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02.08.2017, 10:33

Vor 20 Jahren: Kaiserslautern gewinnt beim FC Bayern

Als Rehhagels Jubellauf seinen Anfang nahm

Aufsteiger gegen Meister: Am 1. Spieltag der Saison 1997/98 trat der 1. FC Kaiserslautern beim FC Bayern München an. Nur wenige Monate nach seiner Entlassung kehrte Otto Rehhagel mit den Roten Teufeln an seine alte Wirkungsstätte zurück. Am Ende des Tages triumphierte "König Otto" und legte durch den 1:0-Sieg im Olympiastadion den Grundstein für eine historische Saison.

Otto Rehhagel
Geballte Freude: Kaiserslauterns späterer Meistertrainer Otto Rehhagel nach dem 1:0-Sieg beim FC Bayern.
© imagoZoomansicht

In dem Moment, als Lutz Michael Fröhlich ein letztes Mal in seine Pfeife blies, gab es für Rehhagel kein Halten mehr. Wie ein Kind lachte, sprang und hüpfte Kaiserslauterns Trainer auf dem grünen Rasen des Münchner Olympiastadions, spritzte wild mit der Wasserflasche umher und kannte nur noch ein Ziel: Die Nordkurve, in der die mitgereisten FCK-Fans standen. Eine im Weg stehende Werbebande? Die heranstürmenden Fotografen, die ihn wie ein Bienenschwarm umkreisten? Betreuer und Spieler, die sich ihm um den Hals warfen? Für Rehhagel kein Hindernis. Erst vor dem Gästeblock blieb er stehen und ließ sich begeistert für den ersten Akt seines Husarenstücks feiern: Ausgerechnet beim FC Bayern, beim amtierenden Meister, der ihn im April 1996 vor die Tür gesetzt hatte, triumphierte der 1. FC Kaiserslautern und fuhr einen 1:0-Sieg ein.

Für den 1. FCK hätte nichts Besseres passieren können. München ist Meister, muss gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren.Ciriaco Sforza vor dem 1. Spieltag

Dass Rehhagel an jenem 2. August 1997 überhaupt Grund haben könnte, so ausgelassen zu feiern, war Wochen und Tage vorher keineswegs abzusehen gewesen. Noch zu Beginn der Saisonvorbereitung, in die der 1. FC Kaiserslautern als Letzter der 18 Bundesligisten gestartet war, waberten viele Fragezeichen rund um den Betzenberg. Den Betriebsunfall, den Abstieg in die 2. Bundesliga, den die Roten Teufel und ihre Anhänger 1996 mit vielen Tränen in Leverkusen beweinten, hatte der Fritz-Walter-Klub korrigieren können. Doch wo stand der FCK nun? Offen wurde die Angst vor einem erneuten Abrutschen in die Zweitklassigkeit thematisiert, sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl brachte seine Sorgen im kicker zum Ausdruck: "Ein zweiter Abstieg hätte sicher tiefgreifende Folgen", sagte das FCK-Ehrenmitglied.

Als der Spielplan für die neue Saison vorgestellt wurde, witterten nicht wenige eine Verschwörung. Sollte der FCK etwa gleich zu Beginn in München vorgeführt werden? Optimistische Töne schlug ausgerechnet einer an, dessen Rückkehr in der Pfalz wie ein erster Titelgewinn bejubelt wurde: Ciriaco Sforza, den die Pfälzer für rund 6,5 Millionen Mark von Inter Mailand losgeeist hatten. "Für den 1. FCK hätte nichts Besseres passieren können", sagte der Schweizer Nationalspieler im kicker-Interview. "München ist Meister, muss gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren." Er sollte Recht behalten.

Rehhagel setzt auf das richtige Personal

Beinahe trotzig trat der FCK die Reise in die bayerische Landeshauptstadt an. 461 Tage nach seinem Rauswurf betrat Rehhagel wieder das Olympiastadion - und bewies Mut. Entgegen der Erwartungen strich der Trainer-Routinier Andreas Brehme aus dem Kader, beorderte stattdessen den jungen Michael Ballack auf die Bank. Abräumer Oliver Schäfer motivierte er trotz Nasenbeinbruch zum Startelfeinsatz und vertraute den Bundesligadebütanten Ratinho, Marian Hristov und Michael Schjönberg von Beginn an - mit Erfolg.

Pavel Kuka, Michael Schjönberg und Olaf Marschall
Pavel Kuka (l.) und Olaf Marschall (r.) feiern Michael Schjönberg.
© picture alliance

Schon nach 40 Minuten hätte Pavel Kuka die Gäste in Führung schießen können, scheiterte aber an der Latte. So blieb die Partie auf Messers Schneide, mit fortlaufender Spielzeit sah sich Lothar Matthäus immer häufiger aber eben auch erfolglos gezwungen, Akzente in der Offensive zu setzen. Der FCK nutzte den sich bietenden Raum und spielte mit jeder Minute mutiger nach vorne. Das Flügelspiel fruchtete und als der eingewechselte Marco Reich rund zehn Minuten vor Schluss mal wieder einen Vorstoß wagte, wurde er vom bereits mit Gelb vorbelasteten Bixente Lizarazu rüde abgeräumt.

Schjönberg trifft mit voller Wucht

Noch während wütende Lauterer einen Platzverweis für Münchens Außenverteidiger forderten, legte sich Sforza den Ball zurecht. Und einer machte sich auf den Weg in den gegnerischen Strafraum, dessen Einsatz bis wenige Minuten vor dem Spiel gar nicht feststand: Defensivmann Schjönberg. Die Frau des Dänen erwartete in Kaiserslautern das zweite Kind. Schjönberg war erst am Morgen nach München gefahren. Nun lauerte er an der Strafraumkante, lief einige große Schritte, warf sich mit voller Wucht in die Hereingabe und rammte den Ball per Kopfball vorbei an Oliver Kahn ins Tor. Die 1:0-Führung für den FCK, die tatsächlich bis zur letzten Minute Bestand hatte. Und als der Pfiff von Schiedsrichter Fröhlich den Startschuss für Rehhagels Jubellauf gab, war es auch der Beginn einer historischen Geschichte, an deren Ende ein Aufsteiger erstmals die Schale in der Hand hielt.

Frederik Paulus

 
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