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08.05.2017, 14:30

Studie: Situationsanalyse Profifußball 2017

Studie zum Profifußball: "So geht's nicht weiter!"

Wenn führende Persönlichkeiten und Fans gleichermaßen vor Fehlentwicklungen im Fußball lautstark warnen, müssen sich alle hinterfragen. Eine aktuelle Studie über die Situationsanalyse zum Kommerz soll zeigen: So geht's nicht weiter! Eine Kernfrage dabei: Geht es im Fußball nur noch ums Geld und rast der Fußball auf akute Langeweile zu?

Fußball
Regiert der Kommerz den Fußball - und droht Langeweile? Eine Studie liefert Erkenntnisse.
© imagoZoomansicht

Transferwahnsinn. Übersättigung des Publikums. Überlastung der Stars. Wettbewerbsverzerrung. Langeweile. Nur Schlagworte? Die Stimmen, dass die Blase im Profifußball zu platzen droht, mehren sich jedenfalls prominent. "Irgendwann knallt es mal", hat Oliver Bierhoff prophezeit. Christian Seifert mahnte, "das Rad 2017 und auch danach nicht zu überdrehen". Man werde "weiter achtsam sein".

Der Manager der Nationalmannschaft und der Chef der Deutschen Fußball-Liga mögen unterschiedliche Motivationen haben, sie eint jedoch der scharfe Blick für die Entwicklungen in ihrer Branche. Das gilt auch für Trainer wie Ewald Lienen oder Christian Streich. Wenn Fans gleichzeitig eine zunehmende Entfremdung beklagen, passt auch das in ein allerdings noch diffuses Bild.

Die Kernfrage der Studie

Steht der Profifußball trotz immer neuer Umsatzrekorde vor einer Zeitenwende, in der sich immer mehr Zuschauer abwenden? Das war die Kernfrage für die "Situationsanalyse Profifußball 2017". Durchgeführt wurde diese Studie über "Aktuelle Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze" im März von dem neuen Verein "FC PlayFair!" und dem Deutschen Institut für Sportmarketing.

17.330 Fans nehmen teil

Die Forscher von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sprechen von der "bisher größten wissenschaftlichen Studie zum Thema", weil die Befragung über die digitalen Kanäle des kicker lief und somit insgesamt 17.330 Fans daran teilnahmen. Eine gigantische Zahl im Vergleich etwa zu Wahlprognosen mit Befragungen von maximal 2500 Personen.

"Es besteht die Gefahr einer Überhitzung"

Fußball
Braucht der Fußball die Einführung von klaren finanziellen Regeln - Stichwort: Salary Cap?
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Der Sportökonom Prof. Dr. André Bühler fast die Ergebnisse seiner Forschung so zusammen: "Es besteht die Gefahr einer Überhitzung. Die Entfremdung des Profifußballs von seiner Basis wird als eines der Hauptprobleme genannt, verbunden mit einer eindeutigen Forderung nach klaren finanziellen Regeln." Sehr interessant sei, dass die befragten Fans durchaus differenzieren könnten. Denn eine breite Mehrheit stimmt zu, dass die Vermarktung von Klubs notwendig ist. Mehr als die Hälfte aller Befragten gibt jedoch auch an, sich abzuwenden, wenn die Kommerzialisierung sich weiterhin so entwickelt. "Ein klares Warnsignal an die Entscheidungsträger", sagt Bühler.

Zu den markanten Einzelergebnissen der Studie zählen diese:

Ultras: Mehr als die Hälfte der Befragten (53,9 Prozent) ist der Meinung, dass sich Ultras zu wichtig nehmen. Keine eindeutige Tendenz gibt es allerdings zu dem Statement: "Ultras werden zunehmend zum Problem für den deutschen Profifußball". In dieser speziellen Abfrage sind die Fans so gespalten wie bei keiner anderen in der Studie.

Langeweile: 55,3 Prozent stimmen der Aussage "In der Bundesliga herrscht zusehends Langeweile" zu. Dabei sind fast doppelt so viele Fans von Borussia Dortmund wie Fans des FC Bayern dieser Meinung.

Vermarktung: Zwei Drittel (66,5 Prozent) erkennen, dass die Vermarktung von Klubs notwendig ist. Sieben von zehn Befragten (69,3 Prozent) sehen allerdings "die Grenze der Fußballkommerzialisierung erreicht".

Wettbewerb: 79,6 Prozent finden, dass es in der Champions League zu viel Geld für die immer gleichen Mannschaften gibt. Und das sei auch ein Problem für den deutschen Profifußball. Denn: "Indem die Top-Klubs die großen Geldtöpfe abgreifen, kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Liga", sagen 80 Prozent.

Die Bundesliga sollte international ein Zeichen setzen, indem sie das finanzielle Wettrüsten im europäischen Profifußball nicht länger mitmacht.Auszug aus den Ergebnissen der Studie

Gehälter: "Die derzeitigen Spielergehälter und Ablösesummen sind realitätsfremd", lautet ein weiteres Statement. 86,3 Prozent stimmen dem zu. Sie kritisieren damit auch den Rekordtransfer von Paul Pogba für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United. Mehr als die Hälfte (50,6 Prozent) unterstützt nämlich den Lösungsansatz: "Die Bundesliga sollte international ein Zeichen setzen, indem sie das finanzielle Wettrüsten im europäischen Profifußball nicht länger mitmacht". Sieben von zehn befürworten einen Salary Cap: "Die Gehälter der Spieler sollten eine gewisse Grenze nicht übersteigen."

Investoren: Nur 14,6 Prozent wünschen sich eine Lockerung der 50+1-Regel, um somit den Zugang von Investoren zu vereinfachen und infolgedessen für mehr Wettbewerbsgleichheit zu sorgen. Eine Korrektur der herrschenden Verhältnisse ist dennoch angezeigt. Die größte Zustimmung bei den Lösungsansätzen (85,8 Prozent) ergab die Forderung: "Der Profifußball braucht klare finanzielle Regeln".

Entfremdung: "Durch das viele Geld hat der Profifußball längst den Bezug zum realen Leben verloren", meinen 83,4 Prozent. Das generelle Unbehagen des Publikums wird mit 86,9 Prozent, dem höchsten Zustimmungswert bei der Problembenennung, deutlich: "Es geht im Profifußball nur noch um noch mehr Geld."

Hier finden Sie die komplette Studie als PDF-Dokument!


Der Verein "FC PlayFair!":
Für den Böblinger Familienunternehmer Claus Vogt lief das Fass über, als er "seinen" VfB nicht nach Bremen begleiten konnte, da Stuttgart in der Bundesliga 2015/16 erstmals an einem Montag antreten musste. Sportökonom André Bühler erlebte die Kommerzialisierung jahrelang in England. Der PR-Fachmann Christian Prechtl ist ein besonders kritischer VfB-Fan. Gemeinsam mit weiteren Fußballfreunden, zu denen Ex-Profikeeper Thomas Ernst und Oliver Müller, Geschäftsführer des Eishockey-Erstligisten Kölner Haie, zählen, gründeten sie den "FC PlayFair!". Eine "glaubwürdige, übervereinliche" Initiative, so Prechtl, "die aus Logen genauso wie aus Kurven kommt" und seriöse Debatten von Fans und Funktionären anstoßen will.

Weitere Infos zum Verein unter fcplayfair.de.

Jörg Jakob

 

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