat sich geweigert, politische Spielchen, die über Karrieren entscheiden, mitzumachen. "Im Oktober 2016 war ich Beobachter beim Spiel Union Berlin gegen Hannover, das der ungeliebte Robert Hartmann leitete. Es gab mehrere knifflige Entscheidungen. Er hat sie gut gelöst, und ich habe ihm eine 8,7, also eine Note im oberen sehr guten Bereich, gegeben. Wenige Tage später hat Rainer Werthmann, der Vertraute Krugs in der Kommission Elite, bei mir angerufen und mich aufgefordert, die Note nach unten zu korrigieren. Das hätte mich der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich bin standfest geblieben und habe das nicht getan."

Es ist mir zugetragen worden, dass auch bei anderen Beobachtern versucht wurde, Einfluss auf die Note und den Text zu nehmen.Carsten Kadach

Dieser Versuch der Manipulation soll kein Einzelfall gewesen sein. Kadach: "Es ist mir zugetragen worden, dass auch bei anderen Beobachtern versucht wurde, Einfluss auf die Note und den Text zu nehmen." Hält er also den Vorwurf der Vetternwirtschaft für gerechtfertigt? "Er ist nachvollziehbar", sagt Kadach. Seine Haltung zu Herbert Fandel, bei dem er in vielen teils exponierten Spielen - wie dem Finale der Champions League 2007 zum Beispiel - an der Seitenlinie stand, hat sich inzwischen gründlich geändert: "Er hat 2010 bei seinem Amtsantritt Transparenz und Offenheit angekündigt, das ist schnell ins Gegenteil umgeschlagen. Sein Hauptaugenmerk ist, dass er öffentlich seine weiße Weste behält."

Sein Hauptaugenmerk ist, dass er öffentlich seine weiße Weste behält.Carsten Kadach über Fandel

Änderungen des Beobachtungssystems: Jetzt ohne Noten

Anfang des Jahres 2016 hat Lutz Michael Fröhlich Herbert Fandel als Vorsitzenden der DFB-Kommission Elite, die für den Profibereich zuständig ist, abgelöst. Der neue Chef hat in enger Zusammenarbeit mit dem früheren Spitzen-Schiedsrichter Florian Meyer das Beobachtungssystem und die Bewertungsbögen vor der Saison 2017/18 komplett umgestaltet. Noten gibt es überhaupt keine mehr. Anhand von 76 Kategorien fertigt der Beobachter nun ein differenziertes Spielprotokoll für den Unparteiischen an. Dieses ist auch Grundlage für die weitere Zusammenarbeit des jeweiligen Schiedsrichters mit seinem persönlichen Coach. Mit dem geänderten System soll eine bessere, individuell zugeschnittene Förderung der Aktiven und eine höhere objektive Nachvollziehbarkeit der Bewertungen erreicht werden.

Thomas Roth

 

kicker

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