Grundlagenvertrag erhitzt die Gemüter

Zwanziger: 30 Millionen Euro fehlen den Amateuren

Bundesliga - 04.05. 17:07

Theo Zwanziger hat sich in Diez zu den jüngsten Irritationen um die Deckelungen des Grundlagenvertrags geäußert, der die wechselseitigen Leistungen zwischen DFB und DFL regelt. Durch diese, so der frühere DFB-Präsident, sei dem Verband ein beachtlicher Betrag entgangen.

Klare Worte: Ex-DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. © imago

Zwar sei auch 2009 wegen wirtschaftlicher Unwägbarkeiten eine Obergrenze eingeführt worden, jedoch habe diese nie konkret die Drei-Prozent-Regelung zur Pacht der Bundesligarechte betroffen. Der 2012 ausgeschiedene DFB-Präsident sagte: "Durch die Deckelung, wie sie dann 2013 gemacht wurde, ist dem DFB ein beachtlicher Betrag entgangen." Er bezifferte die Fehlsumme ab 2017 auf rund 30 Millionen Euro pro Jahr.

Seit 2001 ist im Grundlagenvertrag geregelt, dass der Ligaverband DFL drei Prozent seiner Einnahmen aus Ticketing und Medien-Rechten als Pacht für die Bundesligarechte an den DFB abführt. Im Gegenzug erhält die Liga einen Teil der Vermarktungserlöse der Nationalmannschaft.

Obergrenze 2009 in schwieriger Phase eingeführt

Als dieser Kontrakt 2009 neu verhandelt wurde, habe es "ein unsicheres wirtschaftliches Umfeld" gegeben. Unter anderem lagen DFB und DFL 2008 im Streit mit dem Bundeskartellamt, die Höhe der künftigen TV-Einnahmen sei nicht absehbar gewesen. Daher wurde zu Paragraph fünf eine Zusatzvereinbarung eingeführt. In diesem Paragraph ist die Höhe der Zahlungen geregelt, die der DFB aus den Vermarktungserlösen der Nationalmannschaft an die 36 Profivereine abführt – von minimal 15 bis maximal 30 Prozent.

"Wir wollten der Liga Planungssicherheit in dieser schwierigen Phase geben", führte der 71-Jährige im Beisein seines Rechtsanwaltes Hans-Jörg Metz aus. Zugleich aber habe man für den DFB die Drei-Prozent-Regelung sichern wollen. So habe die DFL planbare Einnahmen, der DFB planbare Ausgaben gehabt.

Zwanziger: Lage ab 2013 nicht mehr unsicher

Auf dieser Basis bewegte sich der wechselseitige Austausch des Geldes bis zur Aushandlung des neuen Grundlagenvertrages 2013. Doch was passierte dann? 2012 hatte die DFL bereits einen neuen TV-Vertrag abgeschlossen, der pro Saison 628 Millionen Euro garantierte. Von wirtschaftlich unsicherer Lage kann ab hier also keine Rede mehr sein, findet Zwanziger.

Im Grundlagenvertrag 2013 unter der Präsidentschaft seines Nachfolgers Wolfgang Niersbach wurde die Zusatzvereinbarung dennoch mit derselben Begründung wie 2009 auf Paragraph vier ausgeweitet. Dies untermauerte der frühere DFB-Boss mit entsprechenden Dokumenten. Und Paragraph vier regelt, dass drei Prozent der TV-Erlöse und der Ticketeinnahmen seitens der DFL an den Verband abfließen müssen. Die Hochrechnungen damals besagten, dass der DFB für die Nationalelf-Erlöse 20 Millionen, die DFL 26 Millionen Euro abführen sollte - so geschah es offenbar auch.

Vorwurf: Drei-Prozent-Regelung wird seit 2013 permanent unterlaufen

Diese Schätzungen seien aber unrealistisch gewesen, kritisierte Zwanziger. Er geht von 32 bis 35 Millionen aus, die dem Verband zugestanden hätten, also pro Jahr 12 bis 15 anstelle der tatsächlich gezahlten 6 Millionen Euro. Der Vorwurf also: Die Drei-Prozent-Regelung wird seit 2013 permanent unterlaufen.

Pikant ist, dass laut Zwanziger aus dem Haushaltsplan 2013 bis 2015 hervorgehe, dass der DFB auf Sicht nur mit 6 Millionen Euro Überschuss aus dem Pachtverhältnis plante. Ab 2013 war der heutige DFB-Präsident Reinhard Grindel Schatzmeister. "Durch die Deckelung bei Paragraph vier ist dem Verband ein beachtlicher Betrag entgangen", findet Zwanziger, der nicht nachvollziehen kann, dass auf dem Bundestag 2016 in Erfurt kein Wort über die Zusatzvereinbarung im Grundlagenvertrag gefallen war.

Bemessungsgrenze wurde nicht der neuen Einnahmesituation angepasst

Damals war Grindel als Präsident einstimmig wiedergewählt und der Grundlagenvertrag bis 2023 verlängert worden. Kurz zuvor hatte die DFL einen neuen TV-Vertrag geschlossen, der den Profiklubs ab diesem Sommer im Schnitt pro Jahr 1,16 Milliarden Euro allein für die nationalen Übertragungsrechte garantiert. Nach wie vor wird es demnach anhand der Zusatzvereinbarung auf einen Transfer von sechs Millionen Euro von der DFL an den DFB hinauslaufen, da die Bemessungsgrenze (866,66 Millionen Euro) nicht der neuen Einnahmesituation angepasst wurde.

War ab 2013 DFB-Schatzmeister: Der heutige DFB-Präsident Reinhard Grindel. © imago

Die dürfte künftig inklusive Auslandsvermarktung und Ticketeinnahmen für den nächsten Vierjahreszyklus des TV-Vertrags tatsächlich bei knapp zwei Milliarden Euro pro Saison liegen. Demnach rechnet Zwanziger damit, dass den Amateuren ab 2017 pro Jahr rund 30 Millionen Euro entgehen. Heruntergebrochen auf die 21 Landesverbände wären dies rund 1,43 Millionen Euro pro Landesverband. Allerdings würden sich in der Gegenrechnung auch seitens des DFB höhere Zahlungen an die DFL ergeben, weil der Verband ab 2019 50 statt wie bislang 20 Millionen Euro pro Jahr von Ausrüster adidas erhält.

Gemeinnützigkeitsrechtlich hält Zwanziger die Deckelung der Einnahmen aus der Bundesliga-Verpachtung für nicht notwendig. Mit der Übernahme der Bundesliga-Rechte durch die DFL sei die Pacht in die Vermögensverwaltung des Verbandes übergegangen.

Benni Hofmann