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17.08.2017, 12:35

Wofür es künftig Gelb gibt - und wofür nicht

Regeln, Schiris, Bezahlung: Das ist neu in der Bundesliga

Neue Regeln, neue Schiedsrichter, neue Bezahlung: In der neuen Bundesliga-Saison ändert sich einiges - für manches gibt es künftig Gelb, für anderes nicht mehr. Die wichtigste Änderung seit Jahrzehnten ist jedoch gar nicht im Regelwerk verankert. Ein Überblick.

VIDEOBEWEIS: Was sich für Schiedsrichter, Spieler und Fans ändert

Wenn der Video-Assistent eingreift, sollen das auch die Fans im Stadion sofort mitbekommen - wie hier im Supercup.
Wenn der Video-Assistent eingreift, sollen das auch die Fans im Stadion sofort mitbekommen - wie hier im Supercup.
© imagoZoomansicht

Es erscheint auf den ersten Blick kurios: In der am Freitag beginnenden Bundesligasaison greift die bedeutendste Änderung im Regelwerk seit Jahrzehnten - aber sie ist dort überhaupt nicht verankert! Die Erklärung: Es kommt der Videoentscheid, aber er wird nur auf Probe eingeführt.

Im Frühjahr 2018 entscheidet das International Football Association Board, die höchste Regelkommission der Welt, ob und in welcher Form die neue Technik zur Dauereinrichtung wird. Nur wenige Nationalverbände machen das Experiment in derart großem Rahmen mit wie DFB und DFL, in Europa sind es in den großen Ligen Italien und Portugal.

In Deutschland sitzen die Video-Assistenten zentral in einem Replay-Studio. Eingreifen dürfen sie nur bei vier Gelegenheiten: Torerzielung, Strafstoßsituationen, Platzverweis durch Rote Karte und Spielerverwechslung. Und es muss eine klare Fehlentscheidung vorliegen. Fällt die Beurteilung einer Szene in den Ermessensspielraum des Schiedsrichters, darf sich der VA nicht zu Wort melden. Die letzte Entscheidungsgewalt hat der Unparteiische auf dem Platz, der sich dort auch bewegte Bilder anschauen kann.

Der Video-Assistent ist ein Assistent des Unparteiischen und kein Oberschiedsrichter. Er wird kein Allheilmittel sein.FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer

FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer, der mit dem Finale des Supercups zwischen Borussia Dortmund und Bayern München das erste offizielle Spiel hierzulande mit einem Video-Assistenten - es war Tobias Stieler - gepfiffen hat, sagt im kicker-Interview (Donnerstagausgabe): "Der Video-Assistent ist ein Assistent des Unparteiischen und kein Oberschiedsrichter. Er wird kein Allheilmittel sein, durch das jede Ecke, jeder Einwurf und jeder Freistoß irgendwo auf dem Platz korrekt entschieden wird. Aber klare und krasse Fehlentscheidungen werden vermieden. Das ist im Sinne des Spiels."

Beim Supercup-Endspiel gab es einige technische Probleme. In der ersten Halbzeit standen die kalibrierten Linien, mit deren Hilfe der Video-Assistent zentimetergenau entscheiden kann, ob sich ein Spieler in einer Abseitsposition befindet, nicht zur Verfügung. Auch war die Kommunikation zwischen Zwayer auf dem Platz und Stieler im Replay-Studio gestört.

"Die Probleme sollen bis zum 1. Spieltag der Bundesliga behoben sein. Ich bin daher guter Dinge. Aber: Es gibt jetzt etwas völlig Neues für Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Video-Assistenten, Operatoren oder Techniker. Da kann man nicht ausschließen, dass anfangs Fehler passieren", so Zwayer. Lutz Michael Fröhlich, Chef der DFB-Schiedsrichterkommission Elite, meint: "Die Schiedsrichter sind gut vorbereitet und wurden unter der Projektleitung von Hellmut Krug intensiv geschult. Es wäre fatal, wenn man sich in der Einführungsphase schon in Details verliert. Hier ist auch Geduld bei allen gefragt. Es ist ein Entwicklungsprojekt!"

Wenn der Video-Assistenten eingreift, zeigt der Schiedsrichter auf dem Platz durch das Anlegen der Hand ans Ohr an, dass Kommunikation stattfindet und das Spiel unterbrochen ist. Ändert er seine Entscheidung oder will die Szene auf einem Monitor am Spielfeldrand selbst noch einmal anschauen, zeichnet er symbolisch die Umrisse eines Bildschirms in die Luft. Kommt der Video-Assistent zum Einsatz, werden die entscheidenden Kameraperspektiven auch die Fans vor dem Fernseher zu Gesicht bekommen, Abseitslinien inklusive.

Und im Stadion? "Die Zuschauer in den Stadien werden über die Überprüfung einer Schiedsrichter-Entscheidung zunächst in Form eines entsprechenden Logos auf den Videowänden informiert", teilt die DFL mit. "Auf Bewegtbilder wird dort an den beiden ersten Spieltagen aufgrund der hohen Komplexität angesichts unterschiedlicher technischer Voraussetzungen und Abläufe an den Spielorten verzichtet."

NEUE REGELN: Wofür es ab sofort Gelb gibt - und wofür nicht mehr

Deniz Aytekin zeigt Herthas Darida Gelb
Gelbe Karte - in manchen Situationen sollen Deniz Aytekin & Co. da in Zukunft zurückhaltender sein.
© imagoZoomansicht

Die Einführung des Videoentscheids bedingt auch neue Regeln. Fröhlich erklärt: "Eine Gelbe Karte ist erforderlich, wenn Spieler die Überprüfung einer Entscheidung offen einfordern und wenn sie die ausschließlich dem Schiedsrichter vorbehaltene Review Area auf Höhe der Mittellinie betreten."

