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04.04.2016, 14:20

Hertha: Aufarbeitung des Debakels von Gladbach

Dardai: "Das war nicht unser wahres Gesicht"

In der Kabine gab es eine halbstündige Aufarbeitung des Debakels, danach ließ Pal Dardai seine tags zuvor von Borussia Mönchengladbach beim 0:5 vorgeführten Profis fünfmal tausend Meter laufen. Das Credo des Ungarn nach der höchsten Niederlage seiner bislang 14-monatigen Amtszeit: "Runterschlucken, ausschwitzen - und nach dem freien Dienstag am Mittwoch mit guter Laune zur Arbeit kommen."

Pal Dardai, Trainer Hertha BSC
Hatte nach dem 0:5 in Gladbach eine unruhige Nacht: Hertha-Coach Pal Dardai.
© imagoZoomansicht

Zuvor hatte Dardai in der Kabine die 90 ernüchternden Minuten "in einem interaktiven Gespräch" gemeinsam mit der Mannschaft analysiert. Auch während der Laufrunden auf dem Trainingsplatz, die das Trainerteam mit absolvierte, suchte der Berliner Coach immer wieder des Gespräch mit einzelnen Profis, etwa mit Vedad Ibisevic und Rune Jarstein.

Nach der Rückkehr aus Mönchengladbach war Dardai gegen zwei Uhr eingeschlafen und um halb fünf wieder aufgewacht. "Man sucht nach Lösungen und überlegt, wo man selbst Fehler gemacht hat", erklärte der Trainer am Montagmittag und machte klar: "In dem körperlichen Zustand, in dem wir waren, und in der Tagesform gibt es keine Lösungen. Das war nicht nur zäh, da war nicht ein Spieler dabei, von dem du sagst: Der hatte Top-Form."

Hertha, unter Dardai bislang in nahezu allen Spielen stabil, brach in der finalen halben Stunde in Mönchengladbach förmlich auseinander. "Unsere Stärke - die taktische Disziplin, die Kompaktheit - war nicht da. Sie haben uns ausgespielt. Das war nicht unser wahres Gesicht. Das war ein Spiel, aus dem du anders als aus dem Hamburg-Spiel (0:2, d. Red.) viel lernen kannst, aber das du auch schnell vergessen musst."

Ich erkenne keine Verbesserung gegen Top-Mannschaften.Pal Dardai

Die fehlende Spritzigkeit, die fehlende Kompaktheit - all das beschäftigte Dardai freilich auch am Tag danach. "Ich vergleiche das mit einem vernünftigen Mann, der dann einmal besoffen nach Hause kommt und seine Frau, die ihn so nicht kennt, überrascht", so der Ungar. "Jede Mannschaft hat mal so eine Niederlage dabei. Ein Problem hast du, wenn du zwei oder drei davon kassierst. Aber ich glaube, das wird bei uns nicht der Fall sein. Die Jungs sind ehrgeizig und zielstrebig. Bisher war immer eine Verbesserung erkennbar, aber: Ich erkenne keine Verbesserung gegen Top-Mannschaften. Das ist das, was mich beschäftigt."

Mentale Folgen befürchtet der Coach nicht

Angesichts des Restprogramms, das mit dem FC Bayern (H), Bayer Leverkusen (A) und Mainz (A) noch drei Gegner aus dem oberen Tabellendrittel für den Liga-Dritten bereithält, will und muss Dardai "nach Lösungen suchen und sie finden". Mentale Folgen der Klatsche befürchtet er nicht: "Die Spieler sind nicht geknickt, die Trainer sind nicht geknickt. Jetzt schlechte Stimmung zu verbreiten, wäre Jammern auf hohem Niveau. Es gibt solche Spiele, ich habe als Spieler sogar mal gegen Malta verloren. Das Leben geht weiter, es ist niemand gestorben."

Spielbericht

Aber der ehrgeizige Dardai gibt angesichts der Chancenlosigkeit in beiden Saisonspielen gegen Gladbach (1:4, 0:5) zu: "Neun Gegentore - das stört mich." Sein Programm für den freien Dienstag, ehe am Mittwoch die Vorbereitung aufs Spiel gegen Schlusslicht Hannover beginnt: "Blumen kaufen und mich um meinen Rasen kümmern."

Dardai spricht Jarstein sein Vertrauen aus

Seinem Keeper Rune Jarstein, der mit seinem Fehlpass vor dem 0:1 Thorgan Hazards erstes Tor eingeleitet und auch beim fünften Gegentor unglücklich ausgesehen hatte, sprach Dardai das Vertrauen aus: "Wenn wir seine Leistungen in dieser Saison zusammenrechnen: Rune macht es sehr gut, wir brauchen ihn." Allerdings: In jener Schlüsselszene in der 14. Minute, als Mahmoud Dahoud Jarsteins Pass abfing und auf Hazard weiterleitete, traf Jarstein eine folgenschwere und falsche Entscheidung.

Auf kicker-Nachfrage sagte Dardai am Montag: "Er hat diese Lösung gesucht, aber diesen Pass darf er nicht spielen und der ist auch nicht vorgesehen bei uns. Er hatte in dem Moment drei andere Zonen für eine Spielverlagerung, er muss da den langen Ball suchen. Vladimir Darida, den Rune anspielen wollte, hatte nicht mal eine offene Stellung und konnte sich nicht ausdrehen. Selbst wenn der Pass ankommt, wäre es nicht gut gewesen." Der Pass kam nicht an - und das Unheil nahm seinen Lauf. Jarstein selbst hatte bereits am Sonntag eingeräumt: "Das war mein Fehler, ich hätte Vladi Darida besser nicht versucht anzuspielen."

Steffen Rohr

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 04.04., 09:46 Uhr
Fünf Tore für die Königsklasse - Gladbach deklassiert Hertha
Ein überfordertes Team von Hertha BSC hat bei Borussia Mönchengladbach mit einem 0:5 die höchste Saisonniederlage kassiert. Die Berliner nahmen das Debakel relativ gelassen hin, Trainer Pal Dardai sprach von einer "Niederlage zur richtigen Zeit". Als Tabellendritter liegt die Hertha weiterhin gut im Rennen um die Königsklassen-Teilnahme. Aber Gladbach bleibt Berlin auf den Fersen: Der Kampf um die Champions League wird immer spannender.
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Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München66:1372
 
2Borussia Dortmund67:2867
 
3Hertha BSC37:3248
 
4Bor. Mönchengladbach59:4445
 
5Bayer 04 Leverkusen42:3345
 
61. FSV Mainz 0539:3544
 
7FC Schalke 0439:3844
 
8VfL Wolfsburg39:3738
 
9FC Ingolstadt 0426:3136
 
10Hamburger SV34:3834
 
111. FC Köln29:3534
 
12VfB Stuttgart45:5633
 
13SV Darmstadt 9830:4329
 
14TSG Hoffenheim31:4428
 
15Werder Bremen38:5728
 
16FC Augsburg35:4727
 
17Eintracht Frankfurt29:4427
 
18Hannover 9622:5217

weitere Infos zu Dardai

Vorname:Pal
Nachname:Dardai
Nation: Ungarn
Verein:Hertha BSC


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