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19.05.2017, 00:04

Darmstadts Routinier im kicker-Interview

Rosenthal: "Ich mache denselben Fehler nicht nochmal"

Er kam in der Aufstiegssaison auf Leihbasis zu Darmstadt 98. Seither blieb Jan Rosenthal den Lilien treu. Mit dieser Saison läuft auch sein Vertrag aus. Im kicker-Interview spricht der 31-Jährige über den Abstieg, die Folgen, die Probleme der 2. Liga sowie seine persönliche Zukunft und wovon eine mögliche Vertragsverlängerung abhängt. Außerdem erklärt er, warum er dem SVD einen direkten Wiederaufstieg zutrauen würde.

Steht vor einer ungewissen Zukunft: Jan Rosenthal.
Steht vor einer ungewissen Zukunft: Jan Rosenthal.
© imagoZoomansicht

Was für ein sportliches Fazit ziehen Sie, Herr Rosenthal?

Wegen des Abstiegs auf jeden Fall ein unbefriedigendes... Aber auch für mich persönlich: Ich hatte ja aufgrund der Achillessehnen-OP einen späteren Saisoneinstieg, dann kam die Bluterguss-Entfernung in dem Moment, als mich Ex-Coach Norbert Meier gerade bringen wollte. Er hat auf mich gewartet, ich war einfach nur nicht fit.

Dann kam der Trainerwechsel

Genau. Unter Torsten Frings ging es gut los. Ich habe ja auch die Spiele bis Dortmund gemacht; dann aber kam wieder eine Verletzung. Jetzt hat es ein bisschen gedauert, bis ich wieder dabei war. Klar, als wir gewonnen haben, hat der Trainer die Aufstellung so beibehalten. Alles in allem: Es waren sicherlich zu wenige Einsätze. Aber immer, wenn ich fit war, habe ich auch gespielt.

Mit dieser Saison läuft auch Ihr Vertrag aus. Gibt es bereits eine Tendenz?

Da spielen mehrere Kriterien mit rein: Ich habe eine kleine Familie, bin mit meiner Frau in Frankfurt ein bisschen isoliert, was die Kinderbetreuung angeht. Wir wollen schon schauen, dass unser Lebensmittelpunkt bald wieder in den Norden geht, in unserer Heimat, wo auch unsere Eltern wohnen. Das muss aber nicht zwangsläufig in der nächsten Zeit sein. Ich bin hier mit dem Trainer-Team und der Mannschaft absolut zufrieden.

Die 2. Liga ist körperlich sehr anspruchsvoll, was meinem Spielertyp nicht gerade entgegenkommt.Jan Rosenthal

Ein Verbleib bei den Lilien wäre also denkbar?

Mir ist wichtig, dass immer eine Entwicklung stattfindet und der Trainer Fußballspielen lassen möchte. Das war in der Rückrunde der Fall. Da bin ich bei Torsten Frings an der richtigen Stelle. Er ist sehr ehrgeizig, zeigt uns immer Wege auf, uns zu verbessern. Daher passt schon vieles. Hinzu aber die Komponente, dass ich jetzt zehn Jahre Bundesliga gespielt habe - mit Ausnahme des halben Leihjahres. Ich fühle mich wohl in der Bundesliga und klar, ich würde auch gerne auf diesem Niveau spielen.

Das wird schwierig in Darmstadt...

Hat das, was er in Freiburg hatte, nicht wertgeschätzt: Jan Rosenthal.
Hat das, was er in Freiburg hatte, nicht wertgeschätzt: Jan Rosenthal.
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Die 2. Liga ist körperlich sehr anspruchsvoll, was meinem Spielertyp nicht gerade entgegenkommt - ohne die 2. Liga schlechtmachen zu wollen. Es ist mir durchaus bewusst, dass ich mich mit dieser Saison nicht für jeden Bundesligisten empfohlen habe. Ich warte zunächst einmal noch ab, bin aber mit Darmstadt im guten Kontakt und weiß um die Wertschätzung und die Bereitschaft, mit mir verlängern zu wollen. Ich habe mich aber schon zu oft zu früh entschieden und damals Dinge gemacht, von denen ich nicht hundertprozentig überzeugt war. Daher lasse ich das jetzt in Ruhe auf mich zukommen - ohne pokern zu wollen. Ich habe nicht die Absicht, Vereine gegeneinander auszuspielen.

