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29.08.2017, 21:01

Kommentar von kicker-Redakteur Toni Lieto

Auch ein Höwedes muss sich hinterfragen

Der FC Schalke lässt ein weiteres Aushängeschild ziehen, der Mannschaft kommt ein vorbildlich Vorangehender abhanden, Domenico Tedesco hat durch unsensible Äußerungen an Ansehen eingebüßt: Vorbehaltlich des Medizinchecks am Mittwoch wird Benedikt Höwedes den Königsblauen den Rücken kehren, und alle stehen irgendwie schlecht da. Höwedes eingeschlossen. Bei allem Verständnis für seine Situation handelt er trotzig. Auch der Weltmeister muss sich hinterfragen.

Benedikt Höwedes
Flucht nach Italien: Benedikt Höwedes.
© imagoZoomansicht

Wenn Höwedes irgendwann seinen immer mal wieder offen geäußerten Traum vom Auslandsabenteuer (eigentlich eher England als Italien) wahrgemacht hätte mit der Begründung, er habe nach all den Jahren auf Schalke einfach mal Lust auf etwas Neues - niemand hätte es ihm übel genommen. An seinem Status als Ikone des FC Schalke wäre nicht einmal dann auch nur einen Millimeter zu rütteln gewesen, wenn Höwedes angesichts dieser Motive um vorzeitige Auflösung seines bis 2020 gültigen Vertrags gebeten hätte.

Nun kann man es als nachvollziehbar erachten, dass Höwedes den Verein nach 16 Jahren Hals über Kopf verlässt, weil er, das große Ziel WM 2018 im Visier, eine viel zu geringe Einsatz-Perspektive unter dem neuen Trainer sieht (ist diese bei Juventus Turin wirklich so viel besser, um per se von erhöhten WM-Chancen zu sprechen?). Andererseits darf sich auch ein Weltmeister, der erst im Vorjahr das S04-Papier zur Vertragsverlängerung bis 2020 "mit pochendem Herzen" unterschrieben hat, niemals zu schade sein für einen zwar harten, aber fairen Konkurrenzkampf. Selbst größte Verdienste aus der Vergangenheit garantieren nun einmal keinen Stammplatz. Auch ein langjähriger Kapitän, der sich selbst dann in den Wind gestellt hat, wenn der Schalke-Sturm mal wieder orkanartige Auswüchse annahm, muss sich jeden Tag aufs Neue demselben Konkurrenzkampf unterordnen wie alle seine Teamkollegen.

Ehrgefühl in den Grundfesten erschüttert

Offiziell stecken sportliche Gründe hinter Höwedes' Wechselentschluss. Dennoch ist Fakt, dass die Absetzung als Kapitän, die sehr wohl auch aufgrund von internen Abnutzungserscheinungen nach sechs Jahren als Spielführer erfolgt ist, sein Ehrgefühl in den Grundfesten erschüttert hat. Dies ist mindestens mitausschlaggebend, wenn nicht sogar Ursprung für den Abschiedsgedanken. Höwedes wirkt trotzig. Nach dem Motto: "Wenn ich nicht mehr Kapitän sein darf und keinen Stammplatz mehr habe, gehe ich halt."

Seiner allgemein herausragenden Stellung in diesem Klub ist es zu verdanken, dass viele Fans ihn trotzdem bis zuletzt mit Sprechchören gefeiert haben. "So geht man nicht mit einem Benedikt Höwedes um", sagen sie. Aber was hat Schalke denn eigentlich Verwerfliches getan? Ein neuer Trainer hat einen Kapitän abgesetzt und ihm die Stammplatzgarantie entzogen - was sportlich betrachtet wenig anfechtbar ist.

Tedesco greift verbal daneben

Gut, Tedesco hat sich etwas geleistet, das er sich hätte sparen müssen - den lapidaren Kommentar: "Reisende soll man nicht aufhalten." Das Aberwitzige daran ist, dass derjenige, der am aller längsten in diesem Verein ausgehalten hat (Höwedes), diesen Satz ausgerechnet von dem Mann entgegengeschmettert bekommt, dessen Posten beim FC Schalke traditionell mit dem Etikett "Nur auf der Durchreise" versehen ist. Allein nach den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit (Stichwort Weinzierl, Breitenreiter, di Matteo) kann Tedesco froh sein, wenn er länger als ein Sechzehntel der Zeit als Trainer auf Schalke tätig sein darf, die Höwedes in diesem Klub als Jugendspieler und Profi verbracht hat.

