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23.08.2017, 11:12

Borussia Dortmund bleibt bei eSport-Verzicht

BVB: "Role-Play und Ego-Shooter-Games passen nicht zu uns"

Die DFL sieht im eSport-Segment einen Wachstumsmarkt, der FC Schalke 04 betreibt seit 2016 ein eigenes eSport-Team, ebenso der VfL Wolfsburg. Weitere Bundesligisten wollen nachziehen. Der BVB allerdings bleibt bei seinem Verzicht - trotz des großen Potenzials.

BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer
BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer lässt sich freilich eine Hintertür für die Borussia offen.
© imagoZoomansicht

Millionen von Deutschen spielen Computerspiele, und auch der professionell betriebene eSport ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Selbst Kanzlerin Angela Merkel schaute am Dienstag auf der Gamescom in Köln vorbei - als Ausdruck der Wichtigkeit der Branche für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es ist ein Boom-Sektor, das ist auf der weltweit größten Fach-Messe für Video- und Computerspiele mit mehreren Hunderttausend Besuchern nicht zu übersehen. Und davon versuchen inzwischen auch einige Fußball-Bundesligisten wie der FC Schalke 04 zu profitieren.

Bei Borussia Dortmund allerdings steht man zum "Nein" der vergangenen Jahre. "Wir werden trotz vieler Überlegungen und ohne Ignoranz für das Thema nicht in eSport investieren. Wir sind ein Fußballverein", bekräftigte BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer jüngst beim ersten "Spobis Gaming und Media"-Kongress. "Wir fokussieren uns aufs Kerngeschäft und versuchen es bestmöglich für Borussia Dortmund zu nutzen. Die Absage an den eSport sei keinesfalls gleichbedeutend damit, ihn nicht ernst zu nehmen. "Wir verurteilen Role-Play und Ego-Shooter-Games nicht, aber das passt einfach nicht zu Borussia Dortmund."

Gamescom in Köln
Die Gamescom in Köln.
© picture allianceZoomansicht

Stattdessen versucht der Klub durch die Vermarktung von Lizenzen an die Gamer heranzukommen. Dank einer Kooperation mit dem Videospiel-Hersteller Konami wird der BVB beispielsweise originalgetreu in der enorm populären "Pro Evolution Soccer"-Reihe abgebildet. "Damit", bilanzierte Cramer, "erreichen wir mehr, als wenn wir einen eigenen Profi-Spieler hätten." Auch auf der Gamescom wird der BVB daher präsent sein: Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus schauen am Mittwoch in Köln vorbei, um an der Konsole gegeneinander zu spielen. Ohne Fannähe geht es auch in der Videospiel-Branche nicht.

Dass der eSport großes Potenzial birgt, sieht man auch beim BVB so: Immerhin ein Viertel der Deutschen interessiert sich laut einer Umfrage von "Nielsen Sport" dafür. Fußball-Simulationen allerdings decken nur einen kleinen Teil des weltweit rasant wachsenden Marktes ab. Der überwiegende Teil der eSportler spielt "Dota", "League of Legends" oder "Counter Strike". Beim FC Schalke 04, Vorreiter auf diesem Gebiet unter den deutschen Fußballvereinen, gehören daher neben "FIFA"- und "PES"-Profis auch "League of Legends"-Spieler zur eSport-Abteilung. Mit der Markenidentität des BVB aber sei das laut Cramer nicht überein zu bringen.

Eine Hintertür freilich lässt sich Cramer für die Borussia offen: Für den Fall, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die sich intensiv mit dem Thema eSports auseinandersetzt, in Zukunft eine eigene Liga plane, "werden wir uns die Argumente dazu sicher anhören".


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Matthias Dersch

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