Was waren denn solche Fehlentscheidungen?

Zum Beispiel in Hannover: Mein Potenzial als 20-Jähriger konnte ich damals nicht richtig einschätzen. Und habe mich dann zu früh zu einer Verlängerung auf fünf Jahre verleiten lassen - zu Konditionen, die total absurd waren. Genauso in Freiburg: Ich habe mich auf Wunsch, dem Verein für dessen Kaderplanung einen Gefallen zu tun, schon im Februar entschieden, wohin ich gehe. Anstatt zu warten. Man sieht ja aktuell, dass viele Vereine im März, April, Anfang Mai noch keine Anstalten in der Kaderplanung machen, weil die halbe Liga im Abstiegskampf ist. Da habe ich mir aus Naivität oder Ungeduld zu früh ein paar Sachen verbaut. Diesen Fehler möchte ich nicht nochmal machen.

Sie sagten gerade, die 2. Liga kommt Ihnen nicht entgegen. Worin sehen Sie die Problematik?

Wenn man in der 2. Liga nicht funktioniert, dann ist man eben nicht gut genug.Jan Rosenthal

Ich habe ja die Erfahrung gesammelt, damals als ich ausgeliehen war. Mir flogen oftmals die Bälle über den Ohren weg, ohne selbst einen Kontakt zu haben. Darauf muss man sich erst einmal einstellen. 2. Liga kommt halt enorm viel über Kampfgeist, Ehrgeiz und Wille - also: Alles, was technisch nicht auf höchstem Niveau da ist, wird wettgemacht mit anderen Qualitäten, die es unangenehm machen können für einen Spielertypen wie mich.

Könnte das allerdings nicht auch eine Chance, eine neue Herausforderung sein? Sie wären dann in diesem Verein ein Führungsspieler, ein Leistungsträger und aufgrund der technischen Stärke vielleicht jemand, der den Unterschied ausmachen könnte.

Das ist eine Komponente, die mich absolut reizen würde. Das hatte ich auch mit dem Trainer besprochen. Er glaubt, mich in eine Verfassung bringen zu können, die mich unempfindlich macht für körperliche Gebrechen. Hier fehlte mir beispielsweise die Sommer- wie die Wintervorbereitung und damit eine Grundlage, um mal länger durch eine Saison zu kommen. In den zehn Tagen der Wintervorbereitung hatte ich sieben Tage nicht geschlafen, weil meine Tochter zur Welt gekommen ist. Aber zurück zur Frage. Ich bin Sportler genug, um dies als andere Herausforderung zu sehen. Und dann eben die eigene Klasse, die man angeblich hätte, auch in der 2. Liga unter Beweis zu stellen. Wenn man da nicht funktioniert, dann ist man eben nicht gut genug.

Ich hatte schon immer eine pädagogische AderJan Rosenthal

Fühlten Sie sich in Darmstadt bislang wohl?

Hat gegen Darmstadt nichts einzuwenden: Jan Rosenthal.
Hat gegen Darmstadt nichts einzuwenden: Jan Rosenthal.
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Ich habe hier drei Jahre lang wahnsinnig tolle Fans und Mitspieler erlebt, wirklich eine sehr herzliche Art. Ähnlich wie in Freiburg, wo es von mir allerdings nicht genug wertgeschätzt wurde und ich lieber eine neue Herausforderung wollte. Ich werde nicht nochmal leichtfertig denselben Fehler machen und mich den teils üblichen Mechanismen des Profifußballs hingeben, für etwas mehr Geld etwas hart Erarbeitetes aufzugeben. Wenn man als Neuzugang kommt, muss man vollends davon überzeugt sein, um sich zurecht zu finden.

Sehen Sie sich denn inzwischen aufgrund Ihrer Erfahrung etwas in der Verantwortung, die unerfahrenen Spieler mitzuziehen?