Aber auch fernab von der neuen Technik gibt es Änderungen. "Gegen Spieler, die offen Gelbe Karten für Gegenspieler einfordern, soll strenger vorgegangen und konsequent Gelb gezeigt werden. Bei der Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs im Strafraum ist künftig keine Gelbe Karte mehr erforderlich, wenn es sich um ein normales Foul in Zusammenhang mit einem ballorientierten Zweikampf um den Ball handelt."

Fröhlich weiter: "Für ein Handspiel soll es nur dann Gelb geben, wenn damit ein Tor durch einen Angreifer erzielt wird oder werden soll oder eben, wie bisher, ein Torschuss durch einen Verteidiger aufgehalten wird. Genauso verhält es sich auch bei kurzem Halten im Zweikampf um den Ball. Auch hier soll nur noch Gelb kommen, wenn das Halten absolut fußballuntypischen und unsportlichen Charakter trägt oder der taktische Aspekt, also die Zerstörung einer guten Angriffssituation, offensichtlich ist."

NEUE SCHIEDSRICHTER: Der Generationswechsel schreitet voran

Bibiana Steinhaus
Die erste Schiedsrichterin in der Bundesliga: Bibiana Steinhaus.
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Auch personell gibt es einiges, das sich gegenüber der vergangenen Saison geändert hat. Am spektakulärsten ist die Tatsache, dass erstmals eine Frau in der höchsten deutschen Spielklasse eingesetzt wird. Dies ist Bibiana Steinhaus (38), eine Polizeibeamtin aus Hannover. Neben ihr gibt es drei weitere Debütanten: Martin Petersen (32), Sven Jablonski (27) und Sören Storks (28).

Dieses Quartett ist der Schlusspunkt eines großen Umbruchs in den vergangenen drei Jahren. In dieser Zeit hörten neun Unparteiische, die meist ein großes internationales Renommee hatten, auf, weil sie die nationale Altersgrenze von 47 Jahren erreicht hatten: Peter Gagelmann (214 Bundesligaspiele), Thorsten Kinhöfer (213, beide im Jahr 2015), Florian Meyer (287), Knut Kircher (244), Michael Weiner (238), Peter Sippel (216, alle 2016) sowie jetzt im Sommer Wolfgang Stark (344), Günter Perl (180) und Dr. Jochen Drees (142). So ging der Bundesliga der enorme Erfahrungsschatz von insgesamt 2019 Einsätzen verloren. Fröhlich: "Wir haben das Team stark verjüngt und damit quasi einen Generationswechsel vollzogen. Es ist logisch, dass die jungen Schiedsrichter nicht auf dem gleichen Niveau sein können wie ein langjähriger erfahrener FIFA-Schiedsrichter. Aber wir sind mit der Entwicklung bisher sehr zufrieden."

NEUE BEZAHLUNG: Die Schiedsrichter bekommen über 30 Prozent mehr

Die neuen Unparteiischen können sich - ebenso wie alle anderen natürlich - auf eine deutliche Anhebung ihrer Bezüge freuen. 5000 statt wie bisher 3800 Euro gibt es pro Spielleitung in der neuen Saison. Das ist eine Steigerung von über 30 Prozent. Ein Wert, von dem ein durchschnittlicher Arbeitnehmer bei seinem Tarifgehalt nur träumen kann. "Klar, im Kontext zu vielen Berufen in der Gesellschaft ist das eine auf den ersten Blick starke Summe. Im Kontext zu dem Milliardengeschäft Bundesliga und zu der Verantwortung, die den Schiedsrichtern in diesem Geschäft inzwischen zugeschrieben wird, relativiert sich das dann allerdings wieder", meint Fröhlich.


Kommentar: Warum die Honorar-Erhöhung für BL-Referees zeitgemäß ist

Thomas Roth

Mit Bibiana Steinhaus pfeift erstmals eine Frau im Oberhaus
Das sind die Bundesliga-Schiedsrichter 2017/18
Manuel Gräfe (oben), Bibana Steinhaus (unten li.) und Bastian Dankert
Die Regelhüter der bevorstehenden Spielzeit

In der bevorstehenden Saison sind sie wieder im Fokus - wenngleich ihnen am liebsten wäre, eine Randfigur zu sein: die Schiedsrichter. Vier Neulinge gibt es 2017/18, darunter mit Bibiana Steinhaus erstmals eine Frau. Das sind die 24 Regelhüter.
© picture alliance (3)

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6 Leserkommentare

olliundseinkahn
Beitrag melden
18.08.2017 | 14:30

Kompletter Unsinn mit der Obergrenze, wie schon hier erwähnt, einfach einen Leistungstest absolvieren [...]
Ulf007
Beitrag melden
18.08.2017 | 14:07

Kein Neid

aber 5000€ für 90 Minuten sind jetzt nicht so schlecht. Selbst dann nicht wenn man 500€ für Übernachtung [...]
cefix64
Beitrag melden
18.08.2017 | 08:30

Larifari

Schluss mit Larifari, jetz gehts loooooooooooooos!
TheSoulcollector
Beitrag melden
17.08.2017 | 19:46

Finde auch, dass die Altersgrenze weg muss. Die älteren Schiris (z.B. ab 50) müssen dann halt im Winter [...]
JosefNotSepp
Beitrag melden
17.08.2017 | 16:38

@TypeONegative

Stimme zu 100% zu. Mann sollte diese fixe Obergrenze abschaffen. Auf internationaler Ebene hat die Fifa [...]

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