Gesamtpaket umfasst 20 Millionen Euro

Dass es dann doch zunächst nur ein Leihgeschäft mit Juventus Turin wird, ist den Umständen geschuldet und im Endeffekt ein Entgegenkommen des FC Schalke - sonst wäre der Deal geplatzt. Dies wollte schlussendlich keine Seite mehr riskieren. Dass Höwedes nächstes Jahr zu seinem Jugendklub zurückkehrt, ist aktuell schwer vorstellbar, auch wenn es laut Papier theoretisch möglich wäre. Das Gesamtpaket wird Turin am Ende knapp 20 Millionen Euro kosten, bestehend aus 3,5 Millionen Euro Leihgebühr, 13 Millionen Euro Kaufsumme und bis zu drei Millionen Euro Boni.

So oder so bleibt festzuhalten: Einem Höwedes wäre eine Schalke-Scheidung aus erfreulicheren Gründen zu wünschen gewesen. Zum Beispiel nichts weiter als die reine Lust auf ein süßes Auslandsabenteuer. Ohne all die bitteren Begleitumstände, zu denen Höwedes ebenso beigetragen hat. Auch der Weltmeister muss sich hinterfragen, ob er nach der Absetzung als Kapitän und dem Verlust des Stammplatzes wirklich richtig reagiert hat.

Toni Lieto

kicker-Redakteur Toni Lieto
kicker-Redakteur Toni Lieto
© kicker
 

74 Leserkommentare

kiste54
Beitrag melden
31.08.2017 | 09:13

Blödsinn !

Der Redakteur macht es sich zielich einfach.
Ohne Hintergrundwissen und nur die Fakten aufzuzählen i[...]
HardtoBuff
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30.08.2017 | 22:11

Ein Mann der bekannt ist f. seine Reisekommentare verfaßt hier einen Beitrag

Eigentlich sollte da schon jedem reichen der mal Fußball gespielt hat.
Ich Frage einen Blinden ja au[...]
williwillnicht
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30.08.2017 | 21:25

neue Besen kehren gut oder auch nicht

Tja, Schalke, der Chaotenclub.
So langsam müssten auch die letzten merken, dass Horst Heldt kein [...]
Secundus-Aeternus
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30.08.2017 | 20:33

Molto Bene

Ich war bei keinem Medizincheck von Bene Höwedes dabei und kann auch nicht wissen, wie der Umgang zwischen [...]
Kopperle
Beitrag melden
30.08.2017 | 18:01

@Sensemnamm

...so schaut`s aus...wenn der Bene da nicht gegangen wäre, dann hätte man ihm zu nem Beraterwechsel [...]

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zum Thema

weitere Infos zu Höwedes

Vorname:Benedikt
Nachname:Höwedes
Nation: Deutschland
Verein:Juventus Turin
Geboren am:29.02.1988

Vereinsdaten

Vereinsname:FC Schalke 04
Gründungsdatum:04.05.1904
Mitglieder:145.000 (01.07.2017)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:Ernst-Kuzorra-Weg 1
45891 Gelsenkirchen
Telefon: (02 09) 36 18 0
Telefax: (02 09) 36 18 109
E-Mail: post@schalke04.de
Internet:http://www.schalke04.de

Vereinsdaten

Vereinsname:Juventus Turin
Gründungsdatum:01.11.1897
Vereinsfarben:Weiß-Schwarz
Anschrift:Juventus Football Club
Corso Galileo Ferraris, 32
10128 Torino
Telefon: 00 39 - 899 99 98 97
Telefax: 00 39 - 115 - 11 92 14
E-Mail: customercare@juventus.com
Internet:http://www.juventus.com/

Wechselbörse - FC Schalke 04

NameZ/APositionDatum
Geis, JohannesMittelfeld01.09.2017
 
Sam, SidneyMittelfeld31.08.2017
 
Höwedes, BenediktAbwehr30.08.2017
 
Hemmerich, LukeMittelfeld28.08.2017
 
Platte, FelixSturm26.08.2017

Wechselbörse - Juventus Turin

NameZ/APositionDatum
Kean, MoiseSturm31.08.2017
 
Höwedes, BenediktAbwehr30.08.2017
 
Matuidi, BlaiseMittelfeld18.08.2017
 
Matuidi, BlaiseMittelfeld17.08.2017
 
Rincon, TomasMittelfeld11.08.2017

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