Auch das ist eine Komponente, über die ich mir Gedanken gemacht habe - und die interessant werden kann. Meine Frau ist Lehrerin, auch ich hatte schon immer eine pädagogische Ader, was vielleicht nicht immer so rüberkommt (lacht). Aber ich bin schon in der Situation, wo es mir Spaß machen würde, jungen Spielern etwas mitzugeben. Die Frage dabei ist nur: Wollen die Spieler heutzutage das annehmen? Das sollte man eigentlich als Wertschätzung empfinden, wenn sich ältere Spieler die Mühe machen und den Youngstern helfen. In dieser Generation denken zwar einige, sie können schon alles, aber ich glaube trotzdem, dass ich das als Projekt sehen könnte. Dann würde ich aber auch gehört werden wollen. Das war nicht immer so in der Karriere, dass man mir zugehört hat - und es sich im Nachhinein dann doch als richtig herausstellte. In diesem Fall bin ich dann aber kein Machtmensch, der auf den Tisch haut. Da halte ich mich gerne zurück.

Welche Gründe sprechen denn dann noch gegen die Lilien?

Gegen die Lilien spricht nichts. Wenn dann würde ich meiner Frau, meiner Familie eine angenehmere Situation schaffen wollen. Weil eben auch viele Freunde im Norden habe, genauso die Großeltern, die mal auf das Kind aufpassen könnten.

Dann könnten Sie ja gleich zusammen mit Ihrem Noch-Teamkollegen Michael Esser nach Hannover reisen, der wohl kurz vor einem Wechsel zu 96 steht.

Davon habe ich nur gelesen (lacht). Ich habe eine Hannover-Vergangenheit, daher wäre so etwas generell schon eine interessante Sache. Aber es gibt keinen Kontakt.

Jerome Gondorf hat seinen Wechsel bekanntgegeben. Esser könnte folgen. Wie nehmen Sie als Spieler es wahr, dass Leistungsträger den Verein verlassen?

Auch das ist ein Aspekt, warum ich mir Zeit lasse. Im vergangenen Jahr haben den Verein mit Sandro Wagner, Konstantin Rausch, Luca Caldirola, Slobodan Rajkovic - und so weiter - viele wichtige Spieler verlassen. Und ich saß im Sommer mit meiner Achillessehen-OP ohne Einfluss-Möglichkeit auf dem Scherbenhaufen und musste zusehen, wie sich eine Mannschaft komplett neu aufstellen muss. Das ist keine schöne Situation.

Ich würde mich freuen, wenn Sulu, Heller, Vrancic, Altinitop hierbleiben - dann hätten wir eine realistische Chance .Jan Rosenthal

Das wollen Sie also in diesem Jahr vermeiden?

Will mit Darmstadt in der 2. Liga durchstarten: Torsten Frings.
Will mit Darmstadt in der 2. Liga durchstarten: Torsten Frings.
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Ich habe mit dem auslaufenden Vertrag, so risikobehaftet es auch sein kann, eine Möglichkeit. Komplett frei zu sein und zu sehen, was passiert. Diese Freiheit hatte ich nicht so oft - auch weil ich dann verunsichert war. Vertragslos zu sein, ist nicht so schön. Aber gegen Ende der Karriere ist es eine Freiheit für mich. Ich würde mich freuen, wenn Aytac Sulu, Marcel Heller, Mario Vrancic oder Hamit Altintop hierbleiben. Dann hätten wir eine realistische Chance, im nächsten Jahr wieder eine richtig gute Rolle zu spielen. Mit Kevin Großkreutz, der Bundesligaerfahrung von mir und Altintop beispielsweise hätten wir einen starken Kader.

Steigen Stuttgart und Hannover auf, gibt es im nächsten Jahr keinen wirklichen Favoriten in der 2. Liga

Ganz genau. Unabhängig von den Traditionsvereinen - es bleibt eine große Gruppe. Und niemand weiß, was da passiert. Da hätten wir eine sehr erfahrene Mannschaft. Mit dem Trainerteam wären wir sehr gut dafür aufgestellt. Wenn aber in den nächsten Wochen einer nach dem anderen davonflattert, ist es eine andere Situation.

Dann ist jetzt viel Überzeugungsarbeit notwendig

Ich weiß, dass ich ein Signal geben könnte. Aber ich bin in einer Karrierephase, wo ich diese Entscheidung für mich und nicht jemand anderem zuliebe treffen muss. Es sind gute Zeichen, dass Sirigu und Holland verlängert haben. Tolle Typen, die für Darmstadt stehen. Sie halten die Tugenden hoch.

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© imago/picture alliance

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weitere Infos zu Rosenthal

Vorname:Jan
Nachname:Rosenthal
Nation: Deutschland
Verein:SV Darmstadt 98
Geboren am:07.04.1986


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